Platte der Woche: TAJ MAHAL & The Phantom Blues Band „Time“

Taj Mahal Cover

„Deep-Groove-Musik für Erwachsene von einer Band, die immer noch spielt, als wäre die Nacht noch jung“, fasst die Sängerin und Gitarristin Ruthie Foster die Musik auf ‚Time‘ zusammen. Auf der neuen Veröffentlichung des in New York geborenen Henry St. Clair Fredericks, besser bekannt als Taj Mahal, kommt der fast 84-Jährige erneut mit der Phantom Blues Band zusammen. Eine Formation, mit der ihn eine mehr als dreißigjährige Zusammenarbeit verbindet.

Mit Bill Withers‘ Segen

© Mike Coeyman
© Mike Coeyman

Im Zentrum steht der Titelsong „Time“, eine bislang unveröffentlichte Komposition von Bill Withers. Das Stück, ursprünglich nur als Demo existent, gelangte über Produzent Steve Berkowitz in die Hände von Taj Mahal und wurde mit Zustimmung der Familie Withers neu interpretiert. Taj Mahal wird dazu im Info zur Platte zitiert:

„Meine Ex-Frau ging mit Bill Withers’ Frau zur Schule, daher kannten sie sich, und ich hatte die Gelegenheit, etwas Zeit mit ihm zu verbringen. Ich hatte großen Respekt vor dem Bruder wegen dem, was er der Musik gegeben hat. Bill konnte mit einer Akustikgitarre auf die Bühne gehen und etwas wie ‚Grandma’s Hands‘ singen, und es fand bei den Leuten so tiefen Anklang. Er sprang nicht auf und ab oder versuchte, auffällig zu sein – er hatte einfach sein eigenes Tempo und seine eigene Art, Dinge zu tun. Diese Ehrlichkeit in seiner Musik bedeutete mir sehr viel. Als dieser Song dann auftauchte, hörte ich ihn mir ein paar Mal an und spürte diese Bewegung und diese Botschaft darin. Und wir waren dankbar, seinen Segen zu erhalten, ihn aufzunehmen.“

Die Aufnahme bleibt nah am Geist des Originals, ohne es zu kopieren: getragen, reduziert und auf die Wirkung von Stimme und Song fokussiert.

Blues als offenes System

Auch darüber hinaus zeigt sich ‚Time‘ stilistisch offen. Mit ‚Talkin’ Blues‘ greift das Album einen Klassiker von Bob Marley auf, hier ergänzt durch einen Gastbeitrag von Ziggy Marley. An anderer Stelle stehen Stücke wie ‚Wild About My Lovin’‘, das stärker im Swing verwurzelt ist. Oder ‚You Put The Whammy On Me‘, das afro-kubanische Einflüsse integriert. Diese Spannweite wirkt nicht konstruiert, sondern folgt einer Logik, die Taj Mahals Werk seit jeher prägt. Also Blues als offenes System, anschlussfähig an karibische, afrikanische und amerikanische Traditionen.

© Mike Coeyman
© Mike Coeyman

Die Aufnahmen selbst reichen zurück bis ins Jahr 2010 und entstanden im Ultratone Studio in Kalifornien. Neben Taj Mahal sind zentrale Mitglieder der Phantom Blues Band beteiligt, darunter Tony Braunagel (Schlagzeug), Larry Fulcher (Bass) und Johnny Lee Schell (Gitarre), der das Album gemeinsam mit Berkowitz auch produzierte. Musiker wie Pianist Jon Cleary und Organist Mick Weaver ergänzen das Line-up.

Tracklist

01. Life of Love
02. Wild About My Lovin’
03. Crazy About A Jukebox
04. Time
05. You Put The Whammy On Me
06. Talkin‘ Blues
07. Sweet Lorene
08. Ask Me About Nothing (But The Blues)
09. It’s Your Voodoo Working
10. Rowdy Blues

Album-VÖ: 01.05.2026
Label: Resonatin‘ Records
www.tajblues.com

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