Das Cover-Foto der 1989 veröffentlichten 5LP-Box ,Jimi Hendrix: Live & Unreleased. The Radio Show‘ sagte eigentlich alles: ein Musiker, eine Gitarre und zwei Marshall-Stack waren darauf zu sehen – typisch Jimi Hendrix eben. Die Verbindung Marshall/Hendrix ist geradezu ikonisch. Und wie kürzlich hier auf GUITAR-PLAYER.COM zu lesen war feiert der Hersteller Marshall aktuell seine seit sechs Dekaden bestehende Verbindung zum amerikanischen Gitarristen, Sänger, Komponisten & Musikgenie Jimi Hendrix (*1942 +1970) mit einem neuen Signature-Amp.
Aus bekannten Gründen wird Jimi diesen ihm gewidmeten Gitarrenverstärker nicht antesten können, und auch vom legendären Jim Marshall (*1923 +2012) ist kein Statement mehr zu erwarten, ob die neue Optik und vor allem der Sound gefallen. Während der erste Tribute-Amp des Herstellers, der Marshall Super 100 JH Jimi Hendrix Limited Edition, basierend auf dem handverdrahteten 100-Watt-Super-Lead-Plex, von dem nur 600 Stück produziert wurden, noch sehr traditionell im Erscheinungsbild war, gehen die neuen Amps „im psychedelischen Schwarz-Lila-Design“ in eine sehr eigene Richtung …
Wir blicken daher hier einfach mal zurück, welche Amps Jimi Hendrix zu seinen Lebzeiten tatsächlich im Einsatz hatte. Der nachfolgende Text ist ein Auszug aus dem neuen Buch JIMI HENDRIX: MUSIKER POPSTAR MYTHOS von Lothar Trampert. Weitere Infos unter www.jimihendrixbuch.de
The Jimi Hendrix Experience – Hey Joe (1967)
JIMI & MARSHALL
„It was 99 % Marshall“. Mit dieser Kurzformel des Technikers Eric Barrett ist das Thema „Hendrix-Amps“ im Wesentlichen bereits abgehandelt. Seit Beginn seiner Plattenkarriere in England hat Jimi Hendrix, bis auf wenige Ausnahmen, ausschließlich Marshall-Verstärker gespielt. Dabei handelte es sich um Vollröhren-Gitarrenverstärker ohne irgendwelche Zusatzeffekte wie etwa die bekannten Hall- oder Tremolo-Einheiten, ausgerüstet nur mit Lautstärkereglern und einer relativ wirkungsarmen Klangregelung. Das typische Klangcharakteristikum dieser klassischen Röhrenverstärker besteht bekanntlich in der Möglichkeit der harmonischen Übersteuerung, die sich am deutlichsten in der sogenannten „Englischen Einstellung“ zeigen: Alle Regler des Marshall-Amps werden bis zum Anschlag nach rechts aufgedreht.
Was Boxen und Lautsprecher betrifft, verwendete Hendrix 4×12″-Cabinets mit serienmäßig eingebauten Celestion-, seltener auch Eminence-Speakern. Auf manchen Hendrix-Fotos sind unter den Marshall-Tops auch Sound-City-Boxen (vermutlich bestückt mit den gleichen Speakern) zu sehen. Erst ab Anfang 1970 wurden die Celestions durch die hochwertigeren JBL-Lautsprecher ersetzt; sie waren bedeutend widerstandsfähiger als ihre Vorgänger, die bei voll aufgedrehtem Marshall-Top oft und gern ihren Geist aufgaben. Zusätzlich wurden noch bei einigen frühen Gigs in England WEM-Lautsprecher-Boxen benutzt, die aber wahrscheinlich nur Monitor-Funktion hatten.
Der Vorläufer des Marshall-Amps wurde bereits 1962 in England vom Techniker Ken Bran entwickelt. Dieser Verstärker war von seiner Leistung (er lieferte nur 35 Watt), Röhrenbestückung und gesamten Konzeption her noch nicht mit dem heute als klassisch angesehenen Marshall-Modell vergleichbar. Jim Marshall versuchte in der Folgezeit, die Grundidee dieses „Urtyps“ im Hinblick auf die Ansprüche der ihm bekannten Gitarristen zu variieren. So entstand Ende 1965 für den Who-Chef Pete Townshend das erste Marshall Stack – also ein Verstärker-Top mit zwei 4×12″-Boxen. Erst 1966 wurde der Verstärker mit der noch heute üblichen Röhrenbestückung (EL34) versehen. Jimi Hendrix war somit einer der ersten Gitarristen, die diesen Gitarrenverstärker und seinen neuen Sound bekannt gemacht haben.
Schon kurze Zeit, nachdem die Experience-Besetzung mit Mitch Mitchell (dr) und Noel Redding (b) feststand, stattete er Jim Marshall (bei dem sein früherer Schlagzeug-Schüler Mitch Mitchell zeitweilig als Verkäufer angestellt war) einen Besuch ab und bestellte gleich zwei Marshall-Super-100-Amps und vier 4×12″-Boxen. Mit einem Teil dieses Equipments stand er schon bei den ersten Experience-Konzerten in Frankreich (ab dem 13. Oktober ’66, im Vorprogramm von Johnny Halliday) sowie bei den anschließenden BBC-Fernsehaufzeichnungen auf der Bühne.
Wild Thing (1967) Monterey Pop Festival
HENDRIX WALLS OF SOUND
Während Hendrix zum Zeitpunkt dieser ersten Gigs und Studioaufnahmen meist nur über ein 100-Watt-Topteil mit der zugehörigen Lautsprecherbox spielte, steigerte sich sein Verstärkereinsatz kontinuierlich: Schon kurze Zeit später standen regelmäßig beide bei Jim Marshall gekauften Stacks auf der Bühne die Regel. Ein Beispiel für die Ausmaße von Hendrix‘ Gitarren-Anlage bei seinen größeren Konzerten: Am 24. Februar 1969 spielte er in der Londoner Royal Albert Hall mit sieben Marshall-Tops und 14 Boxen. Die gesamte Anlage wurde zusätzlich mit Hilfe von Mikrofonen über die hauseigene PA-Anlage verstärkt.
Einschränkend ist natürlich zu sagen, dass diese PA-Systeme weder in ihren Ausmaßen noch im Hinblick auf ihre Aufgabe den heute üblichen entsprachen. Hendrix hat, im Gegensatz zur heutigen Praxis, die für das Publikum bestimmte Lautstärke mit Hilfe seiner Anlage, also unmittelbar von der Bühne aus und nicht erst durch die PA, erzeugt, der damals noch eher die Funktion einer „Gesangsanlage“ zukam. Trotzdem waren die Kapazitäten, die er dazu einsetzte, beachtlich. Hendrix‘ Ziel war ohne Zweifel eine sehr hohe Lautstärke; in den großen amerikanischen Konzerthallen oder bei Open-Air-Veranstaltungen verwendete er später sogar gleichzeitig bis zu fünf der inzwischen entwickelten 200-Watt-Tops plus drei 100-Watt-Tops, gekoppelt mit je ein bis zwei Boxen. Laut Eric Barrett standen während der späteren Hendrix-Tourneen stets zwölf, gelegentlich bis zu 18 Verstärker mit einer entsprechend großen Anzahl Boxen zur Verfügung. Ein Grund dafür war natürlich die extreme Materialbeanspruchung, die unter anderem auf die „Englische Einstellung“, die regelmäßig ihre Opfer forderte, zurückzuführen war. Der Kritiker Albert Goldman wies in einem Artikel aus dem Jahr 1968 auf Hendrix‘ beachtlichen „Verstärkerkonsum“ hin, indem er die fiktive Konzertansage einflocht: „Jimi Hendrix, Ladies and Gentlemen, in: The dance of the dying amp!“
Die riesigen Wände aus Lautsprecherboxen, die in den späten 60er-Jahren erstmals auf den Rock-Bühnen zu sehen waren, müssen dem damaligen Publikum wie ein neues Show-Element oder wie Architektur vorgekommen sein; denn bis dahin war eigentlich noch jeder Gitarrist in der Lage gewesen, seinen Kofferverstärker eigenhändig zum Gig zu tragen. Mit dem Beginn der Marshall-Sound-Revolution war jedoch endgültig die Erfindung des Gitarren-Roadie fällig.
Jimi Hendrix – Live at Woodstock: A Second Look
Jimi Hendrix 1964 Very First TV appearance with Fender-Amps!
FENDER AMPS
Neben den Marshall-Amps setzte Hendrix auf seiner zweiten USA-Tour auch Fender-Dual-Showman-Tops und mit je zwei 15″-JBL-Lautsprechern bestückte Boxen ein. Dieses Equipment machte jedoch anfangs einige Schwierigkeiten: Die Verstärker waren unzuverlässig und sehr viel anfälliger als die Marshalls. Außerdem hatte Hendrix zu bemängeln, dass sie im Hinblick auf die Lautstärke nicht die gleiche Leistung brachten und auch nicht so übersteuerungsfähig waren. Fender-Amps verhielten sich schon damals zu Marshalls wie die Beatles zu den Stones – zwei Welten, und oft nur eine Glaubensfrage, was denn nun „besser“ ist. Und auch 15″-JBL-Lautsprecher liefern klanglich andere Ergebnisse als 12″-Celestions. Da war man auf der US-Tour von Management-Seite wohl zu kompromissbereit, was das bereitgestellte Equipment anging. Grund des Problems dürfte gewesen sein, dass man die hohen Transportkosten des schweren Equipments von England nach Amerika umgehen wollte. Außerdem betrug die Netzspannung in UK 240 Volt / 50 Hz, in den USA 110 Volt / 60 Hz, was zu weiteren technischen Problemen hätte führen können.
Jimi Hendrix 1965 Night Train Television Show
SILVERTONE, SUPRO, BURNS & CO.
Noch ein kurzer Blick zurück: Abgesehen von den unbekannten Gitarren-Amps, die Hendrix in seinen ersten Bands in Seattle einsetzte, hatte er nach seiner Entlassung aus der Army im Jahr 1962 für einige Zeit einen Twin-Twelve-Combo von Silvertone im Einsatz. Im Übrigen soll er sich in den meisten Fällen kurzfristig bei Freunden oder in Läden einen Amp für bevorstehende Gigs ausgeliehen haben.
Auf Fotos mit der Band von Curtis Knight ist Hendrix 1965/66 mit einem Supro-Combo, Modell S6420 Thunderbolt, zu sehen – und mit einem Blackface Fender Twin Reverb, einen Gitarren-Kofferverstärker mit zwei 12″-Lautsprechern plus eingebautem Hall- und Tremolo-Effekt. Der Twin Reverb war damals der amerikanische Standardverstärker, der von Musikern der verschiedensten Stilrichtungen eingesetzt wurde. Hendrix hat dieses Modell insbesondere auf Sessions, aber auch im Studio immer wieder gespielt. Den Twin Reverb und den ähnlich konzipierten Super-Reverb-Kofferverstärker kannte Hendrix ohne Zweifel bereits seit den frühen 60er-Jahren, und man darf davon ausgehen, dass er bis zu seiner Übersiedlung nach England fast ausschließlich Fender-Modelle gespielt hat, die auf dem US-Markt am erfolgreichsten waren.
Curtis Knight – Live at George’s Club 20 ft. Jimi Hendrix 1966
Bei den allerersten Experience-Proben setzte Hendrix kurzzeitig die englischen Burns-Kofferverstärker ein, die Mitch Mitchell beschafft hatte. Dabei handelte es sich ebenfalls um Röhrenverstärker, die allerdings nur 30 Watt Leistung über einen 12″-Speaker abstrahlten und somit nur bedingt Hendrix‘ Sound- beziehungsweise Lautstärke-Vorstellungen entsprachen. Dann kam Jim Marshall ins Spiel, und in der Regel wurden von Ende 1966 bis 1970 nur noch Marshall-Stacks verwendet, hin und wieder – vor allem im Studio – ergänzt durch Fender Twins oder Dual Showmans für cleanere Sounds.
Noch ein paar Anmerkungen zu den wenigen Ausnahmen von der Marshall-Regel: In der kurzen Zeit von November 1967 bis Ende Januar 1968 setzte Hendrix auf der Bühne zusätzlich ein Sound-City-Stack ein, dessen Konzept dem der Marshalls entsprach, das jedoch einen etwas klareren Sound mit weniger Verzerrung lieferte – der Grund, weshalb der Sound City, wie es heißt, auch im Studio für einige Rhythmusgitarren-Tracks der zweiten Hendrix-LP verwendet wurde. Im Live-Kontext war dieser Verstärker als Sidefill-Monitor-Anlage im Einsatz und Ziel von Hendrix‘ berühmt-berüchtigten Gitarrenattacken, denen so manche Box zum Opfer fiel. Jimis große Liebe scheint der Sound City allerdings nicht gewesen zu sein.
Über die mögliche Verwendung weiterer Verstärkertypen existieren nur wenige ergiebige Informationen. Roger Mayer erwähnt die zeitweilige Kombination der Marshall-Verstärker mit den ähnlich konzipierten, aber brillanter klingenden Hiwatt-Amps, die dem Zweck diente, im Studio einen gleichzeitig transparenten und sustainreichen Ton zu erzielen. Der Hiwatt-Amp besaß also in diesem Zusammenhang eine ähnliche Funktion als Sound-Zutat wie der oben beschriebene Sound City oder die Fender-Combos. Der an der Produktion von ,Electric Ladyland‘ beteiligte Techniker Phil Brown erwähnte Z.B. noch einen Vox AC30-Combo, mit dem Hendrix die kompletten Overdubs des Tracks ‘All Along The Watchtower’ eingespielt habe – das wären dann die Lead-Parts und/oder die gedoppelten Harmonien. Abgenommen wurde das Lautsprechersignal von zwei Neumann-U67-Mikrofonen und einem AKG C12A, die in verschiedenen Abständen positioniert waren.
HENDRIX‘ SUNN DEBAKEL
Eine weitere kurze und eher unerfreuliche Episode war die der bereits erwähnten amerikanischen Sunn-Verstärker, die während der USA-Tour im Februar 1968 ihren Anfang nahm. Sunn-Firmenchef Buck Munger sah damals in Hendrix, der seiner Meinung nach mehr mit seinen Verstärkern als mit der Gitarre spielte, einen idealen Werbeträger und bot ihm beziehungsweise seinem Management daher einen Endorsement-Vertrag an. Dieser sah vor, dass sich Hendrix für fünf Jahre an die Firma band und sich verpflichtete, in dieser Zeit ihre Produkte auf der Bühne einzusetzen.
Der Vertrag betraf außerdem die gesamte Experience-Besetzung, also auch die Backline von Bassist Noel Redding sowie Teile der Monitor- und PA-Anlage. Sunn versorgte die Band in sehr großzügiger Weise mit allem Equipment, das sie benötigte. Hendrix verwendete jedoch die zur Verfügung gestellten Teile schon nach kurzer Zeit nur noch in Kombination mit seinen Marshall-Anlagen, auf die er auch in Zukunft nicht verzichten wollte. Denn die Sunn-Amps waren in technischer und klanglicher Hinsicht völlig anders konzipiert. Firmenchef Buck Munger sprach von einem „almost surfer sound“, der einen weitaus größeren Höhenanteil als die üblichen Verstärker aufwies.
Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die Gitarrenverstärker anfangs über Sunn-100-F-Boxen betrieben wurden, die neben einem 15″-JBL-Lautsprecher auch über ein zusätzliches Hochtonhorn verfügten, die beide über eine Frequenzweiche getrennt waren. Von ihrer Grundkonzeption her entsprachen sie damit eher PA-Boxen. Diese Konzeption war und ist jedoch für die elektrische Gitarre völlig unüblich, ganz besonders im Hinblick auf den von Hendrix favorisierten verzerrten Röhren-Sound, der im Wesentlichen, um noch relativ ausgewogen zu klingen, auf eine perfekte Übertragung des mittleren Frequenzbereichs angewiesen ist und die frequenzmäßige Limitierung durch einen Gitarrenlautsprecher braucht. Eine verzerrte Gitarre, über solche Hochtöner wiedergegeben, klingt relativ unangenehm, ihr Sound ähnelt dem einer übersteuerten HiFi-Anlage.
Lustig: Außerdem wollte Gitarrist Hendrix auch nicht auf die beim Marshall übliche „englische“ Einstellung aller Regler nach rechts verzichten, die bei den Sunn-Verstärkern aber nur neue Probleme wie einen hohen Nebengeräuschpegel zur Folge hatte. Bevor die Sunn-Techniker ihre Versuche, sich aus den genannten Gründen dem Konzept der britischen Verstärker weiter anzunähern, beenden konnten, hatte sich Hendrix bereits den Rest seines Marshall-Equipments, das er seit Anfang April 1968 wieder ausschließlich benutzte, nach New York einfliegen lassen. Noel Redding, der mit seinem neuen Bass-Verstärker zufrieden war, kam zwar auch weiterhin seinen vertraglichen Verpflichtungen nach, ansonsten wurden die Sunn-Geräte aber nur noch für die Monitor-Anlage eingesetzt. Nach knapp anderthalb Jahren wurde der Kontrakt mit Sunn dann vorzeitig beendet.
Jimi Hendrix Live at Maui 1970
Sinn und Zweck dieses Sunn-Intermezzos in der Hendrix-Karriere sind bis heute nicht ganz klar. Hendrix war mit seinen Marshall-Amps grundsätzlich sehr zufrieden, und in Bezug auf die von ihm in den USA zusätzlich verwendeten Fender-Anlagen gab es, nachdem die anfangs auftretenden Probleme behoben waren, höchstens noch Beanstandungen im Zusammenhang mit der Lautsprecherbestückung. So stellt sich die Frage, aus welchen Gründen der Vertrag mit Sunn überhaupt zustande kam, insbesondere da die Mängel dieser auch für Hendrix‘ Sound-Vorstellungen einfach nicht kompatiblen Produkte, von Anfang an so offensichtlich waren. Die Vermutung liegt nahe, dass auch hier möglicherweise das Management mehr zu sagen hatte als der Künstler selbst. Denn, dass man unter den geschilderten Umständen auf den angebotenen Fünfjahresvertrag einging, lässt beinahe auf Ignoranz schließen. Die Tatsache, dass Hendrix‘ Musik wesentlich mit einem fest umrissenen Sound-Konzept zu tun hatte, das technisch realisiert werden wollte, scheint zumindest einigen Verantwortlichen nicht bewusst oder eben egal gewesen zu sein. Falls Hendrix den Vertrag eigenhändig unterzeichnet hat, was eher unwahrscheinlich ist, standen ihm jedenfalls schlechte Berater zur Seite und/oder er unter Druck. Denkbar ist aber auch, dass die Tatsache, dass The-Who-Gitarrist Pete Townshend zeitweilig ebenfalls auf Sunn-Equipment spielte (über seine Erfahrungen mit diesem Verstärkertyp ist nichts bekannt), ein Grund für Hendrix‘ anfänglich etwas unkritisches Interesse an den Produkten dieser Firma war.
Jimi Hendrix spielt E-Bass – über Fender Amps.
MODIFIKATIONEN?
Über gravierende Modifikationen der von Hendrix verwendeten handelsüblichen Verstärker ist nichts bekannt. Der Elektroniker Tony Franks veränderte angeblich bei einigen 100-Watt-Marshall-Tops den Verstärkungsfaktor im Preamp-Bereich und erzielte so eine um etwa 30 Prozent erhöhte Leistung und ganz sicher auch ein günstigeres Übersteuerungsverhalten. Abgesehen davon wurden verhältnismäßig oft die Röhren ausgetauscht, deren Leistung aufgrund der Tatsache, dass die Verstärker durchweg bis zum Anschlag aufgedreht wurden, rasch nachließ. Henry Goldrich von Manny’s, einem bekannten Musikladen in New York City, verstärkte die Gehäuse- und Chassis-Konstruktionen einiger Tops und installierte auch häufig neue und bessere Röhren. Und John Downing, einer von Hendrix‘ Roadies, kennzeichnete im Januar 1969 das gesamte Marshall-Equipment mit dem aufgesprühten Signet „J.H.EXP“.
Der gemeinsame Nenner aller aufgeführten Verstärkertypen ist ihr auf der traditionellen Röhrentechnik basierendes Konzept, die im Allgemeinen die Möglichkeit der Klangverzerrung durch Übersteuerung bietet – eine wesentliche Komponente von Hendrix‘ Musik. Entscheidend in diesem Zusammenhang ist jedoch, ähnlich wie bei den Gitarren, dass Hendrix schon vor seiner „offiziellen“ Entdeckung vor allem in Musikerkreisen als herausragender und im Hinblick auf seine Sound-Konzeption revolutionärer Gitarrist angesehen wurde. Er konnte also in musikalischer Hinsicht auch mit den damals zur Verfügung stehenden relativ bescheidenen Mitteln das bieten, was später viele Chronisten und Kritiker in erster Linie auf sein gigantisches Instrumentarium zurückführten. Somit muss sein Konzept um einiges komplexer gewesen sein, als es die Theorie vorsieht, dass es nur aus einer „Wand“ von Lautsprechern bestand. Hier spielten zweifellos noch andere Faktoren eine Rolle …
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