Vier Booster in einem Pedal … braucht man das wirklich? Und seien wir ehrlich: Einen Schönheitswettbewerb gewinnt das Crazy Tube Circuits Super Conductor auch nicht gerade. Kein Vintage-Vibe, kein Boutique-Bling-Bling, eher funktional als sexy. Also wozu das Ganze?
Die kurze Antwort: Weil dieses Pedal verdammt sinnvoll ist.
Die lange Antwort: Weil der Super Conductor nicht einfach nur lauter macht, sondern deinen Sound formt, antreibt und genau da verstärkt, wo es musikalisch Sinn ergibt. Vier Boost-Schaltungen, vier Charaktere, vier Einsatzgebiete – und plötzlich fragt man sich nicht mehr, ob man so ein Pedal braucht, sondern warum man bisher ohne ausgekommen ist.
Ich zeige euch jetzt, warum wirklich jeder Gitarrist dieses Pedal zumindest einmal gespielt haben sollte.
Aufbau und Funktionsweise
Herzstück des Pedals ist der große Output-Regler – der macht, surprise surprise, lauter. Aber natürlich kann das nicht alles sein. Der Crazy Tube Circuits Super Conductor beherbergt gleich vier unterschiedliche Boost-Schaltungen, die den Sound deines Setups jeweils auf ihre ganz eigene Art färben.
• rm – siliconbasierter Treble-Booster, der dem klassischen Germanium-Sound der 60er nacheifert. Präsenz, Biss und Vintage-Vibe inklusive. Denkt an SRV oder Brian May.
• ep – JFET-Preamp-Topologie mit lebendiger Klangfärbung und Fokus, wie man sie von alten Tape-Echo-Vorstufen kennt.
• ma – sauberer, op-amp-basierter Boost. Vorbild war hier ganz klar der MXR Micro Amp.
• mf – ultra-transparenter MOSFET-Boost im Stil des Z.Vex Super Hard On, offen, klar und direkt.
Ergänzt wird das Ganze durch einen EQ-Schalter, mit dem sich zu jedem Boost eine alternative Klangvariante aktivieren lässt – das erweitert die Palette deutlich. Zu guter Letzt gibt es noch den V-Schalter, über den die Betriebsspannung geregelt wird. Ausnahme: der EP-Modus, der intern dauerhaft mit 24 Volt läuft und damit besonders viel Headroom und Dynamik bietet.
Sound – Vier Boosts, vier Persönlichkeiten
Ich teste den Super Conductor vor einem Tone King Imperial Preamp, der direkt ins Interface geht. Jeder Boost muss sich in zwei Disziplinen beweisen: Always-On und Solo-Boost.
rm-Modus – Charakter statt Komfort
Ich schnappe mir meine Tele, stelle am Tone King meinen Wohlfühlsound ein und aktiviere den Super Conductor – Autsch! Laut, britzelig und komplett ohne Bassbereich. Also nochmal zurück an den Preamp: mehr Bässe, weniger Höhen, weniger Gain, und siehe da, es klingt! Der RM-Modus ist ganz klar kein Plug-and-Play-Boost, sondern will als Always-On-Sound verstanden werden. Wer ihn nutzt, muss seinen Amp entsprechend einstellen. Belohnt wird man mit einem extrem präsenten Sound mit satten Höhen und oberen Mitten, der trotz allem nicht unangenehm harsch oder spitz wird. Mich erinnert das stark an Stevie Ray Vaughan.
ep-Modus – der Klangverschönerer
Der ep-Modus geht klanglich in eine völlig andere Richtung. Die Färbung sitzt eher in den tiefen Mitten, was den Sound wunderbar warm und fett macht, ohne jemals zu matschen. Hier funktionieren sowohl Always-On als auch Solo-Boost hervorragend.
Ich weiß nicht, ob es an der hohen Spannung von 24 Volt oder an der höheren Eingangsimpedanz liegt, der Klang ist extrem dynamisch, kleinste Nuancen werden hörbar. Während der rm-Modus ganz klar Charakterschwein sein will, ist der ep-Modus der subtile Klangverbesserer. Egal ob Single Coils, P90, Filter’Trons oder Humbucker: Dieser Boost macht einfach alles schön.
ma-Modus – klassischer Clean Boost
Der dritte im Boost-Bunde ist der ma-Boost. Und ja: Aua – auch der ist laut. Deutlich lauter als der ep-Modus. Klanglich zeigt er sich offener, neutraler und insgesamt sehr transparent. Das ist der klassische Clean-Boost, der den Sound nicht verändert, sondern schlicht nach vorne schiebt. Gerade für Soli gefällt mir dieser Modus extrem gut. Besonders in der 18-Volt-Einstellung gewinnt der Sound noch einmal an Dynamik, vor allem dann, wenn der Amp ohnehin schon leicht komprimiert.
mf-Modus – dicht statt direkt
Last but not least schalte ich auf den mf-Boost, der sich am Z.Vex Super Hard On orientiert. Laut Anleitung hat er etwas weniger Output als der ma-Modus, wirkt klanglich aber deutlich dichter. Es klingt mehr nach überfahren als nach angeschoben. Mit moderatem Boost (unter 12 Uhr) klingt das richtig gut. Auch hier reden wir von einem Clean-Boost, der nur minimal färbt, dem Signal aber spürbar mehr Substanz gibt.
Ein Farbkasten fürs Pedalboard
Der Crazy Tube Circuits Super Conductor ist ein echter Farbkasten fürs Pedalboard. Er kann boosten, färben und verschönern. In den meisten Fällen reicht ein einzelner Booster völlig aus – aber wer beim Aufnehmen oder im Studio schnell unterschiedliche Grundsounds ausprobieren möchte, bekommt hier die klassische Auswahl an Boost-Pedalen in einer einzigen Box. Das spart Platz, Geld und Stromanschlüsse am Netzteil. Die Idee, all diese bewährten Boost-Schaltungen in ein Pedal zu packen, ist schlicht genial.
Probiert das Teil aus und macht euch selbst ein Bild. Auf meinem Board hat der Super Conductor inzwischen einen festen Platz gefunden.

