Nachhaltiger Gitarrenbau bei Taylor Guitars

Taylor Guitars Ebony Project

Gitarre mit gutem Gewissen? Bei Taylor Guitars ist das kein Buzzword, sondern Handwerk mit Plan. Da sich der US-amerikanische Gitarrenhersteller seiner Verantwortung vollkommen bewusst ist, baut er seit Jahren an einer nachhaltigen Lieferkette. Dafür startet er sogar eigene Projekte, die mit dem Taylor Ebony Project nicht nur Holz für den Instrumentenbau sichern, sondern auch Ökosysteme aufbauen und Menschen vor Ort einbinden.

In diesem Artikel schauen wir uns einmal die Nachhaltigkeits-Projekte von Taylor Guitars an, welche Ziele die Firma verfolgt, welche Ergebnisse sie liefert und wie nachhaltig und effektiv das Ganze tatsächlich ist.

Ebenholz: ein beliebte, aber bedrohte Art

Ebenholz steht für mehrere Arten der Gattung Diospyros, von denen viele als bedroht gelten. Das Aussterberisiko wird als dermaßen hoch eingeschätzt, dass die Holzart 1994 sogar auf der Roten Liste gefährdeter Arten landete.

Auch wenn Ebenholz aufgrund seiner glatten Beschaffenheit und der tiefschwarzen Farbe des Kernholzes besonders beliebt im Gitarrenbau ist, liegt die Gefährdung nicht daran, dass Gitarrenbauer „zu viele Griffbretter“ brauchen. Es ist vielmehr eine Kombination aus Übernutzung, Lebensraumverlust und langsamer Regeneration. Auch für den illegalen Handel und Schmuggel ist das wertvolle Holz eine wahre Goldgrube, weshalb auch der Raubbau eine nicht unwesentliche Rolle spielt. Auch zeigt neuere Forschung, dass in Zentralafrika Waldelefanten die Haupt-Samenverbreiter von Ebenholz sind. Da jedoch auch Elefanten bekanntermaßen vom Aussterben bedroht sind, fehlen die entsprechenden Chauffeure, was den Rückgang zusätzlich verstärkt.

Taylor Ebony Project

Was heißt das konkret für Musiker? Um dem Schwinden von Ebenholz entgegenzuwirken, sollten Musiker besonders auf Nachweise und seriöse Lieferketten achten. Außerdem lohnt es sich, Alternativen und „Zero Waste“ in Betracht zu ziehen. Bisher wurde nämlich ausschließlich das schwarze Kernholz von Ebenholzgewächsen verwendet. Entsprechend klein fällt der genutzte Anteil aus. Für die Verarbeitung bedeutet das, dass es einen relativ großen Verschnitt an Splintholz gibt, der zu Abfall wird.

Taylor GS Mini Mahogany front
Die Taylor GS Mini Mahogany mit natürlich gemasertem Ebenholzgriffbrett.

Um dieser sinnlosen Verschwendung entgegenzuwirken, wurde Taylor 2011 Partner der Crelicam Wood Mill in Yaoundé, Kamerun. In Zusammenarbeit mit dem Congo Basin Institute werden Setzlinge für Ebenholz sowie Obst- und Nutzbäume an Dorfgemeinschaften ausgegeben. Neben der Entlastung der Wälder schafft das Projekt außerdem Einkommen, was die Lebenssituation der Menschen vor Ort verbessert. Zusätzlich zur Aufforstung wird ganz nach Bob Taylors Leitsatz „We need to use the ebony that the forest gives us“ gehandelt. Daher akzeptiert man heute auch das natürlich gemaserte Ebenholz und wirkt der aus Eitelkeit entstandenen Verschwendung entgegen. Gleichzeitig werden nicht mehr für Instrumente wiederverwertbare Verschnitte beispielsweise für Küchenbretter, Accessoires und mehr verwendet. Der Inbegriff von ressourcenschonend.

Mehr Infos zu Taylors Ebony Project findest Du unter https://www.taylorguitars.com/ebonyproject/.

Project Urban Trees in California

Wurden Tonhölzer für Gitarren ursprünglich ausschließlich aus Wäldern der ganzen Welt gewonnen, fand Taylor in Partnerschaft mit West Coast Arborists eine neue und unfassbar naheliegende Quelle. Bäume, die innerhalb von Städten wachsen, müssen häufig aus Sicherheits- und auch Altersgründen gefällt werden. Anstatt die Bäume einfach wegzuhäckseln, lässt sich ihr Holz hervorragend in hochwertigen Gitarren verbauen. Dies reduziert die Abfallproduktion und gibt den Bäumen darüber hinaus noch einen Zweck. Durchgesetzt hat sich beispielsweise Urban Ash aus der Shamel-Esche, die schon in einigen Modellen zu finden ist.

Paniolo Tonewoods & Koa-Aufforstung auf Hawaii

Zwar nicht direkt bedroht, aber lokal unter Druck, ist auch die Koa-Akazie. Der ausschließlich auf Hawaii wachsende Kultbaum wird traditionell großzügig für Kanus und heute für Möbel oder Instrumente verwendet. Außerdem wurden in den letzten 100 Jahren große Bestände zugunsten von Weideland geopfert. Auch auf verwilderte Huftiere wirkt das Gewächs ausgesprochen anziehend, denn diese futtern mit Vorliebe die Keimlinge weg. Nicht zuletzt breiten sich invasive Gräser besonders nach Bränden schnell aus, was die Regeneration vielerorts zu einem zähen Projekt macht.

Koa Forest auf Hawaii
Koa Forest auf Hawaii. Bild: Taylor Guitars

Auch hier zeigt Taylor Guitars in Zusammenarbeit mit Pacific Rim Tonewoods durch die Kooperation Paniolo Tonewoods Einsatz. Das Projekt Siglo Tonewoods strebt aus diesem Grund einen Wiederaufbau des hawaiianischen Urwalds an. Durch eine Wiederbewaldung einer großen Fläche mit Koa und anderen heimischen Hölzern stellt das Projekt eine langfristige Versorgung aus regenerativen Beständen sicher.

Was tatsächlich wirkt

Skeptiker aufgepasst! Taylors Nachhaltigkeitsprojekte liefern wirklich messbare Ergebnisse und sorgen im Maßstab der Gitarrenbranche für echten Fortschritt.

So wurden im Rahmen des Taylor Ebony Project in Kamerun bis Ende 2023 über 52.000 Bäume in Dorfgemeinden gepflanzt. Und das mit langfristigem Erfolg: Die Überlebensrate der 35.793 Koa- und 17.066 Obstbäume liegt bei 78 % und ist somit als definitiver Sieg zu verbuchen. Auch neue wissenschaftliche Arbeiten geben wertvollen Impact. Forschungen zeigen, dass die Verbindung zwischen afrikanischen Waldelefanten und Ebenholz verdeutlichen, dass Aufforstung und Artenschutz eine wechselseitige Beziehung darstellen. Einen weiteren Fortschritt erzielt Taylor durch neue Standards in Kamerun hinsichtlich Nachverfolgung oder auch besseren Arbeitsbedingungen und wurde dafür mit dem U.S. Secretary of State’s Award for Corporate Excellence (2013) ausgezeichnet.

Darüber hinaus wurden im Rahmen der Koa-Aufforstung ca. 10.000 Koa-Akazien plus mehr als 1.500 weitere heimische Arten gepflanzt. Dazu wurden Windschutzstreifen mit etwa 12.000 Bäumen etabliert. Die Nutzung erfolgt selektiv und die Ernte erfolgt erst nach 30 Jahren. Das Projekt ist entsprechend langfristig geplant und nicht bloß zur schnellen Holzgewinnung gedacht.

Außerdem hat sich durch die Nutzung urbaner Bäume eine echte Kreislaufwirtschaft etabliert. Zusätzlich engagiert sich Taylor bei Pflanzaktionen.

Wo man realistisch bleiben sollte

Auch wenn die Erfolge, die diese Projekte erzielen, unübersehbar sind, sind sie doch kein Allheilmittel. Dabei spielt natürlich auch das Geld eine Rolle. So ist die Weiterfinanzierung des Ebony Projects definitiv ein Thema, weshalb die Projektträger an Ausbaupfaden und Fördermitteln arbeiten.

Zudem liefert die Wiederbewaldung auf Hawaii erst in Jahrzehnten Erträge. Das schmälert zwar nicht die ökologische Sinnhaftigkeit, ist aber keine Methode zur schnellen Ressourcengewinnung.

Selbstverständlich stellt auch die Verwendung urbaner Bäume eine absolut praktische Lösung dar, jedoch stößt sie an Grenzen. Sie deckt lediglich einen Teil der Materialversorgung und ist eingeschränkt ertragreich.

Was es braucht, sind mehr Akteure, die sich im Bereich ressourcenschonender Materialgewinnung engagieren. Wenn sich mehr Hersteller und Partner ein Beispiel an Taylor Guitars nähmen, entwickelt sich mit Sicherheit ein Baustein, der weltweit Wirkung entfaltet.

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