Wer einen neuen E-Bass sucht, hat oft die Qual der Wahl. Gerade heutzutage ist das Sortiment besonders vielfältig aufgestellt und bietet für nahezu jeden Einsatzbereich eine perfekt zugeschnittene Lösung. Dabei geht es meistens zunächst um die Art der Pickups, die Frage, ob Aktiv- oder Passiv-Elektronik sinnvoller ist, die Anzahl der Saiten und natürlich auch die Form von Korpus und Hals. Eine mindestens ebenso wichtige Eigenschaft wird dabei aber gerne übersehen: die Bassmensur. Ihr Einfluss auf Spielgefühl, Saitenspannung und Klangcharakter eines Instruments ist nicht zu unterschätzen und kann sogar maßgebliches Kriterium sein, ob dir ein bestimmter Bass liegt oder nicht.
Mit Longscale, Mediumscale und Shortscale haben sich drei grundlegende Mensurlängen beim Bass etabliert. Doch was heißt das eigentlich? Welche Unterschiede macht die Mensur aus und welche eignet sich überhaupt für wen? Wir haben alle Informationen gesammelt, die du brauchst, um die passende Bassmensur für deinen Spielstil zu finden!
Longscale, Mediumscale, Shortscale – Was bedeutet Mensur beim Bass?
Zunächst einmal zum Begriff selbst: Die Mensur bezeichnet bei Saiteninstrumenten die Länge der frei schwingenden Saite, also im Endeffekt den Abstand zwischen Sattel und Steg. Sie wird bei Gitarren und Bässen traditionell in Zoll angegeben. Die Mensur ist die Richtgröße, nach der sich die Abstände der einzelnen Bünde auf dem Griffbrett bemessen.

Beim E-Bass begegnen uns hauptsächlich drei Größen:
- Longscale: etwa 34″ (864 mm)
- Mediumscale: etwa 32″ (813 mm)
- Shortscale: etwa 30″ (762 mm)
Daneben gibt es zahlreiche Sonderformen. Mensuren, die länger als 34″ lang sind, werden häufig als Extra Longscale oder Super Longscale bezeichnet. Eine weitere Sonderform, die moderne Bässe häufig verwenden, ist die sogenannte Multiscale-Mensur. Multiscale-Bässe verfügen über unterschiedliche Mensuren für jede Saite. So bleiben die hohen Saiten in der Regel im kurzen Mensurbereich, während die tiefen Saiten längere Mensuren von 35″, 36″ oder sogar 37″ verwenden. Für die klassische Einteilung sind jedoch 30″, 32″ und 34″ die gebräuchlichsten.
Longscale – der Standard unter den E-Bässen
Die 34″-Mensur ist heute der unangefochtene Standard. Verantwortlich dafür ist vor allem der Fender Precision Bass, dessen Bauform die 34″-Mensur seit den frühen 1950er-Jahren etablierte und zum Vorbild für unzählige Instrumente machte. Auch der Fender Jazz Bass, der Music Man StingRay und viele andere Klassiker setzen auf dieses Maß.

Der große Vorteil liegt in einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Spielbarkeit, Saitenspannung und Klang. Die Saiten besitzen genügend Zug für einen definierten Attack, ohne sich übermäßig steif anzufühlen. Longscale-Bässe eignen sich daher praktisch für jeden Musikstil. Rock, Funk, Jazz, Pop oder Metal – mit 34″ lässt sich daher kaum etwas falsch machen.
Besonders bei tiefen Saiten spielt die längere Mensur ihre Vorteile aus. Deshalb verwenden viele Fünfsaiter mindestens 34″, häufig sogar 35″ oder mehr. Die tiefe H-Saite erhält dadurch mehr Spannung und kann definierter wirken.
Longscale-Mensur – Vor- und Nachteile
Longscale-Bässe bieten folgende Vorteile:
- Klassisches Bass-Spielgefühl
- Direkter und definierter Ton
- Ideal für tiefere Stimmungen
- maximale Auswahl bei Instrumenten und Saiten
Allerdings kann die Longscale-Mensur auch folgende Nachteile mit sich bringen:
- In den ersten Bünden schwieriger zu bespielen
- Etwas schwerer zu greifen aufgrund höherer Saitenzugkraft

Shortscale – kompakt, bequem und längst wieder angesagt
Das andere Ende des Spektrums bilden Shortscale-Bässe mit einer Mensur von meist etwa 30″. Berühmte Beispiele sind der Höfner Violin Bass, Fender Mustang Bass oder Gibsons EB-Modelle.

Lange wurden Shortscales vor allem als Instrumente für Anfänger oder Spieler mit kleinen Händen betrachtet. Dieses Image ist inzwischen aber glücklicherweise weitgehend überholt. Zahlreiche professionelle Musiker setzen nämlich gezielt auf die besonderen klanglichen und spieltechnischen Eigenschaften kurzer Mensuren. Durch die kürzere Strecke zwischen Sattel und Steg benötigt eine Saite bei gleicher Stimmung und vergleichbarer Konstruktion weniger Spannung. Dadurch wird nicht nur das Spielgefühl weicher, Bendings gelingen ebenfalls leichter und die Abstände zwischen den Bünden fallen geringer aus. Das vereinfacht vor allem das Lagenspiel in den ersten Bünden.
Klanglich werden Shortscale-Bässe häufig mit einem warmen, kräftigen und leicht komprimiert wirkenden Ton verbunden. Der Attack kann weniger ausgeprägt erscheinen als bei einem Longscale-Bass, während Grundton und Tiefmitten stark in den Vordergrund treten. Gerade mit Flatwound-Saiten entsteht auf Shortscale-Bässen der klassische, runde Vintage-Basssound, der hervorragend zu Soul, Indie, Blues und traditionellem Rock passt.
Shortscale-Mensur – Vor- und Nachteile
Ein Shortscale-Bass bietet folgende Vorteile:
- Bessere Bespielbarkeit für Spieler mit kleineren Händen
- Gut für Gitarristen, die auf Bass umsteigen
- Entspanntes Spielgefühl
- Ideal für Fans warmer Vintage-Sounds
- Kompakteres Design und leichter zu transportieren
Allerdings bringt die kurze Mensur auch folgende Nachteile mit sich:
- Schlechtere klangliche Definition
- Weniger Attack, dadurch für bestimmte Techniken wie Slaps weniger geeignet
- Für tiefere Stimmungen leiden unter zu geringer Saitenspannung

Mediumscale – der goldene Mittelweg?
Zwischen den beiden Welten der Longscale- und Shortscale-Bässe liegt die Mediumscale-Mensur von ungefähr 32″. Sie ist wesentlich seltener anzutreffen, kann aber einen interessanten Kompromiss darstellen.

Die Bundabstände fallen etwas kleiner aus als beim Longscale, während die Saiten in der Regel straffer reagieren als auf einem 30″-Bass. Wer sich auf einem Longscale etwas strecken muss, einen klassischen Shortscale aber als zu weich empfindet, könnte hier genau richtig liegen. Auch klanglich bewegt sich Mediumscale zwischen den Extremen. Der Ton kann etwas kompakter und weicher als bei einem typischen Longscale ausfallen, ohne den charakteristischen Attack vollständig aufzugeben.
Der größte Nachteil ist allerdings die geringere Auswahl. Während nahezu jeder Hersteller Longscale- und inzwischen viele Shortscale-Modelle anbietet, sind 32″-Instrumente deutlich seltener. Auch beim Saitenkauf sollte natürlich darauf geachtet werden, dass der jeweilige Satz zur Mensur und Konstruktion des Instruments passt.
Multiscale-Mensur – die eierlegende Wollmilchsau?
Multiscale- oder Fanned-Fret-Bässe verfolgen einen anderen Ansatz. Statt einer einheitlichen Mensur besitzt jede Saite eine ganz eigene Mensurlänge. In der Regel sind die tiefen Saiten länger, während die hohen Saiten kürzer ausfallen. Dadurch soll beispielsweise eine tiefe H-Saite von hoher Spannung und Definition profitieren, ohne dass sich die höheren Saiten unnötig steif anfühlen.

Dieses Konzept ist vor allem dann von Vorteil, wenn ein Bass einen besonders weiten Tonumfang hat, also beispielsweise bei Fünf- und Sechssaitern sowie sehr tiefen Tunings. Der Trade-Off ist allerdings, dass die schräg angeordneten Bünde zunächst gewöhnungsbedürftig zu spielen sind. Dennoch werden sie von vielen Spielern bereits nach kurzer Eingewöhnung als ergonomisch empfunden.

Mensur und Saitenstärke: die richtige Saitenspannung finden
Ebenfalls wichtig für die Wahl des richtigen Bassmodells ist, dass du das Verhältnis zwischen Mensurlänge und Saitenstärke verstehst. Dieses entscheidet nämlich maßgeblich darüber, wie sich eine Saite spielen lässt. Besonders deutlich wird der Unterschied, wenn zwei ansonsten ähnliche Bässe mit denselben Saiten und derselben Stimmung verglichen werden. Auf der kürzeren Mensur benötigt die Saite weniger Zug, um dieselbe Tonhöhe zu erreichen. Im schlimmsten Fall fühlt sich die Saite aufgrund der kürzeren Mensur etwas zu labbrig an.
Das Problem lässt sich allerdings gut in den Griff kriegen, indem du stärkere Saiten aufziehst. Die Spannung oder Zugkraft einer Saite ist nämlich immer das Resultat aus Mensurlänge, Saitenstärke und Tonhöhe:
- Mensurlänge – je länger, desto höher die Spannung
- Saitenstärke – je dicker, desto höher die Spannung
- Tonhöhe – je höher, desto höher die Spannung
Wer also einen Shortscale-Bass mit dünnen Saiten bezieht und sehr tief stimmt, wird ein sehr labbriges Spielgefühl und einen undefinierten Ton erhalten. Andersrum wird ein Bass mit langer Mensur, hoher Saitenstärke und hohem Tuning nicht nur viel zu hart zu bespielen sein, sondern auch Gefahr laufen, dass Saiten schnell reißen. Die ideale Einstellung liegt also irgendwo zwischen den beiden Extremen. Mensurlänge, Saitenstärke und Tonhöhe sind die Stellschrauben, die du verändern kannst, um deine Wunsch-Setup zu erreichen.
Mensur und Bespielbarkeit: die entscheidenden Faktoren
Auch wenn es oft heißt, dass kürzere Mensuren in der Regel einfacher zu bespielen sind, reicht die reine Mensurlänge als Information allein oft nicht aus, um Rückschlüsse auf die tatsächliche Bespielbarkeit eines Basses zu ziehen. Da ein E-Bass die Gesamtsumme seiner Teile und Abmessungen abbildet, sollten folgende Aspekte hier immer berücksichtigt werden:
- Halsprofil und Sattelbreite
- Saitenlage und allgemeines Setup
- Korpus-Design
- Gewicht und Balance
Ein weiteres wichtiges Merkmal, das im Zusammenhang mit der Mensur maßgeblichen Einfluss auf die Bespielbarkeit nimmt, ist die Positionierung der Brücke. Eine tief in den Korpus platzierte Brücke kann nicht nur für eine verbesserte Playability in den ersten Griffbrettlagen sorgen, sondern auch den Balance-Punkt des Instruments verändern und Kopflastigkeit vorbeugen. Daher ist es immer wichtig, den E-Bass in die Hand zu nehmen und ausgiebig zu testen, bevor du dich für ein bestimmtes Modell entscheidest.
Longscale, Mediumscale oder Shortscale? Die Unterschiede zusammengefasst
Welche Mensur die richtige ist, hängt also letztlich von persönlichen Vorlieben und dem jeweiligen Einsatzzweck ab, in dem du dich bewegst. Hier sind alle Eigenschaften der verschiedeben Bassmensuren noch einmal zusammengefasst:
Longscale ist der vielseitige Standard. Wer einen klassischen E-Bass sucht, häufig tief stimmt oder einen straffen, definierten Ton bevorzugt, ist mit 34″ bestens beraten.
Shortscale bietet ein kompakteres Spielgefühl mit geringeren Bundabständen und tendenziell weicherer Saitenspannung. Dazu kommt ein charakteristischer Klang, der gerade für warme Vintage-Sounds äußerst reizvoll sein kann.
Mediumscale verbindet Eigenschaften beider Welten und eignet sich hervorragend für Spieler, denen 34″ etwas zu groß und 30″ etwas zu kurz erscheinen.
Am besten entscheidet jedoch nicht das Datenblatt, sondern die eigene Greifhand. Wer die Möglichkeit hat, sollte Bässe mit verschiedenen Mensuren direkt miteinander vergleichen. Denn die passende Mensur ist weniger eine Frage von „richtig“ oder „falsch“ als vielmehr davon, auf welchem Instrument sich Sound und Spielgefühl am natürlichsten für dich anfühlen.
