Wo liegt denn hier der Unterschied? Diese Frage dürften sich viele Gitarristen einmal gestellt haben, wenn sie eine Sigma-Gitarre das erste Mal neben ein ähnliches Martin-Modell halten. Und in der Tat kommt einem hier einiges bekannt vor. Korpusformen, die klassische Kopfplatte und auch einige Modellbezeichnungen ähneln auffallend den Akustikgitarren von C. F. Martin & Co. Deine Wahrnehmung spielt dir keinen Streich, denn tatsächlich blicken beide Marken auf eine gemeinsame Geschichte zurück. Sigma wurde nämlich von Martin mit dem Ziel gegründet, den Charakter der amerikanischen Westerngitarre zu einem erschwinglichen Preis anzubieten. Doch kann man wirklich sagen, dass Sigma einfach eine günstigere Martin ist?
Wie aus Martin Sigma Guitars entstand
Die Geschichte beginnt 1970. Damals sah sich Martin mit einer wachsenden Konkurrenz aus Asien konfrontiert, die durch geringe Produktionskosten Instrumente zu sensationell günstigen Preisen anbot. Dies fand auch in Amerika Anklang, denn diese Instrumente orientierten sich deutlich an Modellen bekannter US-Hersteller. Dazu gehörten insbesondere Dreadnought-Gitarren, die zu den populärsten unter den Westerngitarren zählen.
Um mithalten zu können, entschied sich Martin, selbst in dieses Marktsegment einzusteigen und gründete damit Sigma Guitars. Zunächst wurden die Gitarren in Japan gefertigt und in den USA kontrolliert, bevor sie in den Handel kamen. Dabei orientierte sich Martin deutlich am eigenen Sortiment und baute Gitarren, die bewährte Konstruktionen und Merkmale originaler Martins aufgriffen. Auch heute findet man noch Modelle wie die DM-18, die das Konzept der Martin D-18 aufgreift.


Im Laufe der Jahre wechselten die Standorte innerhalb Asiens und das Sortiment entwickelte sich kontinuierlich weiter. 2007 endete schließlich die Zusammenarbeit mit Martin. Damit war es aber längst nicht vorbei. Seit 2011 ist Sigma Guitars eine eigenständige Marke unter der Verantwortung des deutschen Unternehmens AMI Musical Instruments.
Ist eine Sigma-Gitarre also eine Martin für weniger Geld?
Ja und nein. Natürlich sind die parallelen zu Martin Guitars unverkennbar, da dies schließlich die ursprüngliche Philosophie war. Doch der Teufel steckt im Detail. Während Martin seine Gitarren in den USA oder in Mexiko fertigt, werden Sigma-Gitarren in Asien produziert, was die günstigeren Verkaufspreise erklärt. Das ist kosteneffizienter und bietet den Kunden hochwertige Instrumente für weniger Geld.
Allerdings sind die Gitarren keineswegs gleich aufgebaut oder identisch in ihrem Klang. Unterschiede in der Holzauswahl, der Deckenbeleistung, den Tonhölzern und mehr beeinflussen das Endergebnis und können bei zwei augenscheinlich baugleichen Gitarren zu Unterschieden in Spielgefühl und Klangcharakter führen.
Was steckt in einer Sigma-Gitarre?

Das Sigma-Sortiment zeigt deutlich, dass der Hersteller auf Tradition setzt. Er greift klassische Bauweisen wie die Dreadnought, die zu den wichtigsten Korpusformen zählt, auf. Mit ihrem großen Korpus erzeugt sie einen durchsetzungsstarken Klang, der besonders gut bei Singer-Songwritern, Country- oder Folk-Musikern ankommt. Zusätzlich findest du in der Produktpalette eine Vielfalt an OM- und 000-Gitarren. Diese kommen in einem handlichen Format und sprechen Gitarristen an, die stark mit Fingerpicking arbeiten oder einen ausgewogenen Sound bevorzugen.
In puncto Tonhölzer hält sich die Firma strikt an die Klassiker. Sigma-Gitarren sind häufig mit einer Fichtendecke sowie Boden und Zargen aus Palisander oder Mahagoni ausgestattet. Dabei verfügen viele Gitarren über eine massive Decke, während in höheren Preissegmenten auch vollmassive Gitarren zu finden sind.
So bietet der Hersteller eine Vielfalt an erschwinglichen Instrumenten, die jedem Gitarristen das Passende bietet.

Wie nah kommt eine Sigma-Gitarre klanglich an Martin heran?
Das lässt sich leider nicht eindeutig beantworten. Da der Klang einer Gitarre von vielen verschiedenen Konstruktionsmerkmalen und Materialien abhängt, können zwei auf den ersten Blick gleiche Gitarren vollkommen unterschiedlich klingen. Näheres zur Klangproduktion einer Akustikgitarre erfährst du auch in dem Artikel Wie eine Akustikgitarre Klang erzeugt.
Besonders hochwertige Martin-Modelle verfügen über Feinheiten wie spezielle Arten der Deckenverstrebung, die eine Sigma-Gitarre nicht bietet. Sigma setzt eher auf möglichst viele Eigenschaften traditioneller Westerngitarren zum kleinen Preis.
Letztendlich entscheidet aber auch nicht der Name auf der Kopfplatte, sondern der Spieler.
Eine eigenständige Marke mit berühmten Wurzeln
Auch wenn Sigma heute kein Teil mehr von Martin Guitars ist, ist die gemeinsame Geschichte ein wichtiger Teil der Markenidentität. Martin hat die Art und Konstruktion der heutigen Westerngitarre maßgeblich geprägt, während Sigma sich eigenständig weiterentwickelt, die ursprüngliche Philosophie jedoch nie aus den Augen gelassen hat. Nach dem Vorbild berühmter Martin-Gitarren entstand ein Sortiment vielseitiger Westerngitarren, die sich sowohl an Einsteiger als auch an Fortgeschrittene richtet. Suchst du also nach einer Gitarre im Stil einer klassischen Martin, hast aber nicht das entsprechende Budget, könntest du mit einer Sigma-Gitarre definitiv einen Volltreffer landen.
Sigma ist also nicht einfach eine günstige Martin, sondern eine Gitarrenmarke, die aus einer gemeinsamen Idee entstanden ist.
