Der New-Orleans-Funk-Klassiker ‚Cissy Strut‘ von The Meters sieht in Noten erstmal erstaunlich harmlos aus. Und so klingt er ja auch. Leo Nocentellis Gitarrenpart ist absolut essenziell für das Stück, aber weder technisch noch harmonisch in irgendeiner Weise kompliziert. Trotzdem hört man beim Nachspielen ziemlich schnell, wo die Fallstricke dieser einfachen Parts liegen, die Nocentelli auf einer Fender Telecaster eingespielt haben soll.
Funk aus New Orleans
The Meters veröffentlichten „Cissy Strut“ 1969 auf ihrem selbstbetitelten Debütalbum. Nocentelli hatte die Melodie bereits zuvor entwickelt, die Band spielte das Instrumental zunächst live. Produzent Allen Toussaint hörte das Stück und holte The Meters schließlich zu Aufnahmen ins Studio.
Was daraus entstand, ist bis heute eine ziemlich gute Einführung in den New-Orleans-Funk: wenige Töne, kurze Akkorde und viel Platz für George Porter Jr. am Bass und den eigenwilligen Groove von Schlagzeuger Joseph „Zigaboo“ Modeliste.
Riff 1
Das erste Riff beginnt mit der bekannten absteigenden Linie über Cm7 (dorisch). In der Transkription bleibt die Greifhand dabei zwischen dem dritten und sechsten Bund. Nach den vier Sechzehnteln zu Beginn wird die Phrase zunehmend von Pausen und der rhythmischen Platzierung der Noten bestimmt.
Der kleine Viertelton-Bend auf dem Ton es sollte nur angedeutet werden. Die Saite wird leicht gezogen, ohne einen konkreten neuen Zielton anzusteuern. Ebenso wichtig sind die kurzen Notenwerte: Nach dem Anschlag den Druck der Greifhand lösen und die Töne konsequent zum richtigen Zeitpunkt beenden. Da hilft es, sich immer wieder das Original anzuhören und mitzuspielen.
Im zweiten Takt folgen die kurzen Voicings von Bb- und F-Dur. Auch sie werden sofort wieder abgedämpft. Nocentelli wechselt damit innerhalb des Riffs von der einstimmigen Melodie zu knappen Akkordakzenten, ohne dass sich Gitarre, Bass und Schlagzeug gegenseitig in die Quere kommen.
Riff 2
Das zweite Riff ist technisch noch einfacher. Die linke Hand bewegt sich hauptsächlich zwischen dem dritten und fünften Bund. Im ersten Takt bestimmen die Sechzehntelpausen den Verlauf der Phrase. Beim Üben lohnt es sich deshalb, das Tempo zunächst zu reduzieren und das Sechzehntelraster konsequent mitzuzählen. Im zweiten Takt läuft die Figur schließlich zum tiefen C hinunter, danach bleibt der Rest des Taktes frei. Diese Pause gehört genauso zum Riff wie die vorherigen Noten.
Beide Figuren sind schnell gelernt. Für den passenden Sound braucht es ebenfalls wenig: clean bis leicht angeraut, trocken, nicht zu viel Sustain und ein präziser Anschlag. Schwieriger ist es, nichts hinzuzufügen.



