„Akustikgitarristen haben es ja echt leicht.“ – zumindest im Vergleich zu E-Gitarristen: einfach einstöpseln und losschrammeln. Ja, so kann es gehen. Wer allerdings beim Publikum und bei den Tontechnikern einen professionellen Eindruck hinterlassen will, muss doch einiges beachten, um sich mit seinem Instrument auf der Bühne wohlzufühlen. Und das gelingt nur, wenn man sich auf jede einzelne Komponente seines Equipments verlassen kann.
Wir setzen einmal voraus, dass die Gitarre gut eingestellt ist. So mancher Gitarrist staunt, wenn er sein Instrument zum ersten Mal zum Gitarrenbauer bringt und dieser die Saitenlage deutlich „tieferlegt“. Auch die Wahl der Saiten spielt natürlich eine wichtige Rolle, würde hier aber den Rahmen sprengen.
Der Tonabnehmer
Fangen wir also beim Tonabnehmer an. Um es vorwegzunehmen: Hier liegt bereits der größte Kompromiss, denn eine Akustikgitarre ist ein derart komplexes Instrument, dass sie sich nicht so einfach naturgetreu abbilden lässt. Gerade bei reinen Piezo-Tonabnehmern, die unter der Stegeinlage sitzen (auch „Undersaddle“ genannt), fallen oft Begriffe wie „topfig“ oder „nasal“.

Der Sound ist in jedem Fall gewöhnungsbedürftig und sollte unbedingt nachbearbeitet werden. Mittlerweile gibt es unzählige Ansätze, dem natürlichen Klang einer Akustikgitarre so nah wie möglich zu kommen.
Manche aktiven Pickup-Systeme setzen auf eine Kombination aus Mikrofon und Piezo. L.R. Baggs hat mit dem Anthem-System einen Standard geschaffen, bei dem das Mikrofon im Korpus unter dem Steg an die Stegplatte geklebt wird.
Mit einem Blend-Regler lässt sich das Verhältnis zwischen Piezo und Mikrofon mischen. In der Praxis wird für den besten Klang meist ein hoher Mikrofonanteil gewählt. Achtung: Auf lauten Bühnen besteht dabei Rückkopplungsgefahr.

Stimmgeräte
Eine saubere Stimmung ist auf der Bühne schon im eigenen Interesse absolute Pflicht. Stimmgeräte, die an die Kopfplatte geklemmt werden, sind gute Helfer in der Not und im Studio oder zu Hause schnell einsatzbereit. Auf der Bühne ist es jedoch sinnvoll, dem Publikum den Stimmvorgang zu ersparen. Hier hilft ein Tuner im Pedalformat, der das Signal beim Aktivieren stummschaltet.
So lässt sich die Gitarre ungestört stimmen. Sobald alles bereit ist, wird das Signal mit einem weiteren Fußtritt wieder freigegeben. Und noch einen Vorteil hat so ein Mute-Schalter: Wird das Kabel aus der Gitarre gezogen, gibt es keinen lauten Knall, der den ganzen Saal zusammenzucken lässt.


Equalizer / Low Cut
Bei Akustikgitarren gibt es besonders im Bass- und Mittenbereich typische Frequenzen, die es zu bändigen gilt. Sie klingen nicht nur unschön, sondern können sich auch zu unangenehmen Rückkopplungen aufschaukeln. Sinnvoll ist immer ein Low Cut bei etwa 80 Hz, damit in diesem Bereich schon einmal keine Gefahr besteht. Er lässt sich entweder am Mischpult setzen oder mit einem eigenen Equalizer, der als Einzelpedal oder in anderer Form „zu Füßen liegt“.
Auch in den Mitten gibt es die berühmten „Nasen“, die für den bereits beschriebenen topfigen Sound verantwortlich sind. Ein einfaches Pedal, das genau diese Klangkorrekturen ermöglicht, ist der L.R. Baggs Para Acoustic DI Preamp – gleichzeitig eine aktive DI-Box, um die es im folgenden Abschnitt geht.

DI-Box
Eine DI-Box hatte wohl jeder schon einmal in der Hand oder hat zumindest gehört, dass man sie immer braucht, um eine Akustikgitarre zu verstärken. Das ist weder ganz richtig noch ganz falsch, denn genau genommen kommt es auf die Kabellänge an. Eine DI-Box macht aus einem unsymmetrischen Signal (wie im Gitarrenkabel) ein symmetrisches Signal (wie im Mikrofonkabel).

Ein symmetrisches Signal lässt sich auch über 30 Meter nahezu verlustfrei übertragen. Wer schon einmal versucht hat, über ein 30 Meter langes Gitarrenkabel direkt ins Pult zu spielen, weiß: Die Höhen bleiben buchstäblich auf der Strecke, und das Signal ist äußerst anfällig für Störgeräusche. Steht das Pult auf der Bühne, sind drei oder sechs Meter lange Kabel kein Problem, und die Gitarre kann auch mal direkt eingestöpselt werden.
Steht das Mischpult dagegen am FOH-Platz im Publikum, wird klar, warum Stageboxen in der Regel mit XLR-Buchsen arbeiten: Das unsymmetrische Signal des Tonabnehmers muss für den längeren Weg mithilfe einer DI-Box symmetriert werden.
Je nach Tonabnehmer kommen dabei aktive oder passive DI-Boxen zum Einsatz. Handelt es sich um einen aktiven Pickup, der meist mit einem 9-Volt-Block in der Gitarre betrieben wird, reicht eine passive DI-Box, die ihren Job unauffällig, aber zuverlässig erledigt.

Was noch zum guten Sound fehlt
Neben den Korrekturen per Equalizer bzw. Low Cut – entweder auf dem Pedalboard, um bereits einen optimierten Sound ans Pult zu liefern, oder direkt am Mischpult – sind bei Akustikgitarren noch jede Menge Effekte denkbar. Die gehören allerdings nicht zum „Brot-und-Butter-Setup“, das jeder Gitarrist auf der Bühne dabeihaben sollte.
Der wichtigste Effekt für Akustikgitarren ist ohne Zweifel ein guter Hall, den der Mischer beisteuern kann oder der auch als Pedal erhältlich ist. Eine knochentrockene Akustikgitarre im Ohr macht keinen Spaß und klingt denkbar unnatürlich – kein Wunder, denn unverstärkt hören wir sie immer zusammen mit den Reflexionen des Raumes.
All-in-one-Lösungen
Wie bei E-Gitarren weit verbreitet, gibt es auch für Akustikgitarren Multieffektgeräte, die kaum Wünsche offenlassen. Sie können verschiedene Sounds speichern und abrufen und simulieren sogar den Klang unterschiedlicher Gitarrenbauformen. Ob einem das zusagt, muss jeder nach eigenem Geschmack entscheiden. Praktisch sind diese Helfer auf jeden Fall, um direkt einen fertigen Sound zu liefern.
Beim Zoom AC-3 sind sogar ein Stimmgerät und eine Stereo-DI-Box integriert. Ein weiteres Feature ist ein Solo-Boost, damit die Gitarre nicht untergeht, wenn es darauf ankommt.

Und nicht vergessen …
Manchmal sind es eben die Kleinigkeiten, an denen man Profis mit viel Bühnenerfahrung erkennt. Dazu zählt ein gut gefüllter „Werkzeugkoffer“ mit Ersatzkabeln, Saiten, Batterien und verschiedenen Adaptern, damit nichts dem Zufall überlassen bleibt. Wer mehr oder weniger professionell unterwegs ist, sollte seinen Sound im Griff haben und auf alle Eventualitäten vorbereitet sein. Dann klappt es auch mit dem Wohlfühlen auf der Bühne.

