Ska-Punk-Aushängeschild: Chris DeMakes und Roger Lima im Gear-Check
Wenn ich an ein Musikgenre denke, das gute Laune, Energie und Spaß vereint, dann fällt mir als Erstes Ska-Punk ein. Wie der Name es bereits preisgibt, entstand die Stilrichtung aus der Verschmelzung von Ska und Punkrock und entwickelte sich insbesondere während der sogenannten Third-Wave-Ska-Bewegung in den 1980er- und 1990er-Jahren zu einem eigenständigen Genre. Typische Merkmale sind in der Regel schnelle Punkrock-Rhythmen, verzerrte Gitarren, eingängige Melodien sowie die für Ska charakteristischen cleanen Offbeat-Gitarren und die obligatorischen Bläsersätze.
Während einige Bands den Punkrock-Anteil stärker betonen und auf hohe Geschwindigkeiten, aggressive Gitarren und rauen Gesang setzen, orientieren sich andere stärker am klassischen Ska und kombinieren verzerrte Gitarren mit saubere Clean-Offbeat-Chords, Saxophon, Trompete oder Posaune miteinander. Genau diese Mischung machte Ska-Punk in den 1990er-Jahren besonders erfolgreich. Bands wie Operation Ivy, Rancid, Reel Big Fish, The Mighty Mighty Bosstones oder Less Than Jake prägten damit eine Generation von Musikerinnen und Musikern und etablierten das Genre weit über die Grenzen der Punk-Szene hinaus.
Gerade auf Festivals gehören Ska-Punk-Bands seit vielen Jahren zum festen Bestandteil vieler Line-ups und sorgen regelmäßig für einen willkommenen Kontrast zwischen harten Metal-Acts und großen Pop- oder Rock-Bands. Mir persönlich haben Ska-Punk-Bands selbst an langen und anstrengenden Festivaltagen immer wieder ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Entsprechend war es in meiner Jugend nur eine Frage der Zeit, bis ich mich intensiver mit einigen Vertretern des Genres beschäftigte.
In diesem Sound-Decoded-Beitrag werfen wir deshalb einen Blick auf eine Band, die mich bereits seit vielen Jahren begleitet und von der ich bis heute nicht müde geworden bin: Less Than Jake.
Der Sound von Less Than Jake: Von Gainesville in die Ska-Punk-Oberliga

Less Than Jake wurden 1992 im amerikanischen Gainesville, Florida, gegründet und zählen bis heute zu den wichtigsten Vertretern des modernen Ska-Punk. Der ungewöhnliche Bandname geht auf die Bulldogge von Schlagzeuger Vinnie Fiorellos Eltern zurück. Der Hund namens Jake genoss innerhalb der Familie einen derart hohen Stellenwert, dass alles andere gewissermaßen „less than Jake“ war.
Bereits mit ihrem Debütalbum Pezcore machte die Band auf sich aufmerksam, ehe Alben wie Losing Streak und Hello Rockview den Status als feste Größe der Szene zementierten.
Songs wie All My Best Friends Are Metalheads oder History of a Boring Town verbinden eingängige Punkrock-Melodien mit den typischen Bläserarrangements des Ska und gelten bis heute als Genre-Klassiker. Auch mehr als drei Jahrzehnte nach ihrer Gründung gehören Less Than Jake zu den aktivsten und beliebtesten Bands der Ska-Punk-Szene.
Chris DeMakes: Punkrock-Riffs zwischen Les Paul und Telecaster

Der Gitarrensound von Chris DeMakes bildet seit den frühen 1990er-Jahren das Fundament vieler Less-Than-Jake-Songs. Anders als man es von vielen Punk- oder Metal-Gitarristen erwarten würde, setzt DeMakes nicht auf besonders exotisches oder gemoddetes Equipment.
E-Gitarren
Zu seinen bevorzugten Stage-Gitarren gehören verschiedene Epiphone Les Paul-Modelle sowie Fender Telecaster-Gitarren. Die Kombination aus humbuckerbestückten Les Pauls und den bissigeren Telecaster-Sounds passt hervorragend zum musikalischen Konzept der Band und funktioniert je nach Song und Gewichtung von Ska und Punkrock wunderbar im Kontext.
Während die Les Pauls für satte Rhythmusgitarren und fette Refrains sorgen, liefern die Telecaster-Modelle die nötige Definition für Offbeat-Passagen und cleane Ska-Rhythmen.

Verstärker
Bei Verstärkern setzt Chris mittlerweile auf moderne Modeling-Lösungen wie einen Kemper Profiler. Neben Modeling kamen unter anderem Blackstar Series One 200 Tops in Verbindung mit passenden 4×12″-Boxen zum Einsatz. Diese Kombination ermöglicht sowohl klassische Punkrock-Zerre als auch die klaren Clean- und Crunch-Sounds, die für den Ska-Anteil vieler Less-Than-Jake-Songs unverzichtbar sind.
Chris setzt also weniger auf besondere Geheimtipps oder legendäre Amps, sondern vielmehr auf sein expressives Spiel und eine unverkennbare Energie, die nahezu jeden Ton der Band sofort wiedererkennbar macht.
Interessant ist außerdem sein Signature-Pedal von Oneder Effects. Das speziell auf seinen Sound abgestimmte Effektgerät gilt als eines der ersten Pedale, das gezielt für Ska-Punk-Gitarristen entwickelt wurde. Ein Kanal erzeugt komprimierte und angehobene Clean-Sounds für Offbeat-Rhythmen, während der zweite Kanal einen satten High-Gain-Sound für die typischen Punkrock-Refrains liefert.

Auch wenn DeMakes das Pedal nicht als festen Bestandteil seines Live-Rigs nutzt, verdeutlicht ein Blick auf das Regler-Layout des Pedals, welche beiden Klangwelten den Gitarrensound von Less Than Jake prägen.
Nahtloser Wechsel zwischen Ska und Punk: Tight sein ist alles!
Viel wichtiger als die konkrete Wahl des Verstärkers oder der Gain-Einstellungen ist dabei die Fähigkeit, blitzschnell zwischen den cleanen Offbeat-Passagen der Strophen und den satten Punkrock-Refrains umzuschalten. Gerade dieser nahtlose Übergang zwischen Ska und Punk prägt den Less-Than-Jake-Sound seit jeher und stellt deutlich höhere Anforderungen an Timing und Dynamik als die Wahl eines bestimmten Verstärkermodells.
Der notwendige Wechsel zwischen Clean- und Zerrsounds lässt sich dabei auf unterschiedlichste Weise realisieren. Neben mehrkanaligen Verstärkern oder Modeling-Systemen kommen hierfür ebenso häufig Overdrive- und Distortion-Pedale infrage. Betrachtet man jedoch den rauen und aggressiven Charakter vieler Less-Than-Jake-Songs, dürfte ein Distortion-Sound dem typischen Bandsound oftmals näherkommen als ein klassischer Low-Gain-Overdrive.


Roger Lima: Mehr als nur Bassfundament

Neben Chris‘ Gitarrenspiel, dem deftigen Wechsel zwischen Skate-Punk- und Off-Beats sowie den ikonischen Bläsersätzen spielt auch der E-Bass eine zentrale Rolle im generellen Less Than Jake-Arrangement.
Roger Lima übernimmt dabei nicht nur den Tieftonbereich am E-Bass, sondern ist gemeinsam mit Chris einer der Hauptsänger der Band. Sein Basssound muss daher sowohl durchsetzungsfähig als auch klar definiert sein, um sich im dichten Arrangement aus Gitarren, Bläsern und Gesang behaupten zu können.
Gleichzeitig spart er jedoch nicht an komplexeren Riffs oder einprägsamen Bass-Lines, die ab dem ersten Ton direkt ins Ohr gehen. Ein Paradebeispiel dafür ist definitiv der Song Look What Happened vom Album Borders & Boundaries (2000).
E-Bass
Seit vielen Jahren setzt Roger auf Ernie Ball Music Man Sterling Bässe. Die Instrumente liefern einen durchsetzungsfähigen Ton mit knackigem Attack und eignen sich hervorragend für schnelle Basslinien im Ska-Punk. Als Saiten kommen dabei Ernie Ball Super Slinky Bass Strings im Satz .045–.100 zum Einsatz.

Mindestens ebenso interessant ist seine Verstärkerhistorie. Auf frühen Aufnahmen vertraute er auf einen Gallien-Krueger 400RB in Verbindung mit einer Carvin 2×15″-Box. Dieses Setup war unter anderem auf den ersten Studioaufnahmen bis zur Hello-Rockview-Ära zu hören und prägte den charakteristischen Less-Than-Jake-Basssound der 1990er-Jahre.
Heute bildet ein Eden World Tour WT800 den Kern seines Live-Rigs. Für Studioaufnahmen experimentiert Roger jedoch regelmäßig mit verschiedenen Verstärkern und Klangquellen. So kombinierte er in einigen Produktionen sogar einen Marshall JCM2000 Gitarrenverstärker mit seinem Bass-Setup, um zusätzliche Obertöne und einen aggressiveren Charakter zu erzeugen.

Was Rogers Bassspiel besonders interessant macht: Es zeigt exemplarisch, wie sich anspruchsvolle Ska-Riffs mit schnellen Punkrock-Passagen kombinieren lassen. Immer wieder übernimmt der Bass prägnante Melodien, Intros oder Überleitungen und tritt dadurch deutlich stärker in den Vordergrund, als es in vielen Punkrock-Bands üblich ist.
Gerade im Zusammenspiel mit Chris DeMakes‘ Gitarrensound entstehen zahlreiche Momente, in denen der Bass weit mehr als nur das rhythmische Fundament liefert und entscheidend zum Wiedererkennungswert der Band beiträgt.


Der Sound von Less Than Jake: Gear-Minimalismus und ein Verständnis für Performance
Der Sound von Less Than Jake lebt letztlich von seiner Balance aus tightem Ska und schnellen Skate-Punk-Passagen. Punkrock-Gitarren treffen auf federnde Offbeat-Rhythmen, während ein durchsetzungsfähiger Bass das Fundament legt und die Bläser für den unverwechselbaren Gute-Laune-Ska-Charakter sorgen.
Weder Chris DeMakes noch Roger Lima setzen dabei auf besonders komplizierte oder übermäßig technische Setups. Stattdessen basiert der Bandsound auf bewährten Instrumenten, einfachen Verstärkerkonzepten und einem klaren Verständnis dafür, wie Ska und Punkrock zu einer energiegeladenen Einheit verschmelzen und diese Power auch live gekonnt transportieren.
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Titelbild: fkpscorpio
