Mit dem NEURIG stellt Zoom einen neuen Amp Modeler und Multieffektprozessor für E-Gitarre vor, der neben einer eigens entwickelten Neural-Modeling-Engine auch Unterstützung für NAM-Profile, eine umfangreiche Effektauswahl und zwei Touchscreens bietet. Über die SessionZ-Pedal-App lassen sich sogar KI-gestützt Gitarrensounds erstellen.
Hinzu kommen ein integrierter Akku, Bluetooth-Audio und ein USB-Interface mit 32-Bit-Float-Auflösung. Damit dürfte der Neurig besonders für alle interessant sein, die ihre Sounds flexibel zwischen Proberaum, Bühne und Homerecording einsetzen und überallhin mitnehmen möchten. Besonders der Preis von rund 349 Euro macht den Zoom NEURIG interessant für alle, die eine umfangreiche Modeling-Ausstattung suchen, ohne dafür gleich einen vierstelligen Betrag in ein High-End-Gerät investieren zu müssen.
DNA Engine und Unterstützung für NAM-Modelle
Im Mittelpunkt des Zoom NEURIG steht die neu entwickelte DNA Engine (Dynamic Neural Archive). Die Neural-Modeling-Technologie soll das dynamische Verhalten von Gitarrenverstärkern und Effektpedalen möglichst detailliert nachbilden. Zusätzlich unterstützt das Gerät nativ den NAM A2 Lite-Standard. Damit lassen sich kompatible Modelle aus der Online-Bibliothek TONE3000 laden, die eine große Auswahl an Verstärker- und Pedal-Captures bietet.

Ab Werk verfügt der Neurig über 30 DNA-Amp- und Stompbox-Modelle, 22 weitere Modeling-Amps sowie 22 mehrschichtige IR-Cabinets. Ergänzt wird die Auswahl durch 139 Effekte. Außerdem können bis zu 50 eigene Impulsantworten mit einer Auflösung von maximal 2048 Samples importiert werden. Insgesamt nennt Zoom 213 unterschiedliche Amp-, Cabinet- und Effekt-Typen.
Die interne Signalverarbeitung erfolgt mit 32-Bit-Float-Technologie bei 48 kHz. Bis zu 14 Effekte lassen sich gleichzeitig verwenden und flexibel in seriellen, parallelen oder gesplitteten Signalwegen anordnen. Dadurch sind auch komplexere Setups möglich, bei denen beispielsweise unterschiedliche Verstärker- und Effektketten parallel betrieben werden.

Zwei Touchscreens und 200 virtuelle Pedalboards
Bei der Bedienung geht Zoom einen etwas anderen Weg als bei klassischen Multieffektgeräten. Der NEURIG besitzt zwei nebeneinander angeordnete 2″-Touchscreens, die jeweils eine Auflösung von 240 × 320 Pixeln haben. So können Hauptmenü und Untermenüs gleichzeitig angezeigt werden, was die Navigation durch Effektketten und Einstellungen deutlich vereinfachen soll.


Über die sogenannte RIG-Funktion lassen sich bis zu 200 virtuelle Pedalboards mit jeweils vier unterschiedlichen Sounds speichern. Bereits ab Werk sind 75 Rigs mit insgesamt 300 Preset-Sounds vorhanden. Ein integrierter chromatischer Tuner und ein Looper mit maximal 45 Sekunden Aufnahmezeit gehören ebenfalls zur Ausstattung.
Interessant ist außerdem die Anbindung an die SessionZ-Pedal-Plattform. Laut Zoom soll es darüber möglich sein, mithilfe von KI passende Gitarrensounds anhand einfacher Texteingaben zu erstellen. Auch eine Stem-Separation-Funktion zum Herauslösen einzelner Instrumentenspuren sowie die Erstellung eigener NAM-A2-Captures von Verstärkern und Drive-Pedalen sind vorgesehen. Darüber hinaus plant Zoom einen SessionZ Store, über den künftig zusätzliche DNA-Verstärkermodelle angeboten werden sollen.
Flexible Anschlüsse, USB-Audio und Akkubetrieb
Für die Einbindung in unterschiedliche Gitarren-Setups bietet der Zoom NEURIG einen Instrumenteneingang, zwei Klinkenausgänge und einen Send/Return-Effektweg, der alternativ als zusätzlicher Ein- und Ausgang verwendet werden kann. Die Anschlüsse unterstützen auch einen Line-Pegel von +4 dBu, sodass sich das Gerät beispielsweise über die Vier-Kabel-Methode mit einem Gitarrenverstärker kombinieren lässt.
Hinzu kommen ein Kopfhörerausgang, MIDI-Ein- und -Ausgänge im 3,5-mm-TRS-Format sowie ein Anschluss für einen externen Fußschalter oder ein Expression-Pedal. Über Bluetooth-Audio lassen sich Songs und Backing-Tracks vom Smartphone wiedergeben.
Der USB-C-Anschluss dient gleichzeitig als 2-In/2-Out-Audiointerface mit 48 kHz und 32-Bit-Float-Auflösung. Damit kann der NEURIG auch direkt für Gitarrenaufnahmen am Computer oder mit einem kompatiblen Smartphone verwendet werden.
Eine weitere Besonderheit ist der integrierte Lithium-Ionen-Akku. Dieser ermöglicht laut Hersteller bis zu 4,5 Stunden Betrieb und lässt sich innerhalb von etwa drei Stunden wieder aufladen. Alternativ erfolgt die Stromversorgung über USB-C mit einem Netzteil ab 10 Watt oder über USB-Bus-Power.
Trotz der umfangreichen Ausstattung bleibt der NEURIG mit Abmessungen von 236,4 × 120,6 × 54,2 mm und einem Gewicht von 850 Gramm vergleichsweise kompakt. Das Gehäuse besteht aus Aluminium-Druckguss.
Ein interessanter Neuzugang im Neural-Modeling-Bereich
Mit dem NEURIG erweitert Zoom sein Sortiment um einen Amp Modeler, der gleich mehrere aktuelle Entwicklungen aufgreift. Besonders die native Unterstützung für NAM A2 Lite, die KI-gestützte Sounderstellung per App, die flexible Signalführung und die beiden Touchscreens machen das Gerät äußerst vielseitig und sowohl für Anfänger als auch für Profis interessant. Dazu kommt der Akkubetrieb, der bei einem derart umfangreich ausgestatteten Multieffektprozessor keineswegs selbstverständlich ist.
Spannend dürfte vor allem sein, wie sich die neue DNA Engine im direkten Vergleich mit anderen Neural-Modeling-Lösungen schlägt und wie gut sich die unterschiedlichen Modellierungsverfahren im Alltag kombinieren lassen. Auch die angekündigten SessionZ-Funktionen könnten den NEURIG langfristig um zusätzliche Möglichkeiten erweitern.
Auf dem Papier bietet Zoom jedenfalls ein bemerkenswert vielseitiges Gesamtpaket, das sowohl für klassische Amp- und Effekt-Sounds als auch für experimentellere Setups und den mobilen Recording-Einsatz ausgelegt ist.










