Riff Lab: YNGWIE MALMSTEEN „Rising Force“ (Noten + Tabs)

Mein Einstieg in den ungewöhnlichen musikalischen Kosmos von Yngwie Malmsteen war sein viertes Album „Odyssey“. Es war 1986 und ich interessierte mich weder für Hard Rock noch für Klassik, aber ein Freund spielte mir den Opener des Albums vor. Ich war sofort hin und weg.

Dieser erste Song namens „Rising Force“ ist vielleicht nicht sein bester oder sein auffälligster, aber er illustriert hervorragend und anschaulich Yngwie Malmsteens Ansatz. Neoklassische Wucht in einem erstaunlich griffigen Hardrock-Song: der Track vereint vieles, was sein Spiel ausmacht. Ein paar Sekunden baut „Rising Force“ Spannung auf, dann lässt Yngwie Malmsteen die Zügel los: dramatische Akkordwechsel, enormes Tempo, klassisches Tonmaterial und unfassbar viel Energie im Ton und der Phrasierung.

Maßstab für eine ganze Generation

Anfang der Achtziger gelangte eine 1978 in Schweden aufgenommene Demokassette in die Hände des Shrapnel-Gründers Mike Varney. Der holte den jungen Strat-Player nach Kalifornien, wo Malmsteen zunächst bei Steeler und anschließend bei Alcatrazz spielte. Schon dort war seine Verbindung aus Ritchie Blackmore, Jimi Hendrix, Bach und Paganini unüberhörbar. 1984 erschien das überwiegend instrumentale Solodebüt, das ebenso wie der Song dieses Workshops „Rising Force“ betitelt ist. Es erreichte Platz 60 der US-Charts und erhielt eine Grammy-Nominierung. Mit „Marching Out“ und „Trilogy“ folgten zwei weitere Alben in kurzer Folge. Binnen weniger Jahre war Malmsteen zum Maßstab geworden, an dem sich eine ganze Generation technisch ehrgeiziger Gitarristen abarbeitete.

„Odyssey“ entsteht nach Unfall

Am 22. Juni 1987 prallte Malmsteen in Woodland Hills mit seinem Jaguar gegen einen Baum. Er erlitt eine Hirnblutung, lag im Koma und konnte seine rechte Hand zunächst nicht richtig bewegen. Das Material für „Odyssey“ war zu diesem Zeitpunkt bereits weitgehend vorbereitet. Der frühere Rainbow-Sänger Joe Lynn Turner blieb nach dem Unfall in Los Angeles und arbeitete an Gesangsmelodien und Texten. Als Malmsteen wieder spielen konnte, begannen die Aufnahmen. Produziert wurde das Album von Malmsteen und Jeff Glixman. Jens Johansson übernahm die Keyboards, dessen Bruder Anders das Schlagzeug. Bob Daisley spielte bei vier Songs Bass, darunter „Rising Force“.


Affiliate Link:

Fender Yngwie Malmsteen Stratocaster MN Vintage White

Turners Gespür für eingängige Melodien und die aufgeräumte Produktion gaben der Musik mehr Luft. Stücke wie „Heaven Tonight“, „Dreaming (Tell Me)“ und „Hold On“ rückten Malmsteen näher an den melodischen Hardrock jener Jahre, ohne seine Handschrift glattzubügeln. „Odyssey“ erreichte Platz 40 der US-Albumcharts – höher kam dort keines seiner späteren Alben.

Riff mit rhythmischer Präzision

„Rising Force“ eröffnet die Platte und führt zugleich zu Malmsteens Anfängen zurück. So hatte bereits seine schwedische Demokassette geheißen, ebenso das Solodebüt von 1984. Der Begriff war mithin Bandname, Gütesiegel und künstlerisches Programm zugleich. Das Haupt-Riff dieser schnellen Nummer treibt den Song voran, lässt Turners Gesang Platz und gewinnt seine Wirkung vor allem aus rhythmischer Präzision. Erst im Solo öffnet Malmsteen sämtliche Schleusen. Typisch sind der Wechsel aus abgestoppt gespielter tiefer E-Saite und offene Töne auf den Saiten darüber. An Tonmaterial verwendet Malmsteen ausschließlich die Blues-Tonleiter in E.


Affiliate Link:

MXR YJM308 Yngwie Malmsteen Overdrive

Auch interessant:

Von Western bis Heavy Metal: Die Baritongitarre und ihre vielen Gesichter

Baritongitarren sind längst keine Exoten mehr. Gerade in den vergangenen Jahren ist das Interesse an [...]

> WEITERLESEN
Von Flying V bis Rhoads: Die Geschichte der legendären V-Gitarren

Als Gibson 1958 die Flying V vorstellte, war ihre Korpusform für viele Gitarristinnen und Gitarristen [...]

> WEITERLESEN
THE TOBIAS HOFFMANN QUARTET: Musik, Minimalismus, Miles & mehr

Seit fast zwei Dekaden veröffentlicht der in Köln lebende Gitarrist Tobias Hoffmann eigene Alben. Angefangen [...]

> WEITERLESEN
Cross Road Blues: Robert Johnson und sein Pakt mit dem Teufel?

Eine verlassene Kreuzung bei Nacht irgendwo im Mississippi-Delta der 1930er-Jahre. In der Dunkelheit steht ein [...]

> WEITERLESEN
Charvel San Dimas: Wie aus der Stratocaster die Superstrat wurde

Eine Stratocaster mit kräftigem Humbucker, schlankem Hals und möglichst simpler Bedienung – was heute nach [...]

> WEITERLESEN
Ist ein Piccolo-Bass nicht eigentlich eine Gitarre, Mr. Bromberg?

Brian Bromberg stimmt seine Bässe bis ins Gitarrenregister, übernimmt Melodien und spielt Soli, die man [...]

> WEITERLESEN
Von Zelda bis Final Fantasy: Wenn Videospiel-Gitarren Wirklichkeit werden

Videospiele und Musik gehören seit den frühen Tagen des Mediums zusammen. Auch wenn die Soundchips [...]

> WEITERLESEN
… macht Sachen: SLASH spielt Pedal Steel

Die Les Paul ist und bleibt Slashs beste Freundin. Entsprechend versieht er seine Signature-Modelle ja [...]

> WEITERLESEN
BÄNZ OESTER Kontrabassist & Bandleader

Wie wichtig der Bass in einer Band ist, wissen wir alle. Wenn der nicht rollt [...]

> WEITERLESEN

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert