Charvel Pro-Mod Plus Dinky DK24 HH HT EB Black Ash im Test

Die Charvel Pro-Mod Plus Dinky DK24 HH HT EB Black Ash setzt auf eine moderne Dinky-Bauform, zwei Seymour-Duncan-Humbucker und eine feste HT6 Hardtail Bridge.

Charvel gehört zu den Herstellern, bei denen der Begriff Superstrat nicht erst nachträglich auf das Produkt geklebt wurde. Die Marke ist eng mit jener Entwicklung verbunden, bei der klassische ST-Grundformen für mehr Gain, schnellere Spieltechniken und eine leistungsfähigere Hardware modifiziert wurden. Die neue Charvel Pro-Mod Plus Dinky DK24 HH HT EB Black Ash führt dieses Prinzip ziemlich konsequent ins Jahr 2026: kompakter Dinky-Korpus, 24 Edelstahlbünde, Compound-Radius, zwei kräftige Seymour-Duncan-Humbucker – und bewusst kein Tremolo.

Mit einem Preis von 1.299 Euro bewegt sich die in Indonesien gefertigte Pro-Mod Plus allerdings in einem Bereich, in dem eine lange Feature-Liste allein nicht mehr genügt. Dafür bekommt man mit der Black-Ash-Version eine DK24, die sich erstaunlich kompromisslos auf schnelles Spiel, Stimmstabilität und moderne High-Gain-Sounds konzentriert.

Black Ash: Dinky mit Eschekorpus

Optisch hält sich die DK24 trotz ihrer klaren Metal-Ausrichtung erstaunlich zurück. Das Black-Ash-Finish lässt die Struktur des Holzes sichtbar und gibt der schwarzen Gitarre mehr Tiefe als eine einfache deckende Hochglanzlackierung.

Unter dem Finish steckt bei genau dieser Hardtail-Version ein Eschekorpus. Damit unterscheidet sie sich auch von anderen aktuellen Pro-Mod-Plus-DK24-Modellen, bei denen Charvel teilweise Linde und Quilted-Maple-Decken verwendet.

Die Dinky-Korpusform fällt gegenüber einer klassischen ST-Bauform etwas kompakter aus. Entscheidender für das Spielgefühl sind allerdings die Konturen auf der Rückseite. Der ausgearbeitete Hals-Korpus-Übergang und der sogenannte Sculpted Shredder’s Cut Heel schaffen Platz für die Greifhand, wenn es in Richtung des 24. Bundes geht.

Die Verarbeitung wirkt dabei funktional und auf Performance ausgerichtet. Auffällige Bindings oder andere traditionelle Verzierungen sucht man vergeblich. Die schwarze Hardware passt zum reduzierten Erscheinungsbild.

Die Rückansicht zeigt den naturbelassen wirkenden karamellisierten Ahornhals und den weit ausgeschnittenen Hals-Korpus-Übergang für einen ungehinderten Zugang zu den hohen Lagen.
Die Rückansicht zeigt den naturbelassen wirkenden karamellisierten Ahornhals und den weit ausgeschnittenen Hals-Korpus-Übergang für einen ungehinderten Zugang zu den hohen Lagen.

Speed Neck und 24 Edelstahlbünde

Der geschraubte Hals besteht aus karamellisiertem Ahorn. Charvel kombiniert ihn mit einem Ebenholzgriffbrett und dem bekannten Speed-Neck-Profil.

Der Name beschreibt das Spielgefühl ziemlich treffend. Der Hals ist schlank und auf möglichst geringe Widerstände ausgelegt, ohne sich dabei vollkommen substanzlos anzufühlen. Wer von traditionelleren Gitarren mit kräftigen Halsprofilen kommt, wird die Umstellung allerdings sofort bemerken.

Noch wichtiger ist der 12″–16″ Compound-Radius. Das Griffbrett wird in Richtung Korpus zunehmend flacher. In den unteren Lagen bleibt damit genügend Wölbung für Akkorde erhalten, während Bendings, Legato, Tapping und schnelle Läufe in den oberen Registern von der flacheren Geometrie profitieren.

Dazu kommen 24 Jumbo-Bünde aus Edelstahl. Gerade bei einem Instrument dieser Ausrichtung ist das keine Nebensache. Bendings fühlen sich sehr glatt an, gleichzeitig verspricht das härtere Material eine erheblich höhere Verschleißfestigkeit als konventioneller Neusilber-Bunddraht.

Mit 648 mm bleibt die Mensur beim bekannten 25,5-Zoll-Maß. In Verbindung mit dem Graph Tech TUSQ XL Sattel ergibt sich damit ein Spielgefühl, das trotz aller modernen Zutaten schnell vertraut wirkt.


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Charvel Pro-Mod Plus Dinky DK24 HH HT EB Black Ash

Hardtail statt Floyd Rose

Eine der wichtigsten Entscheidungen bei dieser DK24 steckt im Kürzel HT. Charvel verzichtet vollständig auf ein Tremolosystem und verwendet stattdessen die eigene HT6 Hardtail Bridge.

Die Saiten werden dabei durch den Korpus geführt.

Das verändert den Charakter der Gitarre deutlich. Die DK24 möchte nicht das nächste Werkzeug für Divebombs und extreme Vibratoeffekte sein. Stattdessen bekommt man ein sehr direktes und unkompliziertes System.

Gerade im Alltag ist das ein Vorteil. Saitenwechsel sind schnell erledigt, alternative Stimmungen lassen sich ohne Neujustierung eines schwebenden Tremolos verwenden und auch unterschiedliche Saitenspannungen bringen nicht sofort das gesamte Setup aus dem Gleichgewicht.

Für Recording und moderne Rhythmusarbeit ist das ausgesprochen praktisch. Drop-Tuning, zurück auf Standard-E und anschließend wieder eine andere Stimmung? Bei einer Hardtail-Gitarre ist das wesentlich weniger problematisch.

Wer eine Charvel gerade wegen spektakulärer Tremoloarbeit sucht, liegt bei dieser Variante dagegen eindeutig falsch.

Unter dem transparenten Black-Ash-Finish bleibt die markante Holzmaserung sichtbar. Sentient und Nazgûl sowie die reduzierte Bedienung mit Volume, Tone und 5-Wege-Schalter bestimmen die elektrische Seite.
Unter dem transparenten Black-Ash-Finish bleibt die markante Holzmaserung sichtbar. Sentient und Nazgûl sowie die reduzierte Bedienung mit Volume, Tone und 5-Wege-Schalter bestimmen die elektrische Seite.

Seymour Duncan Nazgûl und Sentient

Auch bei den Pickups lässt die Black-Ash-Version wenig Zweifel an ihrer klanglichen Zielsetzung.

Am Steg sitzt ein Seymour Duncan Nazgûl, am Hals ein Seymour Duncan Sentient. Beide Humbucker sind passiv.

Der Nazgûl wurde für moderne, stark verzerrte Sounds entwickelt. Entscheidend ist dabei weniger ein möglichst hoher Ausgangspegel als die Kontrolle über den Frequenzbereich. Gerade bei viel Gain müssen tiefe Saiten definiert bleiben, damit schnelle Palm-Mutes nicht zu einer undefinierten Bassmasse zusammenfallen.

Hier spielt die Kombination aus Hardtail-Konstruktion, 25,5-Zoll-Mensur und Nazgûl ihre Stärke aus. Das Attack bleibt deutlich wahrnehmbar und Riffs reagieren unmittelbar auf Unterschiede in der Anschlagstärke.

Der Sentient am Hals setzt dazu einen bewussten Kontrapunkt. Er klingt runder und flüssiger, behält aber genügend Definition für schnelle Lead-Linien und komplexere Akkorde.

Das macht die Kombination sinnvoller, als zwei maximal aggressive Pickups einzusetzen. Für Leads bekommt man Wärme und Sustain, ohne dass der Ton unter stärkerer Verzerrung seine Kontur verliert.

5-Wege-Schalter und No-Load Tone

Die Bedienoberfläche bleibt übersichtlich. Es gibt einen 500-kOhm-Low-Friction-Volume-Regler, einen Tone-Regler und einen 5-Wege-Schalter.

Das Low-Friction-Poti ist besonders für Spieler interessant, die während des Spielens häufig mit dem Volume-Regler arbeiten. Es lässt sich mit deutlich weniger mechanischem Widerstand bewegen als ein klassisches Poti.

Der Tone-Regler arbeitet als No-Load Tone Control. Bei vollständig geöffnetem Regler wird die Tone-Schaltung praktisch aus dem Signalweg genommen. Die Pickups können damit ihre maximale Offenheit liefern.

Die fünf Positionen des Pickup-Wahlschalters erweitern wiederum die Möglichkeiten der beiden Humbucker. Damit beschränkt sich die DK24 nicht ausschließlich auf Hals- und Steg-Humbucker-Sounds.

Trotzdem sollte man die klangliche Ausrichtung realistisch einordnen: Das Herz dieser Gitarre schlägt deutlich für Rock, Metal und moderne, präzise Gitarrensounds. Die zusätzlichen Schaltmöglichkeiten erweitern diesen Bereich, verwandeln die DK24 aber nicht plötzlich in ein Vintage-Instrument.

Ebenholzgriffbrett, 24 Jumbo-Edelstahlbünde und ein Compound-Radius von 12 bis 16 Zoll sind konsequent auf schnelle und präzise Spieltechniken ausgelegt.
Ebenholzgriffbrett, 24 Jumbo-Edelstahlbünde und ein Compound-Radius von 12 bis 16 Zoll sind konsequent auf schnelle und präzise Spieltechniken ausgelegt.

Klang der Charvel DK24 HH HT

Trocken gespielt fällt zunächst die direkte Ansprache auf. Hardtail und String-through-Konstruktion vermitteln ein unmittelbares Gefühl zwischen Anschlag und Ton. Gleichzeitig sorgt die lange Mensur für eine definierte Saitenspannung.

Am verzerrten Amp wird schnell klar, wo die eigentliche Stärke der Black-Ash-DK24 liegt.

Der Nazgûl am Steg liefert ein straffes Fundament. Schnelle Palm-Mute-Figuren bleiben sauber voneinander getrennt, und auch bei tieferen Tunings behält der Anschlag seine Kontur. Das ist besonders bei stark komprimierenden High-Gain-Sounds wichtig, bei denen eine weniger kontrollierte Gitarre schnell an Definition verlieren kann.

Die DK24 reagiert außerdem deutlich auf die rechte Hand. Wer härter anschlägt, bekommt einen entsprechend aggressiveren Attack. Das macht sie trotz des modernen Grundcharakters nicht steril.

Für Leads bietet der Sentient am Hals die weichere Alternative. Einzelne Töne bekommen mehr Körper, während schnelle Läufe weiterhin klar nachvollziehbar bleiben. Gerade bei Legato und langen, singenden Leads funktioniert diese Abstimmung sehr gut.

Clean zeigen die Pickups naturgemäß eine andere Seite. Der Sentient liefert brauchbare warme Cleans, während die zusätzlichen Schalterpositionen dünnere und transparentere Klangfarben ermöglichen. Die Stärke der Gitarre liegt aber eindeutig dort, wo zumindest etwas Gain ins Spiel kommt.

Kontrolle und Spielgefühl

Die Charvel ist ausgesprochen leicht zu kontrollieren – und genau das dürfte eines ihrer stärksten Argumente sein.

Hier gibt es kein schwebendes Tremolo, das bei einem Saitenwechsel oder einer veränderten Stimmung neu austariert werden muss. Die Elektronik bleibt mit zwei Reglern und einem 5-Wege-Schalter übersichtlich. Gleichzeitig erleichtern der weit ausgeschnittene Halsübergang, das flache Griffbrett und die großen Edelstahlbünde technisch anspruchsvolle Spielweisen.

Das bedeutet allerdings nicht, dass die DK24 automatisch sauber spielt. Im Gegenteil: Durch die schnelle Ansprache und hohe Definition werden Ungenauigkeiten ziemlich deutlich übertragen.

Die Gitarre macht technische Spielweisen also leichter zugänglich, kaschiert aber nicht unbedingt deren Fehler.

Gerade beim Recording ist das durchaus willkommen.

Der karamellisierte Ahornhals der Charvel besitzt das schlanke Speed-Neck-Profil; sechs Charvel-Druckgussmechaniken übernehmen die Stimmung.
Der karamellisierte Ahornhals der Charvel besitzt das schlanke Speed-Neck-Profil; sechs Charvel-Druckgussmechaniken übernehmen die Stimmung.

Werkzeug oder Spezialist?

Die Charvel Pro-Mod Plus Dinky DK24 HH HT EB Black Ash ist beides: ein Werkzeug mit klarer Spezialisierung.

Als Werkzeug überzeugt sie durch ihre unkomplizierte Hardtail-Konstruktion, die direkte Bedienung und die ausgezeichnete Bespielbarkeit. Man nimmt sie aus dem Gigbag, stimmt sie und kann arbeiten.

Der Spezialist zeigt sich bei der klanglichen Ausrichtung. Nazgûl und Sentient, 24 Bünde, Speed Neck und die gesamte Ergonomie sprechen eine ziemlich eindeutige Sprache. Diese Gitarre wurde für Spieler entwickelt, die Präzision, Geschwindigkeit und kontrollierte Gain-Sounds höher bewerten als Vintage-Eigenheiten.

Genau diese Konsequenz macht ihren Reiz aus.

Fazit: Charvel Pro-Mod Plus Dinky DK24 HH HT EB Black Ash

Die Charvel Pro-Mod Plus Dinky DK24 HH HT EB Black Ash versucht gar nicht erst, jedem Gitarristen zu gefallen. Sie kombiniert einen schnellen Speed Neck, 24 Edelstahlbünde und hervorragenden Zugang zu den höchsten Lagen mit einer unkomplizierten HT6 Hardtail Bridge und einer Pickup-Bestückung, deren Schwerpunkt eindeutig auf modernen Rock- und Metal-Sounds liegt.

Besonders schlüssig wirkt die Kombination aus Hardtail und Seymour Duncan Nazgûl. Rhythmusgitarren sprechen unmittelbar an, tiefe Saiten bleiben auch unter viel Gain kontrollierbar und schnelle Riffs profitieren von der klaren Transientenwiedergabe. Der Sentient erweitert das Konzept um einen runderen Hals-Sound für Leads, ohne die grundsätzliche Präzision der Gitarre aufzugeben.

Mit 1.299 Euro ist die in Indonesien gefertigte Charvel allerdings selbstbewusst kalkuliert. Edelstahlbünde, karamellisierter Ahornhals, Ebenholzgriffbrett, Seymour-Duncan-Pickups und Gigbag liefern dafür eine entsprechend umfangreiche Ausstattung. Wer allerdings möglichst viele traditionelle Klangfarben oder ein Tremolosystem sucht, bezahlt hier für Eigenschaften, die er möglicherweise gar nicht benötigt.

Wer dagegen eine unkomplizierte, schnelle und präzise Hardtail-Gitarre für moderne Gain-Sounds sucht, bekommt mit der DK24 HH HT ein konsequent zusammengestelltes Werkzeug.

Pro

  • Sehr schnelle, präzise Bespielbarkeit mit hervorragendem Zugang zu allen 24 Bünden
  • Straffe und definierte Nazgûl/Sentient-Kombination für moderne Gain-Sounds
  • Unkomplizierte Hardtail-Konstruktion mit hochwertigen Edelstahlbünden

Contra

  • Klanglich deutlich auf moderne Rock- und Metal-Anwendungen ausgerichtet
  • Mit 1.299 Euro ambitionierter Preis für eine indonesische Serienfertigung

Link zum Hersteller: Charvel


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