Gerade Anfänger merken es recht schnell: Die Motivation ist da, die ersten Akkorde gehen langsam flüssig von der Hand, aber nach kurzer Zeit spürt man die Fingerkuppen nur allzu deutlich. Die Finger schmerzen beim Greifen, die Saiten hinterlassen Abdrücke und irgendwann lässt der Spaß am Gitarrespielen nach.
Bis zu einem gewissen Grad ist das am Anfang völlig normal. Schließlich müssen sich die Finger zunächst an das Instrument gewöhnen. Starke oder anhaltende Schmerzen solltest du allerdings nicht einfach ignorieren. In diesem Beitrag erklären wir dir, warum deine Finger wehtun, was dagegen hilft und wie du das Üben angenehmer gestalten kannst.
Warum tun die Finger beim Gitarrespielen weh?
Beim Greifen drückst du die Saiten mit den Fingerkuppen herunter. Besonders bei Westerngitarren mit Stahlsaiten, aber ebenso bei Konzertgitarren mit ihren Nylonsaiten wirken bei Anfängern auf einmal ganz andere Kräfte. Das sorgt natürlich für ordentlich Druck, der für ungeübte Finger zunächst unangenehm sein kann.

Mit regelmäßigem Spielen gewöhnt sich der Körper aber an die Belastung. Auf den Fingerkuppen bildet sich eine dünne Hornhautschicht und die Handmuskeln prägen sich weiter aus.
Allerdings liegt es nicht immer nur an der Gewöhnung. Lege auch unbedingt Augenmerk auf die Spieltechnik, die Saiten oder die Einstellung der Gitarre. Um diese Gründe auszuschließen, empfiehlt es sich, einen Profi über die Gitarre schauen zu lassen oder den Gitarrenlehrer zu fragen. So stellst du sicher, dass du nicht unnötig Kraft aufwendest und kannst dich ganz auf das Lernen des Instruments konzentrieren.
Übe lieber kurz und gönn dir Pausen
Um erfolgreich zu üben, solltest du besser auf kurze Einheiten von circa 15 Minuten setzen und dann eine Pause machen, bis sich die Finger wieder erholt haben. Besonders am Anfang bringt es wenig, schmerzende Finger einfach weiter zu strapazieren. Regelmäßigkeit ist hier der Schlüssel zum Erfolg. Es bringt dir definitiv mehr, jeden Tag eine kurze Übungseinheit zu absolvieren, als einmal wöchentlich ein bis zwei Stunden zu spielen. Für mehr Übetipps am Anfang kannst du dir auch gerne den Beitrag Effektiv üben auf der Gitarre – unsere Top-Tipps anschauen.
Dabei ist es wichtig, zu beachten, dass ein leicht unangenehmes Gefühl anders zu bewerten ist als deutlicher Schmerz. Auch Schmerzen in Gelenken, Handgelenk oder Unterarm solltest du ernst nehmen. Halten sie an oder treten sie immer wieder auf, ist es sinnvoll, die Ursache fachlich beziehungsweise medizinisch abklären zu lassen.
Extra-Tipp: Übe nicht direkt nach dem Duschen. Nach längerem Kontakt mit Wasser ist die Haut schließlich weicher und entsprechend empfindlicher.
Kraft ist nicht alles
Viele Einsteiger machen den Fehler, zu viel Kraft auf die Saiten auszuüben. Das ist aber überhaupt nicht notwendig, sofern deine Gitarre gut eingestellt ist. Um den richtigen Kraftaufwand zu messen, kannst du einmal folgende Übung ausprobieren:
Nimm einen einfachen Akkord, zum Beispiel E-Moll:

- Spiele den Akkord an.
- Lockere den Griff und spiele den Akkord erneut.
- Erhöhe den Druck anschließend nur so weit, bis die gegriffenen Saiten nicht mehr schnarren und die Töne sauber klingen.
- Merke dir diesen Kraftaufwand und versuche, ihn in Zukunft beizubehalten.
So kannst du genauer einschätzen, wieviel Druck überhaupt nötig ist. Mit Sicherheit ist es weniger, als du ursprünglich dachtest.
Achte auf deine Handhaltung beim Gitarrespielen
Wichtig ist auch der Winkel, in dem du deine Hand hältst. Stelle zunächst sicher, dass auch wirklich nur deine Fingerspitzen (knapp unter dem Nagel) die Saiten herunterdrücken, nicht deine Fingerpolster. Letzteres überdehnt deine Finger und dämpft ungewollt die Nachbarsaiten ab. Darüber hinaus darfst du dein Handgelenk nicht zu stark abknicken, denn das führt früher oder später zu Gelenkschmerzen und Verspannungen. Auch der Daumen der Greifhand muss nicht permanent mit maximaler Kraft gegen die Halsrückseite drücken. Versuche, die Hand möglichst locker zu halten.
Bei Schmerzen im Handgelenk und einer unangenehm hohen Anspannung lohnt es sich oft, den Gitarrenhals etwas höher zu halten. Frage dich deshalb: „Kann ich meine Greifhand noch etwas entspannen, ohne dass der Akkord unsauber klingt?“

Überprüfe die Saitenlage deiner Gitarre
Solltest du trotz der richtigen Technik große Schwierigkeiten haben, einen sauberen Ton zu erzeugen, lohnt sich ein Blick auf die Saitenlage deiner Gitarre. Bei einer hohen Saitenlage sind die Saiten relativ weit vom Griffbrett entfernt, weshalb du sie entsprechend stark herunterdrücken musst. Gerade bei Akkorden und Barré-Griffen kann das sehr anstrengend werden.
Ein Fachmann kann das Problem im Nu beheben, ohne dass die Saiten schließlich zu tief liegen und beginnen zu schnarren. Ist die Saitenlage also auffällig hoch, solltest du in ein fachgerechtes Setup investieren.
Probiere eine leichtere Saitenstärke
Auch Saiten haben einen nicht unwesentlichen Einfluss auf das Spielgefühl. Dickere Saiten erzeugen eine höhere Saitenspannung, die das Greifen anstrengender gestaltet.
Wenn du gerade erst anfängst und deine Westerngitarre mit einer hohen Saitenstärke bespannt ist, kann dir eine geringere Stärke das Gitarrespielen definitiv erleichtern. Aus diesem Grund sind Saiten der Stärke .011–.052 (11er-Saiten/Light) empfehlenswert. Westerngitarren werden dir ab Werk meist mit der Saitenstärke .012–.053/.054 geliefert. Ein 11er-Satz ist etwas leichter zu greifen, liefert dir aber noch einen vollen Akustikgitarren-Sound und ein stabiles Spielgefühl.

Bei einer Konzertgitarre spricht man weniger von Saitenstärken als von Saitenspannung (Tension). Anfänger sind hier hervorragend mit der Normal Tension beraten, da sie einen guten Kompromiss aus Klangfülle und Bespielbarkeit bieten.

Zeiteinteilung, Technik, Einstellung und das richtige Zubehör zum Gitarrespielen
Du siehst also: Schmerzende Finger sind beim Gitarrespielen am Anfang bis zu einem gewissen Grad normal und auch nicht zu verhindern. Dennoch gibt es einige Tipps, die dir das Üben erleichtern.
Achte auf ein Gutes Zeitmanagement und erstelle dir sogar vielleicht einen Übungsplan, wenn du eher zu den inkonsequenten Zeitgenossen zählst. 😉 Arbeite zudem an der richtigen Technik, schau dir die Saitenlage an und probiere unterschiedliche Saitenstärken aus.
Und dann heißt es: üben, üben, üben! Denn nur wer dranbleibt, erzielt am Ende einen Gewöhnungseffekt und stärkt seine Finger.
