MXR Flanger/Doubler im Test: Analoges Flanging und Doubling im Pedalformat

Der MXR Flanger/Doubler bietet mit Mix, Regen, Manual, Width und Speed direkten Zugriff auf die wichtigsten Parameter der analogen Modulation. Über Doubler und Invert lässt sich der Klangcharakter zusätzlich verändern.

Der MXR Flanger/Doubler holt einen ungewöhnlichen Effektklassiker zurück: Statt sich an einem der bekannten MXR-Bodentreter zu orientieren, basiert der neue M226 auf dem großen Flanger/Doubler-Rackgerät, das in den 1970er- und 1980er-Jahren in Studios und Gitarren-Rigs eingesetzt wurde. Entsprechend geht es hier nicht nur um den typischen Jet-Flanger. Der zweite Teil des Konzepts arbeitet mit deutlich längeren Verzögerungszeiten und bewegt sich zwischen Doubling, Chorus, Vibrato und kurzem Delay.

Mit einem Straßenpreis von rund 379 Euro gehört der MXR Flanger/Doubler allerdings klar zur gehobenen Pedalklasse. Dafür bekommt man eine vollständig analoge BBD-Schaltung, ungewöhnlich weitreichende Eingriffsmöglichkeiten und mit CV-Anschlüssen sowie umschaltbarem Instrumenten-/Line-Pegel einige Funktionen, die weit über das typische Gitarren-Pedalboard hinausgehen.

MXR Flanger/Doubler: Zurück zum Rack-Klassiker

MXR gehört zu den Herstellern, die den Klang klassischer Modulationseffekte entscheidend mitgeprägt haben. Beim Flanger/Doubler führt die Geschichte allerdings nicht primär zum bekannten M117 Flanger, sondern zum MXR M-126 Flanger/Doubler.

Das ursprüngliche Rackgerät kombinierte zwei unterschiedliche Einsatzbereiche. Im Flanger-Modus erzeugten extrem kurze Verzögerungszeiten die charakteristischen Kammfiltereffekte. Im Doubler-Modus wurde die Delay-Zeit verlängert, wodurch sich ein Signal verdicken und räumlich vom Original lösen ließ.

Prominent verbunden ist das Gerät unter anderem mit Dimebag Darrell, dessen Gitarrensound stark von der Kombination aus Flanging und Doubling geprägt wurde. Gerade dieser Einsatz zeigt aber auch, dass man den Effekt nicht ausschließlich als spektakulären Flanger betrachten sollte. Dezent eingestellt kann das Prinzip vielmehr dazu dienen, einer einzelnen Gitarre mehr Dimension und Bewegung zu verleihen.

Genau diesen Ansatz greift MXR mit dem neuen Pedal wieder auf.

Aufbau und Bedienung

Schon die Bedienoberfläche macht deutlich, dass der Flanger/Doubler mehr Kontrolle bietet als ein typisches Kompaktpedal. Fünf große Regler bestimmen den Effekt:

Mix regelt das Verhältnis zwischen trockenem und bearbeitetem Signal.

Regen bestimmt die Rückkopplung des verzögerten Signals und damit wesentlich die Intensität des Flanging-Effekts.

Manual legt die durchschnittliche Delay-Zeit fest.

Width definiert den Bereich, über den die Verzögerungszeit moduliert wird.

Speed bestimmt schließlich die Geschwindigkeit dieser Modulation.

Zwei zusätzliche Taster schalten den Doubler-Modus beziehungsweise die Invert-Funktion. Letztere dreht die Polarität des Effektsignals und verändert dadurch insbesondere beim Mischen mit dem trockenen Signal die entstehenden Auslöschungen und Überhöhungen.

Sehr hilfreich sind die beiden roten Sweep-LEDs. Sie zeigen nicht einfach nur eine Geschwindigkeit an, sondern visualisieren die aktuelle Bewegung der Delay-Zeit. Dadurch wird schnell verständlich, wie Manual, Width und Speed zusammenspielen.

Die Bedienung ist grundsätzlich logisch, allerdings nicht vollkommen narrensicher. Manual, Width und Speed beeinflussen sich gegenseitig, während Regen die klangliche Intensität drastisch verändern kann. Wer lediglich zwischen drei oder vier Standardsounds umschalten möchte, bekommt hier mehr Kontrolle als nötig. Wer einen Modulationseffekt bewusst formen möchte, findet dagegen ein sehr direktes Werkzeug.

Neben Ein- und Ausgang verfügt der MXR Flanger/Doubler über CV In und CV Out sowie eine Umschaltung zwischen Instrumenten- und Line-Pegel – praktisch für Pedalboard, Effektweg und Studio.
Neben Ein- und Ausgang verfügt der MXR Flanger/Doubler über CV In und CV Out sowie eine Umschaltung zwischen Instrumenten- und Line-Pegel – praktisch für Pedalboard, Effektweg und Studio.

Analoge BBD-Schaltung

Im Inneren arbeitet der MXR Flanger/Doubler vollständig analog mit Bucket-Brigade-Devices (BBD). Vereinfacht gesagt wird das Audiosignal dabei durch eine Kette analoger Speicherstufen weitergereicht. Dadurch entsteht eine kurze Verzögerung.

Wird diese Delay-Zeit kontinuierlich verändert und das verzögerte Signal dem Original zugemischt, entstehen periodische Phasenauslöschungen. Das Ergebnis ist das typische Kammfiltermuster eines Flangers.

Im Flanger-Modus bewegt sich die Delay-Zeit laut Spezifikation zwischen etwa 0,33 und 5,5 Millisekunden. Das ist genau der Bereich, in dem die charakteristischen metallischen Sweeps entstehen.

Der Doubler-Modus arbeitet dagegen mit ungefähr 17 bis 66 Millisekunden. Dadurch verändert sich die Wahrnehmung grundlegend. Das verzögerte Signal verschmilzt nicht mehr ausschließlich über Kammfiltereffekte mit dem Original, sondern wird zunehmend als eigenständige zeitliche Ebene wahrgenommen.

Genau darin steckt ein großer Teil des Reizes dieses Pedals.


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MXR Flanger/Doubler

Der Flanger in der Praxis

Im Flanger-Modus kann der MXR ausgesprochen klassisch klingen. Mit moderatem Width, langsamer Geschwindigkeit und zurückgenommenem Regen entsteht zunächst eine breite, kontinuierliche Bewegung, die Akkorde und lange Töne belebt, ohne sofort nach einem spektakulären Effekt zu klingen.

Erhöht man Regen, tritt der typische metallische Charakter deutlich stärker hervor. Die Resonanzen werden ausgeprägter und der Effekt entwickelt den bekannten Jet-Sweep.

Gerade mit verzerrten Gitarrensounds funktioniert das hervorragend. Der Effekt besitzt genügend Eigencharakter, um sich auch hinter einem kräftigen Distortion-Signal bemerkbar zu machen.

Interessant wird es, wenn Width komplett zurückgenommen wird. Damit lässt sich die automatische Modulation praktisch stilllegen und über Manual eine feste Delay-Zeit einstellen. Aus dem klassischen Flanger wird damit eine Art statischer Kammfilter.

Das ist weniger spektakulär, musikalisch aber ausgesprochen brauchbar. Gerade bei verzerrten Sounds können damit bestimmte Frequenzbereiche betont oder ausgedünnt werden.

Der Mix-Regler spielt dabei eine zentrale Rolle. Mit niedrigem Effektanteil lässt sich der Flanger als permanente Klangfärbung verwenden. Erst mit höherem Wet-Anteil rückt die Modulation deutlich in den Vordergrund.

Das robuste Metallgehäuse fällt größer aus als bei klassischen MXR-Kompaktpedalen, bleibt mit seiner übersichtlichen Bedienoberfläche aber klar auf den praktischen Einsatz ausgelegt.
Das robuste Metallgehäuse fällt größer aus als bei klassischen MXR-Kompaktpedalen, bleibt mit seiner übersichtlichen Bedienoberfläche aber klar auf den praktischen Einsatz ausgelegt.

Doubler: mehr als nur ein zweiter Modus

Der Doubler ist für mich der interessantere Teil des Pedals.

Durch die längeren Delay-Zeiten öffnet sich ein erstaunlich großer Klangbereich. Bei kurzen Einstellungen und geringem Mix-Anteil erhält die Gitarre zunächst lediglich etwas mehr Körper. Einzelne Noten wirken breiter und Akkorde bekommen zusätzliche räumliche Tiefe.

Erhöht man Width und Speed, bewegt sich das Ergebnis zunehmend in Richtung Chorus. Durch stärkere Modulation entstehen deutliche Tonhöhenschwankungen, die bei extremen Einstellungen sogar Vibrato-artig werden können.

Mit längerer Delay-Zeit lässt sich schließlich ein kurzes Slapback erzeugen. Regen erweitert diesen Bereich noch einmal, weil das verzögerte Signal zurückgeführt wird.

Dadurch verschwimmen die Grenzen zwischen Doubler, Chorus, Vibrato und Delay.

Besonders interessant ist der Doubler vor einem leicht bis kräftig verzerrten Amp. Mit einem relativ hohen Dry-Anteil kann er das Gitarrensignal verbreitern, ohne dass man sofort einen offensichtlichen Modulationseffekt wahrnimmt. Gerade für Riffs und einzelne Lead-Linien entsteht so eine zusätzliche Ebene, die eher nach Klangformung als nach klassischem Effektpedal klingt.

Invert und Mix

Die Invert-Funktion sollte man nicht als nebensächliche Zusatzfunktion betrachten.

Da der MXR das trockene und verzögerte Signal miteinander mischt, entscheidet deren Phasenlage wesentlich darüber, welche Frequenzen sich gegenseitig verstärken beziehungsweise auslöschen. Mit Invert lässt sich die Polarität des Wet-Signals umdrehen.

Der Unterschied kann je nach Einstellung überraschend deutlich ausfallen.

Gerade beim Flanging verändert sich dadurch die Struktur des Kammfilters. Manche Einstellungen wirken voller und dichter, andere hohler und aggressiver.

Hier lohnt es sich deshalb, nicht nach einem vermeintlich „richtigen“ Zustand zu suchen. Invert ist vielmehr eine zweite Klangvariante für nahezu jedes Setting.

Zusammen mit Mix und Regen wird der Flanger/Doubler dadurch wesentlich flexibler, als die zunächst überschaubare Zahl an Reglern vermuten lässt.

Pedalboard, Studio und Synthesizer

Eine Besonderheit des M226 befindet sich auf der Rückseite. Der Eingangspegel lässt sich zwischen Instrument und Line Level umschalten.

Damit kann der Flanger/Doubler nicht nur direkt hinter einer Gitarre betrieben werden. Er lässt sich ebenso sinnvoll in einen Effektweg, an ein Audio-Interface oder in andere Setups mit höheren Pegeln integrieren.

Noch ungewöhnlicher sind CV In und CV Out.

Über CV In kann die Modulation mit einer externen Steuerspannung beeinflusst werden. CV Out stellt umgekehrt die interne LFO-Steuerspannung des Pedals zur Verfügung. Damit lässt sich der Flanger/Doubler mit Synthesizern, Sequencern oder anderen CV-kompatiblen Geräten verbinden.

Für ein klassisches Gitarren-Pedalboard wird man diese Anschlüsse vermutlich kaum benötigen. Im Studio oder in einem hybriden Gitarren-/Synthesizer-Setup eröffnen sie dagegen interessante Möglichkeiten.

Hier zeigt sich besonders deutlich die Herkunft des Konzepts: Der M226 fühlt sich stellenweise eher wie ein kleiner analoger Signalprozessor an als wie ein konventionelles Gitarreneffektgerät.

Schlicht und massiv: Die verschraubte Bodenplatte unterstreicht die robuste Konstruktion des MXR Flanger/Doubler.
Schlicht und massiv: Die verschraubte Bodenplatte unterstreicht die robuste Konstruktion des MXR Flanger/Doubler.

Kontrolle und Workflow

Trotz seiner Möglichkeiten bleibt der MXR Flanger/Doubler angenehm unmittelbar. Es gibt keine Menüs, Presets oder Doppelbelegungen. Jede wichtige Funktion besitzt einen eigenen Regler oder Schalter.

Das bedeutet allerdings nicht, dass man jeden gewünschten Klang sofort findet.

Vor allem das Zusammenspiel aus Manual und Width verlangt etwas Erfahrung. Manual bestimmt den Mittelpunkt des Delay-Bereichs, Width dessen Bewegung und Speed die Geschwindigkeit. Hinzu kommen Mix, Regen und die Phasenumkehr.

Kleine Änderungen können deshalb teilweise erhebliche Auswirkungen haben.

Das ist gleichzeitig eine der großen Stärken des Pedals. Man arbeitet nicht mit vorgegebenen Modulationsalgorithmen, sondern unmittelbar mit den Parametern des Effekts. Nach kurzer Eingewöhnung lässt sich sehr gezielt entscheiden, ob ein Signal lediglich etwas breiter werden oder regelrecht durch einen metallischen Sweep gezogen werden soll.

Der MXR Flanger/Doubler ist deshalb weniger ein unkompliziertes Effektpedal als ein Spezialist für analoge Modulation und Klangformung.

Fazit: MXR Flanger/Doubler

Der MXR Flanger/Doubler ist wesentlich interessanter, als es die Bezeichnung zunächst vermuten lässt. Natürlich beherrscht er den klassischen analogen Jet-Flanger mit ausgeprägten Resonanzen und tiefen Sweeps. Seine eigentliche Stärke liegt für mich aber in den Bereichen dazwischen.

Vor allem der Doubler-Modus macht aus dem Pedal ein vielseitiges Werkzeug für Gitarrensounds. Von einer kaum wahrnehmbaren Verdickung über Chorus und Vibrato bis zum kurzen Slapback reicht das Spektrum erstaunlich weit. Mix, Regen und Invert ermöglichen zusätzlich sehr genaue Eingriffe in die Struktur des Effekts.

CV In/Out und der umschaltbare Instrument-/Line-Eingang erweitern das Konzept sinnvoll über das Pedalboard hinaus. Gerade im Studio lässt sich der M226 dadurch wie ein analoger Effektprozessor einsetzen.

Der Preis ist allerdings ambitioniert. Mit rund 379 Euro ist der MXR Flanger/Doubler kein Pedal, das man sich nebenbei für gelegentliche Flanger-Sounds aufs Board stellt. Auch das fehlende Netzteil fällt in dieser Preisklasse negativ auf.

Wer dagegen genau diesen analogen Ansatz sucht und insbesondere den Doubler als eigenständiges Werkzeug versteht, bekommt einen ungewöhnlich flexiblen Modulationseffekt mit starkem eigenem Charakter.

Pro

  • charakterstarke analoge Flanger- und Doubler-Sounds
  • sehr großer Klangbereich durch Mix, Manual, Width, Regen und Invert
  • Instrument/Line-Level sowie CV In/Out

Contra

  • Hoher Preis
  • Netzteil nicht im Lieferumfang

Link zum Hersteller: Jim Dunlop

Technische Daten

  • Hersteller: MXR / Dunlop
  • Modell: M226 Flanger/Doubler
  • Typ: analoger Flanger/Doubler
  • Schaltung: analog, BBD
  • Flanger Delay: 0,33–5,5 ms
  • Doubler Delay: 17–66 ms
  • Regler: Mix, Regen, Manual, Width, Speed
  • Schalter: Doubler, Invert, Instrument/Line
  • Anschlüsse: Input, Output, CV In, CV Out
  • CV-Bereich: 0–5 V
  • Bypass: True Bypass
  • Stromversorgung: 9 V DC, Center Negative
  • Stromaufnahme: 160 mA
  • Batteriebetrieb: nein
  • Abmessungen: ca. 122 × 91 × 52 mm
  • Gewicht: ca. 809 g
  • Preis: ca. 379 Euro

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