Die Entwicklung von natürlichem Raumhall bis hin zum mechanischen Hall-Effekt
Wir kennen ihn, wir lieben ihn und er ist gerade im Kontext der Musikproduktion obligatorisch: Der Reverb-Effekt. Doch Hall ist nicht gleich Hall – zumindest in der Art und Weise, wie sich frühe Tonstudios in den 1940er- und 1950er-Jahren den natürlichen Raumhall zunutze machten, um Tonaufnahmen einen einzigartigen Charakter und Tiefe zu verleihen. Im Laufe der Zeit wurden mechanische Komponenten zur Erzeugung von simuliertem Hall genutzt, während in den 80er-Jahren die ersten digitalen Reverb-Effektgeräte das Licht der Welt erblickten.
Wir wollen uns den Hall-Effekt und insbesondere die Entwicklung der Reverb-Effektpedale anschauen und einen Überblick über die Geschichte sowie die verschiedensten Arten des Hall-Effekts geben.
Der Reverb-Effekt der jungen Kulturgeschichte

Kathedralen und Chorgesänge
Wir kennen alle die Situation, wenn man in einer großen Kirche, einer Kathedrale oder einer ähnlichen Einrichtung steht und die Gemäuer einen breiten Hall reflektieren. Das Nachhallen einer solchen Einrichtung charakterisiert sich vor allem durch eine lang anhaltende Abklingzeit, die dem reflektierten Ton eine dunkle Färbung verleiht. In der frühen Kulturgeschichte machten sich Chöre diesen natürlichen Kathedralen-Hall zu Nutze, während im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts durch die Errichtung resonanzreicher Aufführungsstätten der natürliche Hall zur Verstärkung für Operngesang und klassischer Musik genutzt wurde.
Dieser Hall-Effekt ermöglichte die Verstärkung orchestraler Musik sowie des Gesangs, indem eine hohe Resonanz den Eindruck einer immersiven Klangquelle transportierte. Die frühe eindrucksvolle Performance klassischer Musik wurde durch diesen natürlichen Hall-Effekt einzigartig und lieferte eine unvergleichliche Atmosphäre, die bis heute gerne für klassische Aufführungen und in der Musikproduktion genutzt wird.
Der Hall-Effekt der frühen Studiotechnik
Experimente mit Echokammern
In der frühen Studiotechnik der 1940er- und 1950er-Jahre wurde der Hall-Effekt ursprünglich durch Hallräume und insbesondere durch sogenannte Echokammern, auch Chambers genannt, erzeugt, indem Aufnahmen durch einen kontrollierten Hall verfeinert wurden. Dabei experimentierten Tontechniker mit verschieden mikrofonierten Räumen und testeten diverse Methoden aus, um einen natürlichen Hall sinnvoll in einer Studioproduktion einzusetzen.


Mechanischer Hall
Plate- und Spring-Reverb
In der Moderne sind Begriffe wie Plate- und Spring-Reverb als verschiedene Reverb-Typen bekannt, die sich auf einem Pedal oder in einem DAW-Plug-In per Knopfdruck ansteuern und wechseln lassen. Vor dem digitalen Zeitalter waren Plate- und Spring-Reverb jedoch die ersten mechanisch erzeugten Hall-Effekte, die unabhängig von speziellen Echokammern funktionierten und den Weg für zukünftige kompakte Hall-Geräte und Reverb-Effektpedale ebneten.
Plate
Die erste mechanische Komponente eines Hall-Effektgerätes war eine Metallplatte (Plate), durch die ein Audiosignal geschickt wurde. Die erzeugten Schwingungen wurden per Tonabnehmer aufgenommen und ließen ein langsam abfallendes Audiosignal übrig. Der erzeugte Hall zeichnete sich durch eine helle Klangfarbe aus, die beim Abfallen dunkler wird und einen besonderen Charakter in Tonaufnahmen brachte.
Der kontrollierbare Hall-Effekt setzte somit den Startschuss für analoge Hall-Effektgeräte, die sich in der Studiotechnik manifestierten. Dadurch musste nicht zwingend auf Hall-Räume und Echokammern zurückgegriffen werden und der Einsatz des Reverb-Effekts wurde – zumindest für den Einsatz in Tonstudios – „kompakter“!
Spring

Der Spring-Reverb – auch bekannt als Federhall – ist ein mechanisch erzeugter Hall, der insbesondere in den 60er-Jahren durch den Einsatz in Gitarrenverstärkern beliebt wurde. Im Detail funktioniert der Federhall ähnlich wie der Plate-Reverb-Effekt, jedoch wird anstelle einer Metallplatte eine Feder genutzt, die das Audiosignal auffängt und ebenfalls langsam abfallen lässt.
Der Sound des Federhalls war charakteristisch zwar nicht mit dem abfallenden, dunklen Plate-Hall einer großen Metallplatte oder gar mit Echokammern vergleichbar, jedoch hatte die Feder den Vorteil, dass sie kompakt in Amps oder kleineren Geräten verbaut und somit auch außerhalb eines Tonstudios genutzt zu werden konnte.
Mit dem Spring-Reverb manifestierte sich der analoge Hall in Gitarrenverstärkern wie dem Fender Princeton Reverb oder dem Twin Reverb, die den Gitarren-Sound und Genres wie beispielsweise den Surf-Rock der 60er-Jahre maßgeblich prägten. Bis heute wird der Federhall im Kontext der E-Gitarre gerne verwendet, um den legendären 60’s-Vintage-Sound zu reproduzieren.
Weiter geht’s in Reverb – die Geschichte des Hall-Effekts (Teil 2)
Pedalboard & Co. – Dein Guide zur Pedal-Glückseligkeit (Teil 1)
Pedalboard & Co. – Dein Guide zur Pedal-Glückseligkeit (Teil 1)