Platte der Woche: STEVE CROPPER „Watching The Tide“

Auf seinem letzten Studioalbum zeigt Steve Cropper noch einmal, warum sein reduziertes, präzises Gitarrenspiel Generationen geprägt hat. Eric Clapton, Brian May, Billy Gibbons und Ronnie Wood liefern prominente Beiträge, doch das Zentrum bleibt Croppers unverwechselbarer Groove. Cropper, der Ende 2025 im Alter von 84 Jahren gestorben war, brauchte nie viele Töne. Ein knappes Riff, ein präzise gesetzter Akkord oder eine kurze Antwort auf den Gesang reichten ihm. Auf ‚Watching The Tide‘ ist diese Kunst noch einmal in zwölf Stücken zu hören. Das posthum erscheinende Album ist dabei keine schwermütige Abschiedsplatte, sondern eine vitale Mischung aus Soul, Blues, R&B und Funk.

Nach dem Grammy-nominierten ‚Friendlytown‘ von 2024 wollte er weiterarbeiten. Gemeinsam mit dem Songwriter und Produzenten Jon Tiven sowie Roger C. Reale von The Midnight Hour schrieb er neues Material, das im RCA Studio C in Nashville aufgenommen wurde. Zur Band gehörten Sängerin Ana Grosh, Schlagzeuger Nioshi Jackson und Eddie Gore an Keyboards und Percussion. Tiven übernahm Bass und einige Leadgitarren. Dazu kamen Eric Clapton, Brian May, Billy Gibbons und Ronnie Wood, deren Beiträge sich gut in die Songs einfügen.

Der Opener ‚Tandoori Chicken‘ erinnert bewusst an ‚Green Onions‘, erweitert den bekannten Booker-T.-Sound jedoch um eine Sitar. Der Titel entstand nach einem indischen Mittagessen während der Aufnahmen. ‚Ticket First‘ ist ein kerniger Southern Blues, auf dem Cropper und Eric Clapton sich die Bälle zuspielen. Claptons Beitrag veränderte das Stück so deutlich, dass er schließlich als Mitautor genannt wird.


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Danelectro Sitar Red Crackle

‚My Angels Are Calling‘ behandelt den Abschied direkter. Brian May singt aus Croppers Perspektive und blickt auf dessen Leben zurück, Billy Gibbons ist ebenfalls zu hören. Ronnie Wood steuert zu ‚Until Now‘ eine markante Slidegitarre bei, während Tiven auf ‚Blood From A Stone‘ und ‚Here & Gone‘ die Leadgitarre übernimmt. Eine wichtige Rolle spielt auch Ana Grosh. Die bei den Aufnahmen 21-jährige Sängerin war zunächst nur für Backing Vocals vorgesehen, erhielt dann aber mehr Raum – unter anderem bei ‚Here & Gone‘ und gemeinsam mit Gibbons auf ‚Stand Right Here‘.

In der zweiten Hälfte verbindet ‚It’s Gonna Get Worse‘ Funk mit Galgenhumor, während ‚Down & Out“ deutlich gelassener ausfällt. ‚Tipoff To The Ripoff‘ trägt eine scharfe Botschaft über einen zurückgenommenen Groove, ‚House Of Cards‘ zeigt Croppers Gespür für federnden Blues. ‚Tandoori Chicken Part 2‘ greift zum Abschluss noch einmal den Opener auf.

Als Tiven und Gore an der Fertigstellung arbeiteten, verschlechterte sich Croppers Gesundheitszustand. Etwa anderthalb Wochen vor seinem Tod im Dezember 2025 brachte Tiven ihm eine CD mit den Mixen. Nach Tivens Erinnerung spielte Cropper das Album seinen Besuchern vor und bezeichnete es als die beste Platte, die er je gemacht habe. Noch am Abend vor seinem Tod rief er Tiven an, um ihm zu sagen, wie sehr er das Ergebnis mochte.

Watching The Tide lebt nicht allein von seiner Vorgeschichte und den prominenten Gästen. Entscheidend sind Croppers Timing, sein trockener Ton und sein Gespür dafür, wann eine Gitarre spielen und wann sie schweigen sollte. Das Album erscheint am 28. August 2026 bei Provogue/Artone Label Group.


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Fender Eric Clapton Stratocaster MN Torino Red

Tracklist

01. Tandoori Chicken
02. Ticket First (feat. Eric Clapton)
03. My Angels Are Calling (feat. Brian May and Billy Gibbons)
04. Until Now (feat. Ronnie Wood)
05. Blood From A Stone
06. Here & Gone (feat. Ana Grosh)
07. It’s Gonna Get Worse
08. Down & Out
09. Stand Right Here (feat. Billy Gibbons and Ana Grosh)
10. Tipoff To The Ripoff
11. House Of Cards
12. Tandoori Chicken Part 2

Album-VÖ: 28. August 2026
Label: Provogue/Artone Label Group

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