Die fünf ungewöhnlichsten Signature-Gitarren aller Zeiten

Gretsch Bo Diddley E-Gitarre

Seit Anbeginn der Zeit werden E-Gitarren durch die Ansprüche ihrer berühmtesten Künstler geformt. Oftmals handelt es sich bei Signature-Gitarren zwar lediglich um Sonderausführungen bestehender Designs, die höchstens in puncto Pickup-Bestückung, Halsform oder Farbgebung vom Stangenmodell abweichen. Bei anderen Signature-Gitarren erhält der Künstler aber wiederum ein vollständig auf seine Ansprüche entworfenes Instrument. So auch die wohl älteste Signature-E-Gitarre der Welt, die legendäre Gibson Les Paul, deren Namenspate den Entwicklungsprozess des Erfolgsmodells maßgeblich voran getrieben hat. Ein weiteres Beispiel ist die überaus beliebte Ibanez JEM, die ohne die Vision des begnadeten Griffbrettzauberers Steve Vai nie in ihrer Form zustande gekommen wäre.

Doch was ist eigentlich, wenn der Künstler derart eigenartige Ansprüche an seine Instrumente stellt, dass jegliche Konventionen über Bord geworfen und alle Grenzen überschritten werden? Höchste Zeit, einen Blick auf die größten Kuriositäten der Gitarrenwelt und ihre Spieler zu werfen und euch unsere Top 5 Picks der ungewöhnlichsten Signature-E-Gitarren aller Zeiten vorzustellen!

1. Rick Nielsens 1981 Hamer Five-Neck – Fünf Hälse für ein Halleluja

Jimmy Page machte damals mit Led Zeppelin die doppelhalsige Gibson EDS-1275 populär. Chris Squire von Yes spielte gerne auf drei Hälsen und Michael Angelo Batio ist sogar auf vier unterwegs. Doch was ist, wenn die Auswahl an Gitarrenhälsen immer noch nicht ausreicht? Hier kommt Rick Nielsens Hamer Five-Neck ins Spiel. Das ungewöhnliche Instrument, das Rick prominent auf zahlreichen Live-Shows spielte, war übrigens keineswegs das einzige Resultat der kreativen Zusammenarbeit zwischen Frank Untermeyer von Hamer Guitars und dem Leadgitarristen von Cheap Trick.

Zu den ‚harmloseren‘ Designs zählten beispielsweise seine Explorer im Checkered-Look, etwas abgefahrene Modelle waren hingegen die Twisted Flying V oder die doppelhalsige ‚Uncle Dick‘. Das Highlight der Sammlung stellt allerdings klar seine Five-Neck dar, von der insgesamt drei Stück für Rick gebaut wurden. Ursprünglich wünschte sich Rick eine Gitarre mit sechs rund angeordneten Hälsen, die sich wie eine Revolvertrommel drehen lassen. Da aber bereits Billy Gibbons mit ZZ Top ein ähnliches Gimmick verwendete, entschied er sich für das etwas klassischere 5-Neck-Design. Die bekannteste Ausführung ist der orangefarbene Prototyp von 1981. Nach zahlreichen Museumsleihgaben befindet sich das kuriose Instrument nun an der Wand von Ricks Restaurant in Chicago.

2. Gretsch G6138 Bo Diddley – rechteckig, praktisch, gut?

Definitiv zu den aufsehenerregenden Designs zählt auch die ikonische Gitarre der Blues-Legende Bo Diddley. Ihre recht simple Formgebung, die im Grunde der Einfachheit selbstgebauter Diddley Bows folgt, könnte man sicherlich als Kombination aus maximaler Simplizität und minimaler Ergonomie beschreiben. Dennoch lag das Instrument bei kaum einem Künstler derart gut in der Hand wie bei Ellas Otha Bates aka „Bo Diddley“, der sich auf dem einzigartigen Instrument seinen Platz in zahlreichen Hall of Fames erspielte. Darunter die für Rock and Roll (1987), für Blues (2003) und posthum auch für Rhythm and Blues (2017).

Bo Diddley mit E-Gitarre.
Bo Diddley im Jahr 1957 mit seiner ikonischen E-Gitarre.

Die Gretsch G6138 Bo Diddley ist allerdings nicht das einzige ungewöhnliche Modell des Ausnahmekünstlers. So baute Gretsch gemeinsam mit Bo die G6199 „Billy-Bo“ Jupiter Thunderbird, ein weiteres Instrument mit futuristischem Design, das an den Stil klassischer Cadillac-Heckflossen der Sixties erinnert. Heute ist der berühmteste Spieler dieses ikonischen Designs niemand Geringerer als Billy Gibbons von ZZ Top, der als einer der größten Fans von Bo Diddleys musikalischem Schaffen gilt.


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Gretsch G6199 Billy-Bo Jupiter Thunderbird Firebird Red

3. Music Man Nigel Tufnel Signature – E-Gitarre für Speed Freaks

Wer die fiktive Band Spinal Tap kennt, weiß, dass ihr Gitarrist Nigel Tufnel mitunter sonderbare Ansprüche an seine Gitarren und Verstärker stellt. Auf manche seiner Instrumente, wie beispielsweise den berühmt-berüchtigten Fender Bass VI mit originalem Preisschild, darf nicht einmal geschaut oder gezeigt, geschweige denn auch nur darüber geredet werden. Eine andere seiner Gitarren, auf die man jedoch definitiv schauen und zeigen sollte, ist die Music Man Nigel Tufnel Mr. Horsepower – ein Instrument mit wahrlich viel Oktan und PS unter der Haube!

Music Man Mr. Horsepower Nigel Tufnel Signature
Music Man „Mr. Horsepower“ Nigel Tufnel Signature

Die auf gerade einmal 25 Stück weltweit limitierte Auflage verfügt über insgesamt vier direkt nebeneinander angeordnete Humbucker-Pickups, die jeweils separate On/Off-Schalter mit eigenen Indikator-LEDs besitzen. Zusätzlich befindet sich ein Floyd Rose Tremolosystem mit speziell für das Modell gefertigtem Trem-Bar im Schalthebel-Look an Bord. Zu den weiteren Features der abgefahrenen Gitarre zählen ein heißes Hot Rod Flame Finish mit Clay Smith Cams Logo, ein Abgaskrümmer mit Auspuff und ein funktionierender Tachometer an Bord, der dir jederzeit anzeigt, wie schnell du spielst!

4. Buckethead Gibson Les Paul – Paula XXL

Wer die schneeweiße Gibson Buckethead Signature Les Paul sieht, könnte sie fälschlicherweise mit einem klassisch gebauten LP-Modell verwechseln. Sobald man sie allerdings in die Hand nimmt, wird recht schnell deutlich, wie riesig dieses Instrument tatsächlich ist! Die Gibson Buckethead Signature Les Paul weicht nämlich gravierend von der Standardrezeptur der Gibson Les Paul ab und setzt auf eine mörderisch lange 27″-Mensur und ein 24-bündiges Griffbrett ohne Einlagen. Kein Wunder, immerhin ist Buckethead selbst mit einer Körpergröße von fast zwei Metern der perfekte Nutzer dieses einzigartigen Instruments.

Gibson Buckethead Signature Les Paul
Gibson Buckethead Signature Les Paul

Zur weiteren Ausstattung seiner Signature-Gitarre zählen zwei rote Arcade-Style Kill Switches, mit denen Buckethead gerne während Live-Shows seine maschinengewehrartigen Stakkato-Salven abfeuert. Für den stimmigen Look sorgen hingegen die schneeweißen Sonderausführungen der beiden Gibson 496R und 500T Humbucker als passende Ergänzung zum Hochglanz-Finish in Alpine White. Die Gibson Buckethead Signature Les Paul wurde lediglich vorübergehend von 2009 bis 2011 gebaut. Fans und Sammler, die sich für das Instrument des talentierten und leicht verrückten Ausnahmekünstlers mit dem KFC-Eimer auf dem Kopf interessieren, können momentan also allenfalls auf dem Gebrauchtmarkt fündig werden.

5. Eddie Van Halen Shark – Ed’s alternative Bastelgitarre

Wer an Eddie Van Halens Gitarren denkt, wird unweigerlich seine berühmten ‚Frankenstrat‘-Modelle im Sinn haben. Sehr verständlich, immerhin zählen die Superstrats mit Stripe-Look und unverkennbarem DIY-Charme ganz klar zu den berühmtesten Signature-Designs. Ein etwas weniger bekanntes Modell aus Eddies Fuhrpark ist hingegen die berüchtigte Shark. Die Geschichte der Shark begann ursprünglich als schneeweiße Ibanez Destroyer, deren Korpusform Eddie mithilfe einer Säge gravierend modifizierte. Nachdem er ein größeres Stück Holz aus dem Heck schnitt und die Schnittkante mit gezackten Kanten versah, die an Zähne erinnern sollten, verlieh er ihr den ikonischen ‚Stripe‘-Look. Genau wie bei seinen Frankenstrats griff Eddie hierbei auf Klebeband und seine bevorzugten Spraydosen mit Schwinn Bicycle Paint zurück.

EVH Striped Series Shark
EVH Striped Series Shark

Mit dem Sound seiner modifizierten Shark, die er auf der ersten Van Halen World Tour im Jahr 1978 noch prominent auf der Bühne einsetzte, war Eddie Van Halen keineswegs zufrieden. Ihm zufolge wurde der Klangcharakter des Instruments nämlich durch das Heraussägen des hinteren Holzstücks nachhaltig ruiniert. Obwohl er sich auf dem Cover des VH-Albums Women and Children First von 1980 noch mit seiner Shark ablichten ließ, spielte er die Gitarrenspuren der Scheibe lieber auf einer von Chris Holmes geliehenen Ibanez Destroyer ein. Dennoch ist die Shark ohne Frage ein wahrhaft ikonisches Signature-Design aus Eddies Fuhrpark, das im Jahr 2019 von EVH als Reissue-Modell für Fans und Sammler neu aufgelegt wurde.

Fazit

Signature-Gitarren gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Die interessantesten und kuriosesten Gitarren-Designs entstehen aber genau dann, wenn Künstler alle bestehenden Regeln ignorieren und ihre Instrumente abseits alles bisher Dagewesenen entwerfen. Egal, ob es um nie dagewesene Bauformen, multiple Hälse oder ungewöhnliche Ausstattungsmerkmale geht: alle genannten Instrumente haben nicht nur einen hohen Wiedererkennungswert, sondern auch ihren ganz eigenen Charme, der den Charakter des zugehörigen Künstlers besser als jedes andere Instrument auszudrücken weiß.

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