“I don’t think you ever make anything perfect”, sagte Wayne Charvel einmal in einem Interview. Seine Gitarren sind und waren vor allem in den 80ern für viele aber ziemlich nah dran. Nun ist der amerikanische Gitarrenbauer und Gründer von Charvel Guitars elf Tage nach seinem 85. Geburtstag gestorben.
Von John Entwistle bis Eddie Van Halen
Charvels Weg zum Gitarrenbauer begann mit einer Fender Stratocaster, die er sich 1959 zulegte. Damals arbeitete er als Lackierer und färbte die Gitarre kurzerhand in Candy Apple Blue um. Später übernahm er Reparatur- und Lackierarbeiten für Fender. 1974 eröffnete Charvel dann in Azusa, Kalifornien, seine Werkstatt Charvel’s Guitar Repair. Fender schickte ihm unter anderem Deep Purple vorbei, die ihre Instrumente umbauen lassen wollten. Charvel fräste Platz für Humbucker, installierte andere Pickups und erledigte Sonderwünsche, für die es bei Fender damals noch keine eigene Abteilung gab. Für John Entwistle von The Who baute er einen transparenten Bass aus Kunststoff und bald bot er auch eigene Ersatzteile für Fender- und Gibson-Gitarren an.
Als günstigere Kopien das Geschäft mit den Bauteilen einbrechen ließen, konzentrierte sich Charvel auf komplette Instrumente. Tommy Bolin gehörte zu seinen ersten Kunden, später folgten Billy Gibbons und Dusty Hill von ZZ Top. Besonders eng blieb sein Name jedoch mit Eddie Van Halen verbunden. Der junge Gitarrist kam Anfang der Siebziger mit einem pfeifenden DiMarzio-Pickup in Charvels Werkstatt. Charvel tauchte den Tonabnehmer in heißes Wachs und bekam das Problem in den Griff. Van Halen kam wieder.
Nach Charvels eigener Darstellung überließ er ihm später einen Boogie-Bodies-Hals und einen älteren Korpus aus seiner Werkstatt. Beim nächsten Treffen hatte Van Halen daraus eine weiß lackierte Gitarre mit schwarzen Streifen gebaut und den Pickup mit Nägeln befestigt. Es war eine frühe Fassung der Gitarre, die als „Frankenstein“ berühmt werden sollte. Auch die schwarz-gelbe „Bumblebee“ entstand auf Van Halens Wunsch in Charvels Umfeld.
Nur vier Jahre bei Charvel
1978 verkaufte Wayne Charvel das Unternehmen an Grover Jackson. Gerade einmal vier Jahre hatte er die Firma geführt, die seinen Namen bis heute trägt. Die späteren Charvel-Gitarren wurden zu festen Größen im Hardrock und Metal der Achtziger. Steve Vai, Jake E. Lee, Warren DeMartini und George Lynch spielten sie, ebenso Jeff Beck und Allan Holdsworth. Seit 2002 gehört die Marke zu Fender.

Später arbeitete Wayne Charvel auch für Gibson und B.C. Rich. Gemeinsam mit seinem Sohn Michael baute er unter dem Namen Wayne Guitars erneut eigene Instrumente.
Wayne Charvel hat die E-Gitarre zwar nicht neu erfunden. Er nahm nur sehr ernst, was Musiker mit ihr vorhatten, und Mitte der Siebziger war das keineswegs selbstverständlich. Die später so genannte „Superstrat“ ist nicht allein sein Werk, aber ohne seine Werkstatt und seinen Einsatz sähe ihre Geschichte jedoch anders aus.
