Platte der Woche: ANTHRAX „Cursum Perficio“

Cursum Perficio Albumcover

Anthrax haben anscheinend noch einiges loszuwerden. Auf ihrem zwölften Studioalbum ‚Cursum Perficio‘ geht es um Verlust, Neuanfänge und die Freude daran, gemeinsam Krach zu machen. Gitarrist Scott Ian zieht sogar den Vergleich zu ‚Among The Living‘, dem dritten Album und kommerziellen Durchbruch der Band aus New York. Am Selbstvertrauen ist die lange Wartezeit also nicht gescheitert.

„Auf dieser Platte stecken eine ganze Menge Liebe, eine ganze Menge Spaß und ein bisschen Hass“, sagt Ian. Eine hübsche Mischung für ein Thrash-Album. Zumal bei Anthrax auch die Liebe mit ordentlich Anschlag daherkommen darf: ‚It’s For The Kids‘, die erste Single aus ‚Cursum Perficio‘, ist als Gruß an die Fans gedacht. Vier Minuten Thrash mit großem Refrain, galoppierendem Schlagzeug und einem schweren Breakdown. „Das Album brauchte einen vierminütigen Thrash-Song, der an unsere erste Ära erinnert“, erklärt der Rhythmusgitarrist und einzig verbliebenes Gründungsmitglied. „Ob die Aggressivität oder der große Refrain: Er vereint die besten Seiten von Anthrax in einem sehr wütenden Vier-Minuten-Paket.“


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Thrash-Metal-Pioniere

Diese erste Ära hat bekanntlich Spuren hinterlassen. Seit ihrer Gründung 1981 gehören Anthrax zu den Bands, ohne die sich die Geschichte des Thrash Metal schwerlich erzählen lässt. Zusammen mit Metallica, Slayer und Megadeth bilden sie die „Big Four“, geografisch stehen die New Yorker in dieser Runde allein an der Ostküste. Und auch musikalisch brachten sie ihre eigene Mischung mit: Hardcore-Energie, Joey Belladonnas melodischen Gesang und eine erfreuliche Bereitschaft, den Metal-Ernst gelegentlich zu unterlaufen. ‚Among The Living‘ wurde 1987 zum Klassiker, ‚I’m The Man‘ und später die Zusammenarbeit mit Public Enemy bei ‚Bring The Noise‘ öffneten die Tür zum Hip-Hop. Berührungsängste waren schon damals wenig hilfreich, wenn man bei dieser Band mitkommen wollte.

Anthrax 2026

Neues Album nach zehn Jahren

Nun also ‚Cursum Perficio‘. Zehn Jahre nach ‚For All Kings‘ ist das eine beträchtlich späte Fortsetzung, obschon der Plan einmal anders aussah. „Wir wollten es eigentlich schon 2020 machen, aber das Universum hatte für uns alle etwas anderes vorgesehen“, sagt Ian in Hinblick auf die Covid-Pandemie. Als die Musiker anschließend wieder gemeinsam arbeiten konnten, war zunächst die Freude darüber entscheidend, überhaupt zusammen in einem Raum stehen zu können: „Das war so aufregend, dass es sich in gewisser Weise wie eine Wiedergeburt anfühlte. Diese ganze Energie und all diese Gefühle sind in die Musik eingeflossen.“

Ab 2022 nahm das Album Gestalt an. Große Teile entstanden in Dave Grohls Studio 606, mit Jay Ruston saß zum dritten Mal ein vertrauter Produzent an den Reglern. Zum heutigen Quintett gehören neben Ian und Belladonna Schlagzeuger Charlie Benante, Bassist Frank Bello und Gitarrist Jonathan Donais. Die Songs bekamen Zeit, einzelne Parts Luft. Nach einer derart langen Pause darf man freilich auch etwas mehr erwarten als einen routinierten Betriebsnachweis.

Große Gefühle, schwere Riffs

Bei den Themen reicht die Spannweite vom beherzten Schlagabtausch bis in die engste Familie. ‚Everybody’s Got A Plan‘ greift Mike Tysons berühmten Spruch auf, nach dem jeder einen Plan hat, bis er einen Schlag ins Gesicht bekommt. Die musikalische Umsetzung hält sich ebenso nicht lange mit diplomatischen Vorreden auf.

‚The Edge Of Perfection‘ führt dagegen mitten in Ians Privatleben. Der Song beginnt mit cleaner Gitarre und sanften Becken, bevor ein Blastbeat die Tür eintritt; am Ende steht ein ausladendes Solo. Ian nennt ihn den besten Song, den die Band je geschrieben habe. Dahinter steckt die Liebe zu seiner Frau und seinem Sohn, verbunden mit dem Wissen, wie viel sich im Leben auch kaputtmachen lässt. „Liebe ist Vollkommenheit, und ich stehe gern an ihrer Schwelle.“

Noch persönlicher wird ‚The Long Goodbye‘, ein Song über Ians Vater, der 2024 nach acht Jahren mit Demenz starb. „Mein Vater war immer für mich da. Ohne ihn weiß ich nicht, ob es Anthrax überhaupt gegeben hätte.“ Zwischen all den Riffs bekommt damit auch der Mensch seinen Platz, der diese Bandgeschichte überhaupt erst ermöglicht hat.

Der Albumtitel stammt wiederum aus einer Marilyn-Monroe-Dokumentation: Benante entdeckte ‚Cursum Perficio‘ auf einer Fliese in ihrem letzten Zuhause. Die darin anklingende Vollendung einer Reise soll allerdings keine Abschiedserklärung sein. „Wir sagen nicht, dass das unsere letzte Platte ist“, betont er. Gut so. Schließlich haben Anthrax hier noch Wut abzuarbeiten, ihrem Publikum eine Liebeserklärung zu überbringen und ein paar sehr persönliche Geschichten zu erzählen. Frank Bello formuliert die weitere Planung gewohnt unfeierlich: „Ich glaube nicht, dass irgendjemand weiß, was als Nächstes kommt, aber wir sind hungriger denn je.“


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Spector NC-4 Frank Bello Metallic purple

Tracklist

01. Persistence of Memory
02. The Long Goodbye
03. It’s For the Kids
04. Everybody’s Got a Plan
05. The Edge of Perfection
06. Infectious
07. NYC 93
08. Cursum Perficio
09. T.O.M.B.
10. Watch It Go
11. My Victory

Album-VÖ: 18. September 2026
Label: Nuclear Blast/Megaforce
www.anthrax.com

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