Halloween auf dem Pedalboard: Tricks für gruselige Gitarrensounds

Rückwärts laufende Echos, endlose Hallfahnen und Gitarrentöne, die langsam aus dem Nichts auftauchen: Für einen passenden Halloween-Sound muss nicht gleich ein kompletter Horrorfilm-Soundtrack her. Schon mit einigen vertrauten Effekten und kleinen Tricks an der E-Gitarre lassen sich ziemlich unheimliche Klänge entlocken. Wir erklären, wie Reverse-Delay, Hall, Tremolo und Volume-Swells für gespenstische Atmosphäre sorgen und wie sich die Ideen mit dem eigenen Setup ausprobieren lassen.

Dabei geht es weniger um klangliche Harmonien oder besonders schwere Riffs. Einzelne Töne, gruselige Geräusche und bewusst gesetzte Pausen können bereits ausreichen, um eine düstere Klangkulisse aufzubauen. Gerade wenn ein Ton lange nachklingt oder sein gewohnter Anschlag verschwindet, klingt die Gitarre plötzlich deutlich weniger nach Gitarre.

Die folgenden Einstellungen sind als Ausgangspunkte gedacht. Je nach Pedal oder Gitarre unterscheiden sich Regelwege und Funktionsumfang. Viele Ideen funktionieren selbstverständlich ebenso mit den Effekten eines Modelers oder einer Amp-Software.

1. Chorus und Tremolohebel: Wenn Akkorde ins Schwanken geraten

Schon ein cleaner Gitarrensound mit Chorus kann eine gute Grundlage für gruselige Klänge sein. Besonders interessant wird es, wenn deine Gitarre ein Tremolosystem besitzt: Schlage einen Akkord an, lasse ihn ausklingen und bewege den Tremolohebel leicht auf und ab. Mit langsamen Bewegungen gerät die Tonhöhe allmählich ins Schwanken, während kurze, schnelle Bewegungen ein nervöses Vibrato erzeugen.

Schon ein herkömmliches 2-Punkt-Tremolo reicht aus, um den Sound unheimlich ins Schwanken zu bringen.

Zusammen mit der Modulation des Chorus entsteht ein eiernder, beinahe verstimmter Klang, der sich irgendwo zwischen schwebender Gitarrenfläche und ausgeleiertem Tonband bewegen kann. Wie stark dieser Charakter hervortritt, hängt natürlich von der eingestellten Chorus-Modulation ab – hier kannst du die Einstellungen je nach Bedarf durchaus bis ins Extreme treiben.

Und so geht’s: Beginne mit einer niedrigen bis mittleren Chorus-Geschwindigkeit und passe Depth so an, dass die Modulation deutlich hörbar wird. Der Hebel braucht dabei keine großen Bewegungen: Bereits kleine Tonhöhenschwankungen können einen zunächst harmlosen Akkord ziemlich unheimlich wirken lassen.

Etwas zusätzlicher Hall gibt dem Ganzen mehr Raum und lässt die schwankenden Töne länger nachklingen. Anders als beim Tremolo-Effekt, der die Lautstärke verändert, entsteht das Vibrato mit dem Hebel durch eine Veränderung der Tonhöhe.


Affiliate Link:

Warm Audio WA-C1-MOD Chorus Vibrato Mod


Affiliate Link:

Boss CH-1 Super Chorus

2. Reverse-Delay: Wenn die Gitarre rückwärts läuft

Ein gewöhnliches Delay wiederholt das gespielte Signal zeitversetzt. Ein Reverse-Delay gibt aufgenommene Signalabschnitte dagegen rückwärts wieder. Dadurch wird aus dem vertrauten Verlauf von Anschlag und Ausklang ein ungewohnt anschwellender Sound.

Für einen ersten Versuch wählst du eine Delay-Zeit von etwa 500 bis 800 Millisekunden, wenige Wiederholungen und einen deutlich hörbaren Effektanteil. Spiele anschließend einzelne Töne oder eine kurze Melodie und lasse zwischen den Phrasen Platz. So lässt sich gut hören, wie die rückwärts abgespielten Fragmente auf dein Spiel antworten.

Noch fremdartiger wird es, wenn dein Delay das trockene Direktsignal vollständig ausblenden kann. Dann bleibt nur die rückwärts laufende Gitarre übrig. Beim BOSS DD-8 ist das beispielsweise im Reverse-Modus über die Maximalstellung des E.Level-Reglers möglich. Beim EHX Canyon lässt sich das Direktsignal im Reverse-Modus ebenfalls ausblenden, indem du den FX-LVL-Regler vollständig aufdrehst. Bei anderen Geräten kann dafür eine eigene Mix- oder Kill-Dry-Funktion vorgesehen sein.

Mit einem nachgeschalteten Hall verschwimmen die einzelnen Fragmente zusätzlich. Schnelles Spiel wird dabei leicht unübersichtlich – für den Anfang reichen zwei oder drei langsam gespielte Töne völlig aus.


Affiliate Link:

Boss DD-8 Digital Delay


Affiliate Link:

Electro Harmonix Canyon Delay & Looper

3. Lange Hallfahnen: Viel Platz für wenig Gitarre

Ein Hallgerät gehört zu den einfachsten Werkzeugen für atmosphärische Sounds. Für unsere Halloween-Klangkulisse eignen sich zunächst Hall- oder größere Raumprogramme mit einer langen Ausklingzeit. Falls dein Pedal entsprechende Werte anzeigt, kannst du mit ungefähr fünf bis acht Sekunden beginnen. Den Effektanteil stellst du so ein, dass der Hall deutlich präsent bleibt, ohne den gespielten Ton sofort vollständig zu verdecken.

Spiele eine einzelne hohe Note, ein Flageolett oder einen langsam angeschlagenen Mollakkord und höre dem Ausklang zu. Häufig entsteht die Atmosphäre erst in den Sekunden, in denen du nichts Neues spielst. Wer jede Lücke mit weiteren Noten füllt, nimmt dem Effekt schnell seinen Raum.

Über einen Tone- oder Damping-Regler lässt sich die Hallfahne zusätzlich formen. Gedämpfte Höhen können sie dunkler und entfernter wirken lassen. Für einen schärferen, kälteren Klang dürfen dagegen mehr Höhen erhalten bleiben. Hier entscheidet vor allem das Zusammenspiel mit dem Grundsound deiner Gitarre.


Affiliate Link:

Fame Mini-Universe Multi-Reverb

4. Volume-Swells: Töne aus dem Nichts

Bei Volume-Swells blendest du den Ton erst nach dem Anschlag ein. Damit verschwindet das typische Anschlagsgeräusch weitgehend, und die Gitarre bekommt einen beinahe streicherartigen Charakter.

Das funktioniert bereits mit dem Volume-Regler am Instrument:

  1. Drehe den Volume-Regler zunächst vollständig herunter.
  2. Schlage einen Ton oder Akkord an.
  3. Drehe die Lautstärke unmittelbar danach gleichmäßig auf.
  4. Lass den Ton ausklingen und schließe den Regler vor dem nächsten Anschlag wieder.

Etwas Übung braucht dabei vor allem die Bewegung zwischen Anschlag und Lautstärkeregler. Mit einem Volume-Pedal lässt sich derselbe Ablauf bequem mit dem Fuß steuern.

Damit Delay-Wiederholungen und Hallfahnen beim Zurücknehmen der Lautstärke weiterklingen, sollte das Volume-Pedal vor Delay und Reverb sitzen. Ein Platz hinter diesen Effekten würde auch deren Ausklang leiser regeln.

Für eine erste Geisterfläche kombinierst du langsame Swells mit langem Hall. Lass die Töne ineinander übergehen, statt ständig neue Akkorde anzuschlagen. Ein normaler Clean-Sound reicht dafür bereits aus.


Affiliate Link:

TC Electronic Crescendo Auto Swell

5. Tremolo: Vom unruhigen Puls zum abgehackten Stottern

Ein Tremolo-Effekt verändert regelmäßig die Lautstärke. Langsam und weich eingestellt entsteht ein schwebender Puls. Mit höherer Intensität und einer kantigen Wellenform kann der Sound dagegen regelrecht zerhackt werden.

Beginne mit niedriger Geschwindigkeit und mittlerer Effekttiefe. Spiele dazu einzelne tiefe Töne oder einen ausgehaltenen Akkord. Anschließend erhöhst du die Tiefe, bis die Lautstärkeschwankung deutlich hervortritt. Besitzt das Pedal eine wählbare Wellenform, lohnt sich der Wechsel zwischen weicher Sinus- und harter Rechteckform.

Auch die Reihenfolge macht einen Unterschied: Tremolo vor dem Hall lässt den Hall die Lautstärkelücken teilweise auffüllen. Sitzt das Tremolo dahinter, pulsiert auch die Hallfahne mit. Das Prinzip gilt ebenso für die Kombination mit Delay: Nachklingende Echos können die harten Unterbrechungen eines vorgeschalteten Tremolos wieder aufweichen.


Affiliate Link:

Strymon Flint V2 Tremolo & Reverb


Affiliate Link:

Boss TR-2 Tremolo

6. Delay-Feedback: Wenn sich die Echos verselbstständigen

Der Feedback- beziehungsweise Repeats-Regler eines Delays bestimmt, wie viel vom verzögerten Signal erneut in die Wiederholung gelangt. Bei manchen Geräten können sich die Echos mit hohen Einstellungen bis zur Selbstoszillation aufschaukeln. Dafür muss die Gitarre nicht vor einem laut aufgedrehten Verstärker stehen: Die Rückkopplung entsteht innerhalb des Effekts.

Starte bei niedriger Abhörlautstärke mit einem einzelnen kurzen Ton und erhöhe das Feedback langsam. Sobald die Wiederholungen stehen bleiben oder lauter werden, nimmst du den Regler wieder etwas zurück. Nicht jedes Delay ermöglicht diesen Übergang; manche begrenzen das Feedback bewusst.

Bei vielen Analog- und Tape-Delays oder entsprechenden Simulationen verändert das Drehen der Delay-Zeit außerdem vorübergehend die Tonhöhe der Wiederholungen. Daraus können absackende Echos oder sirenenartige Geräusche entstehen. Wie sich das verhält, hängt vom jeweiligen Gerät und Algorithmus ab.

Hier lohnt sich ein vorsichtiger Umgang mit dem Feedback-Regler, denn der Pegel kann schnell steigen. Zum Beenden drehst du das Feedback zurück. Das Ausschalten des Effekts allein stoppt die Wiederholungen bei aktivierter Trails- oder Carryover-Funktion nicht unbedingt sofort.

Drei Ideen für die eigene Halloween-Klangkulisse

Zum Ausprobieren kannst du die einzelnen Techniken in kleinen Kombinationen zusammenbringen:

  • Die Geisterfläche: Volume-Swells und langer, eher dunkler Hall. Spiele wenige hohe Töne und lasse die Hallfahnen ineinanderlaufen.
  • Das verlassene Funkgerät: Reverse-Delay mit hohem Effektanteil und nachgeschaltetem Hall. Kurze, voneinander getrennte Phrasen halten die rückwärts laufenden Fragmente hörbar.
  • Der Horror-Puls: Ein ausgehaltener tiefer Ton, deutliches Tremolo und etwas Hall. Mit der Geschwindigkeit bestimmst du, ob die Fläche langsam atmet oder hektisch stottert.

Am besten beginnst du jeweils mit einem Effekt und schaltest den nächsten erst hinzu, wenn der Grundsound funktioniert. Manchmal reichen ein langsam eingeblendeter Ton und eine lange Hallfahne schon aus – den Rest erledigt die Pause danach.

Auch interessant:

Halloween auf dem Pedalboard: Tricks für gruselige Gitarrensounds

Rückwärts laufende Echos, endlose Hallfahnen und Gitarrentöne, die langsam aus dem Nichts auftauchen: Für einen [...]

> WEITERLESEN
Akustikgitarren live – alles, was du für den nächsten Gig wissen musst

„Akustikgitarristen haben es ja echt leicht.“ – zumindest im Vergleich zu E-Gitarristen: einfach einstöpseln und [...]

> WEITERLESEN
Palisander, Ahorn oder Ebenholz? Griffbretter im Vergleich

Das Griffbrettmaterial ist eine der zentralen Spezifikationen einer Gitarre. Dabei werden Griffbretter aus so vielen [...]

> WEITERLESEN
Riff Lab: THE KINKS „All Day And All Of The Night“

1964 muss die britische Popwelt ziemlich im Aufruhr gewesen sein, mindestens im Umbruch: Die Beatles [...]

> WEITERLESEN
Boden und Zargen: Klangentscheidend oder überschätzt?

Die Wahl der Tonhölzer ist wohl eines der meistdiskutierten Themen, die Gitarristen so richtig ins [...]

> WEITERLESEN
Short Scale erklärt: Was eine kurze Mensur bei Akustikgitarren verändert

Schaut man sich die Spezifikationen von Gitarren einmal genauer an, stößt man früher oder später [...]

> WEITERLESEN
Weserbergland Guitar Experience: Erst üben, dann mit Victor Smolski auf die Bühne

Zwei Stücke vorbereiten, tagsüber mit Profis daran arbeiten und abends selbst auf der Bühne stehen: [...]

> WEITERLESEN
Riff Lab: THE METERS „Cissy Strut“ (Noten + Tabs)

Der New-Orleans-Funk-Klassiker ‚Cissy Strut‘ von The Meters sieht in Noten erstmal erstaunlich harmlos aus. Und [...]

> WEITERLESEN
Akustikgitarre für Fortgeschrittene: Wann lohnt sich das Upgrade?

Die Akkorde gehen flüssig von der Hand, Barré-Griffe sitzen und du bist auch schon in [...]

> WEITERLESEN

Ttitelbild: SzaboJanos

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert