PRS Tekton im Test – High-Tech-Gitarre für höchste Ansprüche?

PRS Tekton Banner

Mit der Einführung der PRS Tekton wagt der amerikanische Gitarrenbauer Paul Reed Smith einen bemerkenswerten Schritt in Richtung moderner Hochleistungsinstrumente. Schließlich steht der Name PRS seit mittlerweile über vier Jahrzehnten für eine gelungene Kombination aus traditionellem Gitarrenbau, erstklassiger Verarbeitung und einer ganz eigenen unverkennbaren Designsprache, die sich irgendwo zwischen den beiden großen amerikanischen Gitarrenklassikern Stratocaster und Les Paul einordnet. Mit Modellen wie der Custom 24, McCarty 594 oder der Silver Sky hat PRS sich bisher primär an ein breites Spektrum von Gitarristinnen und Gitarristen des Blues, Rock und Pop gewandt. Doch was passiert eigentlich, wenn man die bewährte PRS-DNA nimmt und konsequent auf die Bedürfnisse technisch anspruchsvoller Metal-Gitarristen zuschneidet?

Genau hier kommt die neue PRS Tekton ins Spiel. Mit einem besonders flachen Griffbrettradius, Jumbo-Bünden aus Edelstahl, eigens entwickelten Stylus Humbuckern und einer kompromisslos auf Performance ausgelegten Hardware-Ausstattung möchte PRS vor allem jene Spielerinnen und Spieler ansprechen, denen eine klassische Custom 24 möglicherweise noch nicht modern genug ist. Gleichzeitig soll das neue Modell aber auch klassische PRS-Qualitäten mitbringen, die eine klare Handschrift aus dem Hause PRS erkennen lassen. Ob dieser Spagat zwischen Tradition und Moderne tatsächlich gelingt und für wen sich die PRS Tekton besonders lohnt, klären wir in unserem großen PRS Tekton Test!

Kurzinfo auf einen Blick

Mit der PRS Tekton präsentiert der amerikanische Gitarrenbauer eine kompromisslos auf moderne Spieltechniken ausgelegte High-End-Gitarre aus der Core-Serie. Ein ergonomischer Korpus mit edlem Mango-Top trifft auf einen verschraubten Ahornhals im besonders schlanken Modern-D-Profil und ein Ebenholzgriffbrett mit flachem 16″-Radius und Jumbo-Edelstahlbünden. Für den passenden Sound sorgen zwei eigens entwickelte PRS Stylus Humbucker mit praktischer Coil-Split-Funktion, während eine solide PRS Hardtail Bridge und Phase III Locking-Mechaniken die hochwertige Ausstattung vervollständigen.

PRS Tekton – Die Features im Überblick

  • PRS Core Series E-Gitarre
  • Modernes Doublecut-Design mit Mango-Top
  • Ebenholzgriffbrett mit flachem 16″-Radius
  • Jumbo-Bünde aus Edelstahl
  • Zwei PRS Stylus Humbucker Pickups
  • PRS Phase III Locking-Mechaniken
  • PRS Hardtail Bridge
  • Auf moderne Spieltechniken und High-Gain-Sounds ausgelegtes Gesamtkonzept


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PRS Tekton Bloodstone Red

PRS Tekton – Modernes Konzept trifft auf bewährte PRS-Qualitäten

PRS Tekton E-Gitarre
Pauls neuester Streich: die PRS Tekton.

Wer sich schon einmal intensiver mit dem Portfolio von PRS Guitars auseinandergesetzt hat, dürfte wissen, dass der amerikanische Hersteller bei der Entwicklung neuer Modelle in aller Regel nichts dem Zufall überlässt. Gerade die Instrumente der Core-Serie folgen allesamt einer klaren Linie, die sich durch hochwertige Hölzer, präzise Fertigungstechniken und eine bis ins kleinste Detail durchdachte hauseigene Ausstattung definiert. Während andere Hersteller wie Ibanez, ESP & co mit flachen Griffbrettradien, Multiscale-Mensuren und weiteren modernen Features experimentieren und gerade in der Prog- und Metal-Community recht erfolgreich fahren, bildete sich im Hause PRS in dieser Hinsicht jedoch eine Art blinder Fleck im Sortiment.

Mit der Tekton möchte man diese Lücke nun schließen. Hier stehen nämlich weniger die vielseitigen Allround-Qualitäten einer Custom 24 im Vordergrund, sondern vielmehr die Ansprüche einer neuen Gitarristengeneration, die sich spieltechnisch zwischen Progressive Metal, Fusion, virtuosen Instrumentalstücken und modernen High-Gain-Sounds bewegt. Dementsprechend verzichtet PRS auf einige traditionelle Ausstattungsmerkmale und setzt stattdessen auf eine moderne Konfiguration, die Ergonomie, Bespielbarkeit und Präzision in den Vordergrund stellt.

Hals & Korpus

Edles Mango-Top mit individueller Maserung

Fangen wir zunächst mit einem der auffälligsten Merkmale der PRS Tekton an: ihrer Decke aus Mangoholz. Während man bei den meisten PRS-Modellen traditionell auf Riegelahorn (Flamed Maple) oder Wölkchenahorn (Quilted Maple) setzt, entscheidet sich der amerikanische Hersteller bei der Tekton für eine deutlich ungewöhnlichere Holzart. Mango ist im Gitarrenbau zwar keineswegs völlig unbekannt, begegnet uns allerdings weitaus seltener als die üblichen Verdächtigen Ahorn, Mahagoni oder Erle. Besonders interessant ist hierbei die Maserung des Holzes, die je nach verwendetem Stück von relativ gleichmäßigen Strukturen bis hin zu ausgesprochen lebhaften Zeichnungen reichen kann. Das verleiht jedem Instrument einen ganz individuellen Charakter und sorgt dafür, dass sich die Tekton bereits optisch von ihren Geschwistern aus der Core-Serie abhebt. Als Farbausführungen stehen übrigens sechs vierschiedene bereit: Slate Blue, Imperial Topaz, Black Tourmaline, Violet Tourmaline, Bloodstone Red und Fuchsia Aura.

PRS Tekton Bloodstone Red Frontbild
Die PRS Tekton in Bloodstone Red.

Ergonomisches Doublecut-Design

Wer schon einmal eine PRS Custom 24 in der Hand hatte, dürfte mit den grundsätzlichen Vorzügen des charakteristischen Doublecut-Designs vertraut sein. Hier lässt die Tekton eine klare Verwandtschaft erkennen, die sich beispielsweise durch das charakteristische ‚Shallow Violin‘ Top Carve äußert. Die großzügig ausgeformten Cutaways des Korpus ermöglichen einen komfortablen Zugang zu den hohen Lagen, während die geschwungene Korpusform sowohl im Stehen als auch im Sitzen eine angenehme Spielposition unterstützt. Gerade bei technisch anspruchsvollen Spielweisen ist eine solche Konstruktion keineswegs nur eine Frage des Komforts. Schließlich müssen beide Hände möglichst ungehindert arbeiten können, wenn schnelle Legato-Linien, weitreichende Lagensprünge oder komplexe Akkordvoicings auf dem Programm stehen.

Während beispielsweise eine klassische Les Paul mit ihrem kräftigen Korpus und der vergleichsweise eingeschränkten Erreichbarkeit der höchsten Bünde durchaus ihren ganz eigenen Charme besitzt, legt die Tekton den Fokus klar auf möglichst widerstandsfreies Spiel. Interessant dabei ist, dass PRS nicht versucht, das vertraute Design der Core-Modelle hier vollständig über Bord zu werfen, sondern vielmehr an bestehende Bauformen anknüpft  und gezielt an moderne Anforderungen anpasst.

16″-Griffbrettradius – flach, flacher, Tekton

Kommen wir zu einem der wohl wichtigsten Ausstattungsmerkmale der PRS Tekton. Mit einem Griffbrettradius von sage und schreibe 16 Zoll bewegt sich das Instrument nämlich in einer völlig anderen Liga als die traditionell orientierten Modelle des Herstellers. Zum Vergleich: Während die meisten PRS Core-Modelle einen Griffbrettradius von 10 Zoll aufweisen, setzen klassische Fender-Gitarren häufig auf 9,5 Zoll. Der 16″-Radius der Tekton fällt also wesentlich flacher aus und nähert sich damit den Griffbrettgeometrien moderner Superstrats an, wie man sie beispielsweise von Ibanez, Jackson oder verschiedenen Boutique-Herstellern kennt.

PRS Tekton Bloodstone Red Griffbrett
Begehrte Upgrades: 16″-Griffbrettradius und Edelstahl-Bundierung.

Der Trade-Off dahinter ist klar: Während Griffbretter mit ausgeprägter Wölbung eher das Akkordspiel und das Greifen von Barrés unterstützen, sorgen flachere Griffbretter für komfortableres Lagenspiel und ungehinderte Bendings. Mit ihrem 16″-Radius wendet sich die Tekton also klar an die Flitzefinger-Fraktion, die sich eher in den höheren Griffbrettlagen heimisch fühlt. Tatsächlich spielt sich die Tekton mit aufgestelltem Daumen sehr gut und erlaubt schnelle, präzise Läufe auf dem Griffbrett. Hier spielt sicherlich auch das sogenannte ‚Modern D‘-Halsprofil, das für diese Zwecke die genau richtige Portion Holz auf der Rückseite bereitstellt.

Einzig die Abstinenz der ikonischen Bird-Griffbretteinlagen als eines der bekanntesten Markenzeichen des Herstellers ist schade, immerhin würden sie sich nicht nur stimmig in das Gesamtkonzept der Tekton einfügen, sondern auch der bewährten PRS-Designphilosophie folgen. Dass man sich stattdessen für Offset Dots und besonders praktische Luminlay Side Dots entschied, tut der Optik der Tekton jedoch keinerlei Abbruch.

Jumbo-Bünde aus Edelstahl

Bei einem Blick auf die ersten Reaktionen der Community auf die neuen Tektons wird schnell klar, dass für nicht wenige Gitarristinnen und Gitarristen das absolute Highlight der Tekton-Modelle in ihren Griffbrettern steckt. Hier setzt PRS nämlich auf Bunddraht aus Edelstahl im Jumbo-Format. Im Gegensatz zum klassischen Neusilber-Bunddraht, wie er auf vielen klassischen Instrumente zum Einsatz kommt, besitzt Edelstahl eine wesentlich höhere Härte und Verschleißfestigkeit. Das macht sich insbesondere bei Gitarristen bemerkbar, die ihre Instrumente intensiv nutzen und regelmäßig mit kräftigen Bendings oder Vibratotechniken arbeiten.

Neben der längeren Lebensdauer und den gesparten Kosten einer Neubundierung in der Gitarrenwerkstatt des Vertrauens bringt Edelstahl aber noch einen spieltechnischen Vorteil mit sich: Die glatte Oberfläche des polierten Drahts bleibt nämlich dauerhaft geschmeidig und weist weniger Reibungswiderstand bei Bendings auf. Gleich bei den ersten gespielten Tönen auf der Tekton wird schnell deutlich, dass man als Spieler hier weniger arbeiten muss und Bendings über zwei oder drei Halbtöne nahezu mühelos von der Hand gehen.

Tonabnehmer & Elektronik

PRS Stylus Humbucker – neue Pickups für eine neue Gitarrengeneration

Kommen wir zum eigentlichen Herzstück der PRS Tekton. Schließlich können selbst die besten Hölzer und die hochwertigste Hardware nur einen überschaubaren Teil zum Gesamtklang einer E-Gitarre beitragen. Entscheidend ist letztendlich, was die Tonabnehmer aus den Saitenschwingungen machen und als elektrisches Signal an unseren Verstärker weiterreichen. Hierfür hat PRS eigens für die Tekton-Serie ein neues Humbucker-Set entwickelt, das auf den Namen PRS Stylus hört. Wer sich mit dem Pickup-Portfolio des Herstellers auskennt, weiß, dass PRS in den vergangenen Jahren viel Entwicklungsarbeit in die hauseigenen Tonabnehmer investiert hat. Gerade die 58/15 LT, 85/15 und die neueren DMO-Pickups konnten sich aufgrund ihrer ausgewogenen Klangcharakteristik einen hervorragenden Ruf erarbeiten.

PRS Tekton Bloodstone Red Tonabnehmer & Regler
Zwei PRS Stylus Humbucker, ein Master Volume und ein Push/Pull-Tone-Regler bilden die Elektrikausstattung der Tekton.

Die Stylus Humbucker verfolgen allerdings einen etwas anderen Ansatz. Während die genannten Pickups häufig einen deutlichen Bezug zu klassischen Vintage-Sounds erkennen lassen, sind die Stylus von Grund auf auf moderne Anwendungen zugeschnitten. Zum Einsatz kommen Alnico-5-Magnete, die eine ausgewogene Mischung aus Dynamik, Definition und Durchsetzungskraft ermöglichen sollen. Besonders interessant ist hierbei die Abstimmung des Frequenzgangs. Laut Hersteller besitzen die Stylus einen vergleichsweise gleichmäßigen Output über das Frequenzspektrum hinweg, ohne dabei jedoch vollständig neutral oder gar steril zu klingen. Der Hintergrund dieser Entscheidung ist durchaus nachvollziehbar. Immerhin verwenden immer mehr Gitarristen digitale Modeling-Systeme, Profiling-Amps und umfangreiche Effektketten, bei denen ein möglichst gut kontrollierbares Eingangssignal von Vorteil ist.

Coil Split für zusätzliche Klangfarben

Der Aufbau der Elektrik bleibt größtenteils klassisch. Neben einem Master Volume und einem Tone-Regler steht ein 3-Way Blade Switch zur Auswahl der beiden Tonabnehmer bereit. In der unteren Position hören wir den Steg-Humbucker, in der oberen Position den Hals-Humbucker und in der Mittelstellung beide Pickups gemeinsam. Das ist zunächst einmal keine besonders außergewöhnliche Konfiguration. Allerdings verbirgt sich hinter dem Tone-Regler eine praktische Push/Pull-Funktion, mit der sich beide Humbucker in den Coil-Split-Modus versetzen lassen. Gerade hier kann die Tekton unerwarteterweise punkten, da sich ihr Coil-Split-Sound als klar und definiert auszeichnet und sich als besonders interessante Ergänzung zum eigentlichen Humbucker-Sound entpuppt. Gerade für Gitarristen, die zwischen technisch anspruchsvollen Metal-Riffs und glasklaren Clean-Passagen wechseln möchten, dürfte diese zusätzliche Flexibilität von Vorteil sein.

Hardware & Anbauteile

PRS Hardtail – weniger ist manchmal mehr

Statt eines aufwendigen Vibratosystems kommt bei der regulären Tekton eine feststehende PRS Hardtail Bridge zum Einsatz. Ein Blick auf die Saitenreiter des Systems offenbart, dass die feststehende Hardtail-Bridge durchaus einige Design-Merkmale der PRS-Tremolosysteme übernommen hat. Gerade für moderne Gitarristen, die häufig zwischen unterschiedlichen Tunings wechseln, ist eine solche Konstruktion durchaus sinnvoll. Schließlich bringt ein frei schwebendes Tremolosystem immer eine gewisse Abhängigkeit zwischen Saitenspannung und Federspannung mit sich, wodurch bereits kleinere Veränderungen der Stimmung eine zusätzliche Justierung erforderlich machen können. Mit einer feststehenden Brücke fällt dieses Problem weitgehend weg. Auch Palm Mutes lassen sich auf einer solchen Konstruktion besonders kontrolliert umsetzen, da sich die Tonhöhe nicht versehentlich durch Druck auf eine bewegliche Grundplatte verändern kann.

Dennoch bietet PRS auch hier unterschiedliche Ausführungen für Leute, die nicht auf die spieltechnischen Möglichkeiten eines Vibratosystems verzichten wollen. Genau genommen sogar gleich zwei: Das Modell Tekton T bietet ein PRS 2-Point Steel Tremolo im Vintage-Stil, mit der Tekton Floyd steht auch eine Version mit Floyd Rose 1000 Series Double-Locking-Tremolo für wilde Dive Bombs und Squeals bereit.

PRS Phase III Locking-Tuner

PRS Tekton Bloodstone Red Kopfplatte
Praktische PRS Phase III Locking Tuner erleichtern den Saitenwechsel.

An der Kopfplatte kommen sechs PRS Phase III Locking-Mechaniken zum Einsatz. Die hauseigenen Tuner gehören seit vielen Jahren zu den hochwertigsten Hardware-Komponenten im PRS-Portfolio und kombinieren ein traditionelles Erscheinungsbild mit einer praktischen Klemmfunktion. Gerade für Gitarristen, die ihre Saiten regelmäßig wechseln, ist eine solche Ausstattung ein echter Segen. Schließlich entfällt das zeitaufwendige Aufwickeln zahlreicher Saitenwindungen um die Mechanikachse. Stattdessen wird die Saite durch die Achse geführt, festgeklemmt und anschließend auf die gewünschte Tonhöhe gestimmt. Das geht nicht nur deutlich schneller von der Hand, sondern reduziert auch die Anzahl jener Saitenwindungen, die sich beim Spielen zunächst noch setzen müssen. Die Stimmstabilität profitiert also ebenfalls von den nützlichen kleinen Helfern.

Sound-Check

Clean

Beginnen wir mit den cleanen Qualitäten der PRS Tekton. Gerade bei einer Gitarre, die eindeutig für moderne High-Gain-Anwendungen entwickelt wurde, lohnt es sich, zunächst die unverzerrten Sounds genauer zu betrachten. Interessanterweise spricht die Abstimmung der Stylus Humbucker durchaus dafür, dass die Tekton auch hier einiges zu bieten hat. Immerhin hat PRS bei der Entwicklung besonderen Wert auf eine saubere Saitentrennung und einen möglichst großen Dynamikumfang gelegt.

In der Halsposition macht sich dies insbesondere bei komplexen Akkordvoicings und weitreichenden Arpeggios bemerkbar. Wo stark mittig abgestimmte Humbucker gelegentlich dazu neigen, mehrere gleichzeitig angeschlagene Töne zu einem recht kompakten Klangbild zu verschmelzen, verspricht das offenere Frequenzverhalten der Stylus eine differenziertere Wiedergabe, die die einzelnen Töne klar erkennbar machen. Der Steg-Humbucker stellt hingegen eine etwas direktere Ansprache mit ausgeprägterem Attack bereit. Der klang ist scharf umrissen, jedoch nicht harsch.

Noch spannender wird es allerdings, wenn wir die bereits positiv erwähnte Coil-Split-Funktion hinzunehmen. Hier verwandelt sich das grundsätzlich kräftige Humbucker-Signal in eine schlankere Klangvariante, die insbesondere im Bereich transparenter Clean-Sounds ganz in ihrem Element ist. Wer mit den beiden Stylus Pickups also schwergewichtige High-Output-Monster erwartet, die lediglich im höheren Gain-Bereich ihre Stärken auszuspielen wissen, wird hier ganz klar eines Besseren belehrt.

Crunch und Classic Rock

Gerade im Crunch-Bereich zeigt sich häufig, wie dynamisch ein Tonabnehmer tatsächlich arbeitet. Immerhin ist es der berühmte ‚Edge of Breakup‘-Point, den wir über die Spieldynamik jederzeit griffberet halten wollen. Während extrem heiße High-Output-Pickups bereits bei moderaten Gain-Einstellungen einen recht komprimierten Sound erzeugen können, lassen sich mit etwas zurückhaltender abgestimmten Humbuckern oftmals wesentlich feinere Unterschiede in der Anschlagsdynamik herausarbeiten. Hier verfolgt PRS mit den Stylus einen interessanten Ansatz. Statt den maximal möglichen Output in den Vordergrund zu stellen, bietet das Pickup-Set eine ausgewogene Mischung aus Durchsetzungskraft und Dynamik.

Powerchords kommen sehr rund und knackig, die Anschlagsstärke mit dem Plektrum kann hier viel Auslauffläche für Dynamik schaffen. Eine Eigenschaft, die sich auch beim Spielen von Blues-Leads auszahlt und besonders viel Spaß macht. Die Tekton ist in dieser Disziplin zwar nicht ganz so feinfühlig wie eine PRS McCarty oder vergleichbare Modelle, dennoch weiß sie auch diesen Grenzbereich mit Bravour zu meistern. Spätestens ab hier ist also klar, dass die Tekton nicht alleinig für den Metal-Bereich gedacht ist, sondern durchaus Allrounder-Qualitäten an den Tag legt und für nahezu jeden Spaß zu haben ist.

High-Gain

Jetzt geht es ans Eingemachte: wir wechseln in den Lead-Kanal und schauen, wieviel PS die Tekton tatsächlich auf die Straße bringt. Hier lohnt es sich auch, sehr genau hinzuschauen, denn gerade in diesem Bereich sind die Anforderungen an eine E-Gitarre in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen. Wo früher ein kräftiger Humbucker und ein ordentlich aufgedrehter Röhrenverstärker für nahezu jede Metal-Anwendung ausreichten, legen moderne Gitarristen zunehmend Wert auf eine möglichst präzise Wiedergabe komplexer Riffs und technisch anspruchsvoller Spielweisen. Es geht also weniger um reine Power, sondern auch die Art und Weise, wie eine Gitarre diese Power liefert. Gerade bei tiefen Tunings ist das Voicing des Tonabnehmers ist entscheidend, um nicht in undefinierte Klangmasse abzudriften.

Die Stylus Pickups stellen ein aufgeräumtes Klangbild mit wohlsortiertem Frequenzgang bereit, was gerade für Nutzer digitaler Lösungen wie Kemper, Helix oder Quad Cortex wichtig ist. Immerhin können kleine Veränderungen des Eingangssignals erhebliche Auswirkungen auf das Verhalten eines High-Gain-Presets haben können. Hier können die Tonabnehmer also wirklich punkten, selbst Palm Mutes in tieferen Stimmungen bleiben definiert, keine wummernden Bässe oder hässliche Mittennasen stören hier den Gesamteindruck. Man merkt sehr deutlich, dass die Tekton im High-Gain-Bereich ihre kompletten Stärken ausspielen kann.

Hier ist auch die eingangs erwähnte 25,5″-Mensur hervorzuheben. Im Gegensatz zum klassischen Mensurpunkt bei PRS, der sich mit 25″ fast genau zwischen den großen Modellen Les Paul und Stratocaster ansiedelt, ist die verlängerte Mensur für eine knackige, attack-reiche Ansprache entscheidend. Auch tiefere Stimmungen sind dadurch leichter umsetzbar, ohne auf höhere Saitenstärken wechseln zu müssen.

Verarbeitung und Produktumfang

PRS Guitars genießt bereits seit Jahrzehnten den Ruf, nahezu perfekte Instrumente zu fertigen. Dieser vorherrschende Perfektionsanspruch in den Qualitätsstandards der Facility in Stevensville in Maryland zeigt sich auch in unserem Testexemplar, hier gibt es nämlich wirklich gar nichts zu bemängeln. Alle Übergänge sind sauber gefertigt, Lack und Finish gleichmäßig und fehlerfrei aufgetragen. Die Holzauswahl ist top, die Mangodecke besitzt keinerlei Schönheitsfehler. Wer eine PRS Tekton kauft, erhält also dasselbe Qualitätsversprechen, das auch der restliche Fuhrpark des Core-Sortiments seit Jahren beweist.

Apropos Finish: ebenfalls hervorzuheben ist die Mischung aus Gloss- und Satin-Finish. Während die Decke ein hochglänzendes Nitrolack-Finish erhält und die Maserung der Mangodecke zusätzlich unterstreicht, ist die Rückseite des Halses satiniert. Man erhält also eine gelungene Kombination aus geschmeidiger Playability und umwerfenden Looks.

Gigbag statt Koffer

Die PRS Tekton wird in einem gut gepolsterten Premium Gigbag ausgeliefert. Auf ein klassisches PRS Multi-Fit Case, wie es zum Lieferumfang der hochwertigen Core-Instrumente gehört, muss man also leider verzichten. Das muss nicht unbedingt ein Nachteil sein, schließlich bevorzugen viele Gitarristen mittlerweile eine gut gepolsterte Tasche gegenüber einem schweren Koffer. Dennoch wäre angesichts der Positionierung im gehobenen Preissegment ein Hardcase sicherlich ebenfalls eine willkommene Zugabe gewesen.

 

Fazit:

Die PRS Tekton schlägt ein ganz neues Kapitel in der mittlerweile über 40-jährigen Geschichte des amerikanischen Gitarrenbauers auf. Während die bisherigen Core-Modelle häufig den Spagat zwischen traditionellen Klangidealen und moderner Bespielbarkeit suchten, verfolgt die Tekton eine wesentlich konsequentere Ausrichtung auf die Bedürfnisse technisch anspruchsvoller Gitarristen. Besonders die Kombination aus flachem 16″-Griffbrettradius, Jumbo-Edelstahlbünden, schlankem Modern-D-Hals und verlängerter 25,5″-Mensur macht das Instrument zu einer interessanten Alternative für Spieler, die bislang vor allem bei Herstellern wie Ibanez, Jackson oder Suhr fündig wurden. Auch die eigens entwickelten Stylus Humbucker versprechen ein spannendes Klangkonzept, das sowohl traditionelle Verstärker als auch moderne Digital-Rigs berücksichtigt. Hinzu kommen eine hochwertige Hardware-Ausstattung mit PRS Phase III Locking-Mechaniken und einer zuverlässigen Hardtail Bridge sowie eine eigenständige Optik, die sich dank des charakteristischen Mango-Tops deutlich von den übrigen Modellen des Herstellers abhebt.

Pro

  • Modernes, ergonomisches Gitarrenkonzept
  • 16″-Griffbrettradius und Jumbo-Edelstahlbünde
  • PRS Stylus Humbucker mit vielseitiger Coil-Split-Funktion
  • Eigenständige Optik mit Mango-Top und interessanten Finish-Optionen

Contra

  • Kein Hardcase im Lieferumfang
  • Offset Dots statt klassischer Bird-Inlays

Link zur Herstellerseite: https://www.prsguitars.com/


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