Die abgebildete Gitarre ist eine Burny RLC-60, eine Kopie der Gibson Les Paul Custom aus den frühen 1980er Jahren, made in Japan. Die Mutterfirma Fernandes nutzte damals für die Produktion verschiedene Zulieferer-Fabriken wie u.a. Matsumoku, Terada oder FujiGen.
KING CRIMSON: ISLANDS
,Islands‘ ist das 1971 erschienene vierte Studioalbum der englischen Progressive-Rock-Band King Crimson. Die Geschichte der 1968 gegründeten britischen Progressive-Rock-Band ist extrem bewegt: Die Formation wurde 1968 eigentlich nur für einen Auftritt am 13. Januar 1969 im Fulham Palace Cafe von Gitarrist Robert Fripp und Drummer Michael Giles gegründet. Das erste Album ,In The Court Of The Crimson King‘ ist ein früher Meilenstein des Art-Rock-Genres; es erschien bereits im Oktober ’69, erreichte Platz 5 in den englischen Pop-Charts und befindet sich bis heute in jeder zweiten Plattensammlung von Menschen, die mit der ersten Generation der Rockmusik sozialisiert wurden.
Mit dem Erfolg von King Crimson. kamen ständige Besetzungswechsel und dann auch stilistische Neuausrichtungen – letztendlich war nur noch Gitarrist und Sound-Creator Robert Fripp die Konstante dieser Band. Die ehemaligen K.C.-Mitglieder tauchten dann immer mal wieder als Sidemen bei Größen wie Frank Zappa, David Bowie, Peter Gabriel, Yes, Roxy Music und anderen auf.
Der Ruf dieser Formation, die ich einmal in einem Interview mit Robert Fripp als „Institution der progressiven Rock-Musik“ bezeichnet habe – der Meister war davon definitely not amused – begründet sich vor allem auf ihre ersten vier Alben, erschienen zwischen 1969 und 1971, auf denen die Musik extrem stilübergreifend, abwechslungsreich, vergleichsweise ruhig, teils sehr eigenwillig instrumentiert und von Jazz, Avantgarde, Klassik und Psychedelic Rock geprägt war.
Nach ,In the Court Of The Crimson King‘, ,In The Wake Of Poseidon‘ und ,Lizard‘ ist ,Islands‘ das finale Album dieser ersten Schaffensperiode der Band. Im Anschluss an die Aufnahmen verließ mit Peter Sinfield das letzte Mitglied der ersten Besetzung die Band. Jetzt war Robert allein zu Haus. Mit im Studio waren damals: Robert Fripp – Gitarre, Mellotron, „Peter’s Pedal Harmonium“, Mel Collins – Querflöte, Bassflöte, Saxophon, Gesang, Boz Burrell – Bass, Gesang, Ian Wallace – Schlagzeug, Perkussion, Gesang, Peter Sinfield – Texte, Klänge und Visuelles, Keith Tippett – Klavier, Paulina Lucas – Sopran, Robin Miller – Oboe, Mark Charig – Kornett und Harry Miller – Kontrabass.
Die an diesem Line-up abzulesende Instrumentierung war opulent und der hohe Bläser-Anteil sowie der Kontrabass waren nur ein Beleg für die Öffnung der damaligen britischen Rock-Szene gegenüber dem Jazz. Jetzt wurde ,Islands‘ noch einmal neu, als Deluxe-Edition im schönen doppel-Digipak (mit CD + Blu-ray Audio) veröffentlicht. Neben vielenb verschiedenen Mixes überzeugt diese Reissue mit einem brandneuen Dolby-Atmos-Mix von Steven Wilson. Falls man zufällig keine 27-Kanal-Dolby-Anlage in seiner Wohnung hat, kann man mit mancher HiFi-Hardware diesen Raumklang-Trip auch mit Kopfhörer genießen.
Die Blu-ray Audio von ,Islands‘ enthält die folgenden Mixe:
• Dolby Atmos Mix (2026) von Steven Wilson
• 5.1 Surround Mix (DTS-HD MA 24-bit/96 kHz)
• High-Resolution Stereo Mix (24-bit/96 kHz)
• Remastered Original-Album (30th Anniversary Remaster in 24/96)
• Die kompletten Aufnahmesessions von 1971 in 24/96
• „Live at Summit Studios“-Aufnahme vom März 1972 in Quadrophonie
Die CD enthält übrigens nur den 2026er Stereo-Album-Mix von Steven Wilson plus einige sogenannte „Elemental Mixes“. Wilson, bekannt von Bands wie Blackfield, No-Man und natürlich als Gründer, Sänger, Gitarrist und Songwriter von Porcupine Tree, hat sich in den vergangenen Jahren einen extrem guten Namen als Remixer von Klassikern aus dem Progressive-Rock-Bereich gemacht. Er hat einfach Feeling für dieses Genre, und die Wiederveröffentlichungen unter seiner Beteiligung waren eigentlich alle spannend. Unter anderem war er an Reissue-Alben von Yes, Jethro Tull, Emerson, Lake & Palmer, XTC, Tears For Fears, Roxy Music und Rush beteiligt – und an mehreren King-Crimson-Remixes.

Was mich nicht zum ersten Mal beim Anhören des Frühwerks von King Crimson überrascht, ist die Zeitlosigkeit dieser Musik. ,Islands‘ klingt großartig, die Arrangements kommen permanent mit unglaublichen Wendungen daher, und Robert Fripps Gitarrenbeiträge bleiben auch im sechsten Jahrzehnt nach dem Debüt von King Crimson unerreicht. Er war schon damals ein extremer Sound-Tüftler, und das, was sich Jimi Hendrix mit Feeling und Spontaneität im Studio er-experimentiert hat, ist dem intellektuellen und musikalisch wie technisch gebildeten Fripp auf andere,vermutlich systematischere Art gelungen. Dazu gehören, extrem übersteuerte und jazzig-cleane Sounds, Backwards-Gitarre und auch der Einsatz des Mellotrons, eines Keyboards, das mit bespielten Tonbandschleifen authentische Streicher-Sounds abspielen konnte – eine Art Analog-Sampler also.
Robert Fripp ist am 16. Mai 2026 80 Jahre alt geworden. Und dass er nie so ganz ernst war, wie er immer in Kameras schaute, beweisen unter anderem seine grandiosen Youtube-Videos mit Gattin Toyah Willcox – die beiden sind seit dem 16. Mai 1986 verheiratet. Toyah war in den 70er- und 80er-Jahren eine Ikone des britischen Punk-Rock. Seit Mai 2020 nimmt das Ehepaar jeden Sonntag in seiner Küche Cover-Versionen berühmter Rock-Songs auf. „Toyah & Robert’s Sunday Lunch“ hat bisher über 100 Millionen Views auf YouTube. Und das hat nicht nur musikalische Gründe, denn die beiden machen auch noch jede Menge schrägsten Unsinns vor der Kamera. Unbedingt ansehen!
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THE ABSURD: BACK TO DIFFER
The Absurd sind eine Band aus Köln, die mittlerweile seit über 40 Jahren zwischen den Stilen und Stühlen eigenwillige Musik macht. Sehr coole Musik, irgendwo zwischen britischem Jazz-Rock-Experimentalismus der Jahre um 1970, bizarren, an Frank Zappa erinnernden Mixturen, Hippie-Psychedelic, ethnischen Einflüssen und freien Jazz-Ausflügen.
Gegründet wurde The Absurd im Herbst 1984 von Gitarrist Michael Frank und zwei befreundeten Musikern. Das Projekt spielt seitdem in wechselnden Besetzungen und Formaten, vom Duo bis zum 16köpfigem Ensemble, eine Musik die man so wohl noch nie gehört hat. Professionelle Solistinnen und Solisten aus Klassik und Neuer Musik, erfahrene Jazzer und Rocker – hier treffen Welten aufeinander.
Auf ihr spätes Debüt-Album ,Late Then Never‘ (1993) folgte ,More Miles Per Hour‘ (2005) mit Jazz-Legende & Saxophonist Ernst-Ludwig Petrowsky und Sängerin Uschi Brüning, 2018 wurden dann weitere ältere Aufnahmen aus den 90ern als ,Later Than Never‘ nachgereicht. Und jetzt ist ,Back To Differ‘ (2026) im Handel, mit 16 Tracks auf zwei LPs. Das limitierte Vinyl-Doppelalbum (300 Exemplare, Gatefold-Cover, Booklet mit Texten und Infos) zum 40-jährigen Jubiläum der Kölner Band kann per Mailorder über www.a-musik.com oder auch direkt im Kölner Laden von a-musik gekauft werden. Digital ist es auch bei theabsurdmichaelfrankco.bandcamp.com erhältlich.

Was man mit The Absurd und ,Back To Differ‘ erleben kann, ist ein extrem abwechslungsreicher spannender Trip durch die alternative Musikgeschichte der vergangenen fünf bis sechs Dekaden, also der Zeit, die die beteiligten Künstlerinnen & Künstler selbst miterlebt haben und die sie geprägt hat. ,Back To Differ‘ erzählt Musik, die immer wieder überrascht. Mit verschiedenen Vokalistinnen, Bläsern Keyboards, Vibraphon, Bass, Schlagzeug, Percussion und auch mal mit Klängen einer arabischen Laute, der Oud. Und mit Musik, die, Dank der Gitarren von Michael Peters und Michael Frank, auch immer mal wieder abrockt. Eine mehr als originelle Band!
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ESTHER KAISER: BREATHING

Interessante Besetzungen erkennt man oft daran, wenn man überhaupt nicht merkt, dass sie zum Beispiel ohne Schlagzeug spielen. Auch das Quartett von Sängerin Esther Kaiser, mit Alexander Wienand am Piano, dem Flötisten Tilmann Dehnhard und Athina Kontou am Kontrabass kommt ohne Beats aus – die Musik groovt und fließt aber trotzdem so organisch, dass man immer wieder vermutet, doch einen Besen an Becken zu hören. Nein, das sind Halluzinationen!
Esther Kaiser (*1975) hat in den vergangenen zwanzig Jahren neben einigen Soloalben zuletzt eine wirklich hörenswerte Kooperation mit dem Jazz-Gitarristen Axel Fischbacher veröffentlicht: ,Moving Times‘.
Seit 2014 lehrt sie als Professorin für Gesang Jazz Rock Pop an der Hochschule „Carl Maria von Weber“ in Dresden.
Und Esther Kaiser ist eine beeindruckende Sängerin, nicht laut aber intensiv, nicht aufdringlich aber berührend. Und sehr virtuos, oft in Unisono-Linien Scat-Farben beisteuernd oder aus dem Hintergrund Harmonien des Pianos unterstützend. Sie singt, scatted, streut spoken words ein, und immer hält sie die Band zusammen, setzt sich also nicht auf den Frontwoman-Hocker und lässt die anderen hinter sich. Hier ist Teamwork angesagt.

Überhaupt bringt diese Musik, neben der Thematik des Atmens, viele Farben ins Spiel, nie zu dick aufgetragen. ,Strong Winds‘ ist ein einfacher Song, getragen von der tiefen warmen Basslinie von Athina Kontou. ,Gnome Scene‘ erinnert anfangs etwas an eine Brecht/Weill-Komposition, könnte dann aber auch aus Carla Bleys Jazz-Oper ,Escalator Over The Hill‘ stammen. Mit ,IMHO‘ geht es dann wieder konventioneller weiter – mit einer schönen Jazz-Ballade.
,Breathing‘ ist ein Album, das ruhige Stunden noch ruhiger macht. Von großartigen Solistinnen und Solisten eingespielt, die hier wirklich gemeinsame Sache machen und für die Musik spielen.



