… macht Sachen: MARTIN HENGSTERMANN baut E-Gitarren aus Beton

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Gitarren aus Holz gibt es genügend, Martin Hengstermann baut seine deshalb aus Beton. Genauer gesagt verwendet der promovierte Maschinenbauingenieur aus Kahla in Thüringen einen mit Carbonfasern verstärkten Beton, der sonst im Bauwesen zum Einsatz kommt. Das Ergebnis wiegt 3,3 Kilogramm, besitzt zwei splitbare Humbucker und kostet 1.550 Euro.

3,3 kg in Tele-Anmutung

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Die Idee entstand nicht aus bloßer Lust am schrägen Material. Hengstermann beschäftigte sich während seines Studiums an der Technischen Universität Dresden mit Carbonbeton und baut selbst schon länger Instrumente. Irgendwann trafen beide Interessen aufeinander. Drei Jahre vergingen bis zum Model 1.0, Teile der Konstruktion hat er inzwischen zum Patent angemeldet. Für Hengstermann liegt der Reiz des Materials gerade in dem, was Beton zunächst so wenig musikalisch erscheinen lässt: Er ist starr, gleichmäßig und weitgehend unbeeindruckt von den Bedingungen seiner Umgebung. Holz verändert sich mit Temperatur und Luftfeuchtigkeit, jedes Stück bringt seine eigenen Unregelmäßigkeiten mit. Carbonbeton soll demgegenüber reproduzierbare Eigenschaften, eine direkte Ansprache und langes Sustain ermöglichen Zu einem untragbaren Monolithen wird die Gitarre dennoch nicht. Der Korpus ist wesentlich dünner ausgeführt als bei vielen Holzinstrumenten. Mit 3,3 Kilogramm bleibt das Model 1.0 sogar unter dem Gewicht so mancher Les Paul.

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Optisch hält sich Hengstermann ohnehin nicht an die üblichen Regeln. Seine Gitarren können Totenköpfe oder das Porträt Johann Sebastian Bachs tragen. Für das Comedy-Duo Elsterglanz baute er ein Modell im Stil der bevorzugten Biermarke der beiden Musiker – samt Kronkorken als Regler. Bei diesem Instrument blieb es nicht bei der Dekoration: Hengstermann ersetzte beim Anmischen des Betons einen Teil des Wassers durch Bier. Weil dessen Zucker das Abbinden bremst, verlängerte sich der Bau von ungefähr einer Woche auf einen Monat.

Prominente und private Abnehmer

Eine weitere seiner Gitarren ist im Video zu „Utopia“ von The Streets zu sehen. Sänger/Rapper Mike Skinner spielt dort ein Modell aus der Thüringer Werkstatt. Auch Musiker aus der Heavy-Metal-Szene sowie Kunden aus den USA, England und der Schweiz haben Hengstermanns Instrumente ausprobiert oder bestellt. Noch ist Dr. Hengstermann Guitars eine kleine Manufaktur. Hengstermann arbeitet hauptberuflich als Projektleiter bei einem Unternehmen in Jena und kann deshalb nur eine begrenzte Zahl von Instrumenten herstellen. Für 2026 rechnet er mit rund 20 Exemplaren. Angeboten werden sie vorwiegend direkt über die eigene Internetseite; im Showroom in Kahla lassen sie sich nach Terminvereinbarung anspielen.

Gitarristen diskutieren seit Jahrzehnten darüber, wie stark die Holzart den Klang einer massiven E-Gitarre beeinflusst. Hengstermann umgeht die Debatte auf angenehm handfeste Weise: Er lässt das Holz einfach weg. Ob Carbonbeton tatsächlich mehr Sustain, Klarheit und tonale Stabilität liefert, muss sich im direkten Vergleich zeigen. Dass eine Betongitarre weder unförmig noch bleischwer sein muss, hat er bereits bewiesen.

Dr. Hengstermann Guitars im Netz

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