Plektrum, Plektron, Pick, Plättchen… Kaum ein Zubehörteil ist günstiger und unscheinbarer, gleichzeitig aber so entscheidend für das Spielgefühl wie das Plektrum. Viele Gitarristen verbringen Jahre damit, Gitarren, Amps, Pickups, Saiten oder Pedale zu testen und zu vergleichen, greifen dabei aber immer zu demselben Pick. Klar, man mag, was sich bewährt hat und was man gewohnt ist, aber oft genügt manchmal schon eine andere Form oder ein anderes Material, um das Anschlagsgefühl und vor allem den Sound maßgeblich zu verändern. Im Positiven wie auch im Negativen.
Wer sich durch das schier endlos wirkende Plektrum-Sortiment wühlt, merkt schnell: Die Auswahl ist riesig und die Unterschiede oft nur in Nuancen erkennbar. Neben den bekannten Standardformen gibt es kleine Jazz-Picks, große Dreiecksplektren, besonders spitz zulaufende Varianten oder sogar Modelle aus Holz, Metall und Filz. Dazu kommen unterschiedliche Materialien, Oberflächen und Stärken. Natürlich passt nicht jede Kombination und Variante zu jedem Gitarristen, deswegen bringen wir hier Licht ins Dunkel.
Formen
Der Allrounder
Wenn allgemein von einem Plektrum die Rede ist, haben die meisten Gitarristen automatisch die klassische Tropfenform vor Augen. Sie gilt seit Jahrzehnten als Standard und ist bei nahezu jedem Hersteller zu finden. Die Größe liegt gut zwischen den Fingern, die Spitze eignet sich gleichermaßen für Akkorde und Solospiel, und auch Anfänger kommen damit meist sofort zurecht.
Kein Zufall also, dass unzählige Gitarristen nie etwas anderes verwenden. Wer stilistisch zwischen Rock, Pop, Blues und Akustikgitarre pendelt, findet hier meist den besten Kompromiss.

Jazz-Plektren
Ganz anders fühlen sich sogenannte Jazz-Plektren an. Sie sind deutlich kleiner und laufen spitzer zu. Anfangs wirken sie fast ungewohnt, weil weniger Material zwischen den Fingern liegt. Nach kurzer Eingewöhnung verstehen viele Spieler allerdings, warum diese Form seit Jahren eine treue Fangemeinde besitzt.
Durch die kurze Spitze entsteht ein sehr direkter Kontakt zur Saite. Das macht schnelle Läufe, Alternate Picking oder präzise Rhythmusfiguren einfacher kontrollierbar. Längst spielen nicht nur Jazzmusiker mit dieser Form. Auch viele Gitarristen aus Metal, Fusion oder Progressive Rock greifen mittlerweile zu kleinen Picks wie dem Dunlop Jazz II oder ähnlichen Modellen.

Das Dreieck
Wer dagegen kräftig anschlägt oder viel Rhythmusgitarre spielt, landet häufig bei dreieckigen Plektren. Sie liegen satter in der Hand und besitzen gleich drei identische Spitzen. Ist eine Spitze abgenutzt, wird das Plektrum einfach weitergedreht.
Gerade Bassisten schätzen diese Form seit Jahren. Aber auch auf der Gitarre fühlen sich Triangle-Picks erstaunlich komfortabel an, vor allem wenn der Anschlag etwas energischer ausfällt.

Spitze Spitze
In den vergangenen Jahren haben außerdem moderne Formen an Beliebtheit gewonnen, die zwar ungefähr die Größe eines Standard-Plektrums besitzen, deren Spitze aber deutlich schärfer ausläuft. Hersteller bezeichnen diese Modelle oft als „Sharp“, „Flow“ oder ähnlich.
Die Idee dahinter ist einfach: Je weniger Material die Saite berührt, desto leichter gleitet das Plektrum hindurch. Das Ergebnis ist ein definierter Attack mit wenig Widerstand – ein Grund, warum viele moderne Rock- und Metal-Gitarristen genau diese Formen bevorzugen.

Materialien
Mindestens genauso stark wie die Form beeinflusst das Material das Spielgefühl und den Klang. Zwei Plektren können identisch aussehen und sich trotzdem völlig unterschiedlich spielen.

Der Klassiker ist Zelluloid. Es gehört zu den ältesten Materialien überhaupt und vermittelt vielen Gitarristen genau dieses vertraute Vintage-Gefühl. Der Anschlag wirkt angenehm ausgewogen und besitzt eine leichte Wärme, die vor allem bei Rock, Blues und Pop gut funktioniert.

Nylon fühlt sich dagegen weicher an und bietet oft mehr Grip. Selbst wenn die Hände auf der Bühne etwas feucht werden, bleibt das Plektrum erstaunlich sicher zwischen den Fingern. Viele Einsteiger landen deshalb zunächst bei Nylon, doch auch erfahrene Gitarristen schätzen den geschmeidigen Anschlag.
Zu den beliebtesten Materialien überhaupt gehören heute Delrin und ähnliche Kunststoffe wie Tortex. Sie verbinden hohe Haltbarkeit mit einem sehr ausgewogenen Klang und nutzen sich deutlich langsamer ab als viele weichere Materialien. Wer im Musikgeschäft wahllos in eine Plektrum-Schublade greift, hält mit großer Wahrscheinlichkeit irgendwann eines dieser Modelle in der Hand.

Etwas härter geht Ultex zur Sache. Diese Plektren fühlen sich steif an, übertragen den Anschlag sehr direkt auf die Saite und liefern einen ausgesprochen klaren Attack. Gerade Spieler, die viel Wert auf Präzision legen, schwören auf dieses Material.
Daneben existieren zahlreiche Speziallösungen. Holzplektren bringen einen warmen, leicht organischen Charakter mit, nutzen sich allerdings schneller ab. Metallplektren liefern einen extrem brillanten, fast schon aggressiven Anschlag und eignen sich eher als klangliche Besonderheit denn als täglicher Begleiter. Filzplektren wiederum kommen vor allem bei Ukulelen oder sehr sanft gespielten Akustikgitarren zum Einsatz, weil sie den Anschlag deutlich abrunden.

Dick oder dünn?
Fast noch wichtiger als Material und Form ist die Stärke des Plektrums. Dünne Modelle unter 0,60 Millimeter geben beim Anschlag stark nach. Dadurch entstehen lockere, offene Akkorde mit viel Dynamik, ideal für Strumming auf der Westerngitarre.
Im Bereich zwischen etwa 0,70 und 0,88 Millimetern fühlen sich viele Gitarristen zu Hause. Diese Stärke bietet genügend Flexibilität für Rhythmusarbeit, gleichzeitig aber ausreichend Kontrolle für Soli. Entsprechend groß ist hier auch das Angebot der Hersteller.
Ab etwa einem Millimeter verändert sich das Spielgefühl deutlich. Das Plektrum biegt sich kaum noch und setzt nahezu jede Bewegung der Hand unmittelbar um. Das sorgt für einen sehr definierten Anschlag und spart Kraft, weshalb viele Leadgitarristen zu dickeren Picks greifen.
Wie Plektren in Handarbeit hergestellt werden, kann man übrigens in diesem sympathischen Porträt sehen:
Am Ende entscheiden die eigene Hand und die Spielweise
Wer Gitarristen nach ihrem Lieblingsplektrum fragt, bekommt selten dieselbe Antwort. Manche spielen seit dreißig Jahren ausschließlich ein einziges Modell, andere wechseln je nach Instrument oder Musikstil. Schließlich kostet ein Plektrum oft weniger als oder nur etwas mehr als einen Euro, kann sich aber anfühlen, als hätte man ein anderes Instrument in der Hand.
Deshalb lohnt sich hier für viele gerade hier das Experimentieren mehr als bei manchem deutlich teureren Ausrüstungsgegenstand. Ein kleines Sortiment verschiedener Formen, Materialien und Stärken verrät oft schneller als jede Produktbeschreibung, welches Plektrum wirklich zur eigenen Spielweise passt. Und nicht selten landet man am Ende wieder bei genau dem Modell, das man ganz am Anfang in der Hand hatte, nur diesmal aus Überzeugung – oder eben doch aus Gewohnheit.
