Nachhaltige Tonhölzer: Welche Alternativen gibt es?

Nachhaltige Tonhölzer Titelbild

Vor einigen Jahrzehnten war die Auswahl an Tonhölzern für Akustikgitarren noch vergleichsweise einfach. Fichtendecke, Mahagoni- oder Palisanderkorpus sowie Griffbretter aus Ebenholz waren der absolute Standard. Doch die Zeiten ändern sich, denn viele traditionelle Holzarten stehen heute aufgrund von Ressourcenknappheit unter Schutz und Nachhaltigkeit spielt eine immer wichtigere Rolle. Davon bleibt der Gitarrenbau natürlich nicht unberührt, was zu einem Umdenken der Hersteller geführt hat.

Die gute Nachricht: wer heute eine hochwertige Akustikgitarre sucht, muss keineswegs auf einen exzellenten Klang verzichten. Moderne Alternativen und nachhaltige Forstwirtschaft sorgen dafür, dass Umweltbewusstsein und Musikgenuss hervorragend zusammenpassen.

Warum nachhaltige Tonhölzer im Gitarrenbau immer wichtiger werden

Da die Akustikgitarre zum größten Teil aus Holz besteht, ist es eine Herausforderung, sie nachhaltig zu produzieren. Viele der klassischen Tonhölzer wie Palisander oder Mahagoni wachsen nur in bestimmten Regionen der Welt und brauchen teilweise Jahrhunderte, um ihre optimale Reife zu erreichen. Dies steht in keinem Verhältnis zum Tempo des Verbrauchs, denn die Nachfrage nach hochwertigen Instrumenten und auch Möbelstücken steigt kontinuierlich.

Damit es nicht zur Ausrottung der Arten durch das Konsumverhalten der Menschheit kommt, beschäftigen sich Gitarrenhersteller intensiv mit der Suche nach gleichwertigen Alternativen und intelligenter Fortwirtschaft, ohne die natürlichen Ressourcen unnötig zu belasten. So gibt es mittlerweile neben neuen Holzarten zahlreiche Projekte zur verantwortungsvollen Gewinnung und zum effizienten Umgang mit dem verfügbaren Material.

Nicht jedes klassische Tonholz ist automatisch die beste Wahl

Auch wenn sich die klassischen Tonhölzer einen ausgezeichneten Ruf erarbeitet haben, heißt das nicht, dass andere Holzarten nicht an die klanglichen Eigenschaften von Fichte, Mahagoni oder Palisander herankommen. Ganz im Gegenteil. Jedes Tonholz erzeugt ganz eigene Nuancen. Manche sind höhenlastig, andere mittenbetont und wieder andere decken das komplette Frequenzspektrum auf beeindruckende Weise ab. Darüber hinaus entscheidet nicht bloß die Holzart über den Klang, sondern das Zusammenspiel aus Konstruktion, Verarbeitung und handwerklicher Qualität. Denn auch hochwertige Tonhölzer können eine schlechte Verarbeitung nicht mehr ausgleichen.

Viele Gitarrenhersteller setzen also heute auf Alternativen, die nachhaltiger verfügbar sind und interessante Klangeigenschaften mitbringen.

Sapele: warm, ausgewogen und vielseitig

Sapele zählt zu den Mahagonigewächsen und erzeugt eine angenehme Wärme und eine deutliche Höhenpräsenz. Mittlerweile hat es sich zu den bekanntesten Mahagoni-Alternativen gemausert und ist im Sortiment zahlreicher renommierter Gitarrenhersteller fest verankert. So ist die Sapele-Serie von Taylor ein wahrer Verkaufsschlager, während auch die Martin-Modelle mit Boden und Zargen aus Sapele hohe Erfolge verzeichnen.

Taylor 112ce-S
Taylor-Modelle mit Sapelekorpus überzeugen mit ihrem professionellen Sound.

Ovangkol: mehr Charakter, als viele vermuten

Diese westafrikanische Holzart liefert einen palisanderähnlichen Sound, der sich durch seine überragende Ausgewogenheit auszeichnet. Dabei überzeugt Ovankol durch ausgeprägte Bässe, mächtige Mitten und klare Höhen, weshalb es völlig zu Unrecht ein unterschätztes Material für Boden und Zargen ist. Denn gerade Fingerstyle-Spieler profitieren von seiner guten Saitentrennung und einer dynamischen Ansprache. Wer bereit ist, sich nicht nur auf die klassischen Holzarten festzulegen, findet hier eine wirklich gute Alternative zu den Favoriten.

Fender Malibu Vintage Aged Natural
Fender setzt häufig auf Boden und Zargen aus Ovankol.

Ahorn: Klarheit statt Färbung

Unterdessen verfolgt Ahorn einen etwas anderen Ansatz. Statt besonders warm oder bassbetont zu klingen, überzeugt dieses Holz durch seine direkte und transparente Klangwiedergabe mit starkem Sustain. Dazu wächst Ahorn schnell nach und ist auf der gesamten Nordhalbkugel heimisch, was kurze Transportwege ermöglicht. Gerade Gibson greift gerne auf dieses nachhaltige Tonholz zurück, das seinen High-End-Gitarren ihre Vielseitigkeit verleiht.

Gibson SJ-200 Original
Die klassische Gibson SJ-200 mit Ahornkorpus.

Nachhaltige Tonhölzer bedeuten mehr als nur Alternativen

Beim nachhaltigen Gitarrenbau geht es jedoch nicht nur darum, passende Alternativen zu exotischen Tonhölzern zu finden. Auch nachhaltige Forstwirtschaft leistet einen Beitrag. Aus diesem Grund betreiben viele Hersteller diverse Projekte zur verantwortungsvollen Bewirtschaftung. Dazu zählt die möglichst vollständige Nutzung jedes Baumstamms, wie es Taylor bereits erfolgreich umsetzt. In Zusammenarbeit mit der Crelicam Wood Mill in Yaoundé in Kamerun setzt sich Taylor Guitars für einen kontrollierten Verbrauch von Ebenholz durch die Verarbeitung von Abfallprodukten ein. Ebenholz ist die bevorzugte Holzart für Griffbretter, landete allerdings schon 1994 auf der Roten Liste gefährdeter Arten. Ursprünglich wurde nämlich ausschließlich das schwarze Kernholz verarbeitet, das jedoch nur einen Bruchteil des gesamten Stammes ausmacht. Für einen ressourcenschonenden Verbrauch beschränkt sich Taylor jedoch nicht nur hierauf, sondern verwendet ebenso den Verschnitt. Nachhaltigkeit steht hier also definitiv über unnötig hohen optischen Ansprüchen. Über weitere Projekte der Firma Taylor Guitars kannst du dich gerne im Beitrag Nachhaltiger Gitarrenbau bei Taylor Guitars informieren.

Auch Martin Guitars setzt sich intensiv für einen umweltschonenden Umgang mit Tonhölzern ein. Gerade die Biosphere-Serie ist eine echte Empfehlung für Musiker, die auf nachhaltige Tonhölzer setzen und ihrem Hobby mit gutem Gewissen nachgehen möchten. Plastikfrei und 100 % FSC-zertifiziert, stellt sich der Hersteller seiner Verantwortung und sorgt neben zahlreichen anderen Projekten dafür, den Gitarrenbau ökologisch zu gestalten.


Affiliate Link:

Martin Guitars OM Biosphere

Blick über den Tellerrand: alternative Materialien

Neben klassischen Hölzern oder deren Alternativen kommen mittlerweile auch Materialien zum Einsatz, die man früher kaum mit Gitarren in Verbindung gebracht hätte.

Griffbretter aus Richlite beispielsweise bestehen aus gepressten Papierfasern und sind besonders robust. Auch Bambus oder andere Verbundwerkstoffe sind eine großartige Alternative zu Ebenholz und Palisander. Noch dazu sind sie besonders beständig gegenüber Luftfeuchtigkeit sowie Temperaturschwankungen und daher besonders für jene geeignet, die häufig mit der Gitarre unterwegs sind.

Nachhaltige Tonhölzer und Klang schließen sich nicht aus

Die Zeiten, in denen nur seltene Tropenhölzer als erstklassige Tonhölzer galten, sind vorbei. Moderne Alternativen wie Sapele oder Ovangkol zeigen eindrucksvoll, dass hervorragender Klang auch nachhaltig möglich ist. Darüber hinaus steht Umweltschutz definitiv über Klangergebnissen, die sich höchstens in kleinen Nuancen von denen der Alternativen unterscheiden. Da zudem mehr und mehr Hersteller in verantwortungsvolle Forstwirtschaft investieren, musst du künftig auch nicht auf Mahagoni, Palisander oder Ebenholz verzichten. Davon profitieren nicht nur unsere Wälder, sondern auch Gitarristen, die den Klang traditioneller Hölzer mit gutem Gewissen genießen möchten.

Nachhaltige Tonhölzer bei Taylor Guitars
Crelicam Wood Mill in Yaoundé. (Bild: Taylor)

Wie wichtig ist das Tonholz wirklich?

Die Klangeigenschaften von Tonhölzern sind unter Gitarristen Gegenstand langer Diskussionen und leidenschaftlicher Fachsimpelei. 😉

Natürlich hat das Holz Einfluss auf den Klang einer Gitarre, jedoch sollten die Korpusform, Deckenbeleistung, die Qualität der Verarbeitung und nicht zuletzt der Spieler nicht außer Acht gelassen werden. Wenn du dir zum Beispiel einen basslastigen Sound wünschst, wirkt der große Korpus einer Dreadnought mehr als ein darauf ausgelegtes Tonholz einer kleineren Gitarre. Auch wird dir eine professionell gefertigte Gitarre aus nachhaltigen Tonhölzern langfristig mehr Freude bereiten als ein mittelmäßig verarbeitetes Instrument aus exklusivsten Materialien.

Worauf du beim Kauf achten kannst

Wenn dir Nachhaltigkeit am Herzen liegt, lohnt sich ein genauer Blick auf die Angaben des Herstellers. Viele Marken informieren transparent darüber, woher ihre Hölzer stammen und welche Maßnahmen sie für einen verantwortungsvollen Umgang mit natürlichen Ressourcen ergreifen. Um sicher zu gehen, kannst du jedes Instrument beim Musikhändler deines Vertrauens anspielen und dich höchstpersönlich davon überzeugen, dass nachhaltige Tonhölzer keine klanglichen Nachteile bergen.

Alternative Tonhölzer und nachhaltige Produktion überzeugen voll und ganz

Nachhaltigkeit und ein toller Klang schließen sich keineswegs aus. Gitarrenhersteller arbeiten mit vollem Einsatz daran, nachhaltige Alternativen zu finden und verantwortungsvolle Forstwirtschaft zu betreiben, ohne ihren Kunden schlechtere Ergebnisse zu liefern. An den Erfolgen der Instrumente zeigt sich, dass ihnen dies auch gelingt. Wer heute eine Akustikgitarre auswählt, entscheidet sich nicht nur für einen Klang, sondern auch für ein Instrument, das viele Jahre begleiten soll. Deshalb lohnt es sich, offen für neue Materialien und moderne Konzepte zu sein. Vielleicht wartet der persönliche Lieblingssound genau dort, wo man ihn zunächst gar nicht vermutet hätte.

Auch interessant:

Nachhaltiger Gitarrenbau bei Taylor Guitars

Gitarre mit gutem Gewissen? Bei Taylor Guitars ist das kein Buzzword, sondern Handwerk mit Plan. [...]

> WEITERLESEN
Lexikon der Tonhölzer

Klingt Mahagoni wirklich wärmer als Ahorn? Ist Zeder der bessere Kandidat für Fingerstyle auf Konzertgitarren? [...]

> WEITERLESEN
Fichte vs. Zeder – Welche Gitarrendecke klingt besser?

Auch wenn du im Beitrag Lexikon der Tonhölzer einiges über den Klang und die Eigenschaften [...]

> WEITERLESEN

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert