Cross Road Blues: Robert Johnson und sein Pakt mit dem Teufel?

Cross Road Robert Johnson

Eine verlassene Kreuzung bei Nacht irgendwo im Mississippi-Delta der 1930er-Jahre. In der Dunkelheit steht ein junger Musiker einsam mit seiner Gitarre. Plötzlich erscheint eine dunkle Gestalt, nimmt ihm das Instrument ab, stimmt die Saiten und gibt es ihm wieder zurück. Und auf einmal soll der junge Mann spielen können, wie es sonst kaum jemand vermag. Der Preis? Seine Seele.

So oder so ähnlich lautet eine der berühmtesten Legenden der Blues-Musik. Bei dem jungen Musiker handelt es sich der Sage nach um Robert Johnson, einen Gitarristen und Sänger, der einen Pakt mit dem Teufel geschlossen haben soll, um einer der bedeutendsten Blues-Musiker zu werden. Dass diese Geschichte so stattgefunden hat, wage ich stark zu bezweifeln, aber dieser Mythos fasziniert nach wie vor die Welt des Blues. Noch spannender ist allerdings die wahre Geschichte hinter Johnsons Talent und wie er selbst und seine Musik zwar leider weniger zu seinen Lebzeiten, aber heute umso mehr eine Inspirationsquelle vieler Künstler ist.

Wer war Robert Johnson?

Robert Johnson
Selbstporträt von Robert Johnson mit seiner Gitarre. (Bild: Robert Johnson, Selbstporträt (ca. 1937–1938), Wikimedia Commons, Public Domain)

Robert Johnson wurde 1911 in Hazlehurst, Mississippi geboren. Blues gehörte dort zum Alltag der afroamerikanischen Bevölkerung und wurde auf den Straßen, Plantagen, Lokalen und Tanzveranstaltungen gespielt. So kam es, dass auch Robert früh Gefallen daran fand und zunächst Mundharmonika spielte, bis die Gitarre sein Interesse weckte. Man mag es kaum glauben, aber sein Können auf dem Instrument soll damals eher unterirdisch gewesen sein. Auch von seinen Mitmusikern wie Son House, mit denen er sich durch die Bars und Festlichkeiten in der Gegend um Robinsonville, Mississippi spielte, wurde er häufig wegen seines stümperhaften Spiels aufgezogen.

Schließlich verschwand er für eine Weile vollkommen von der Bildfläche. Erzählungen nach soll er zurück in seine Geburtsstadt Hazlehurst gegangen und dort unter die Fittiche des begnadeten Bluesgitarristen Isaiah „Ike“ Zimmerman genommen worden sein, der ihm seine virtuosen Blues-Techniken beigebracht habe. Sogar nachts auf Friedhöfen sollen die beiden gesessen und geübt haben, was wahrscheinlich nicht unwesentlich zu dem Mythos um Roberts Fertigkeiten an der Gitarre, die er in so kurzer Zeit erworben hatte, beigetragen hat.

Hat Robert Johnson seine Seele verkauft?

Ein Pakt mit dem Teufel ist natürlich eine reißerische Geschichte, die wohl jedermanns Aufmerksamkeit weckt. Wie kann jemand, der als unterdurchschnittlicher Gitarrist bekannt war, plötzlich eine solche Kehrtwende hinlegen? Ein idealer Nährboden für Mythen und Legenden. Ob die Erzählung über die Begegnung mit dem Teufel an einer verlassenen Kreuzung schon zu Roberts Lebzeiten die Runde gemacht hat oder ob es sich um eine Marketingstrategie der Musikindustrie nach seinem Tod handelt, ist nicht ganz eindeutig belegt. Fakt ist jedoch, dass es unter der afroamerikanischen Bevölkerung durchaus einen Glauben an übernatürliche Begegnungen an Kreuzungen gab. Dass eine solches Gerücht damals im Umlauf war, ist also im Bereich des Möglichen.

Kreuzung in Clarksdale
Die angebliche Kreuzung in Clarksdale, in der Robert Johnson seine Seele verkaufte. (Bild: Joe Mazzola / Wikimedia Commons, lizenziert unter CC BY-SA 2.0)

Dass der Mythos nach wie vor für Faszination sorgt, ist unbestreitbar. Sogar in der Populärkultur wird er gerne aufgegriffen. So taucht Robert Johnson im Auftakt der Folge Crossroad Blues der Mystery-Serie Supernatural auf, in der es die Protagonisten mit einem Kreuzungsdämon, der seit Jahren in Mississippi Deals an einer Kreuzung abschließt, zu tun bekommen. Besondere Fähigkeiten und Erfolg im Austausch für die Seelen seiner Kunden.

Auch die Tatsache, dass Robert Johnson bereits im jungen Alter von 27 Jahren unter mysteriösen Umständen ums Leben kam, spielt der Legende in die Karten. Wurde er etwa von einem Höllenhund getötet, der kam, um seine Seele zu holen und Roberts Schuld somit zu begleichen? In der Wahrheit liegt selbstverständlich die wahre Tragik. Auch wenn die Todesumstände nicht abschließend geklärt werden konnten, ist es nicht undenkbar, dass er in so jungen Jahren keines natürlichen Todes starb. Und das, bevor er überhaupt größere Bekanntheit erlangen konnte.

Songs voller Geheimnisse

Befeuert wird die Legende rund um die Begegnung mit dem Teufel auch durch Roberts Song-Motive. Lieder wie Me and the Devil Blues, Hellhound on my Trail oder ganz spannend: Cross Road Blues beschwören düstere Bilder herauf und führen zu Spekulationen. Zwar kommt im Text von Cross Road Blues gar kein Pakt mit dem Teufel vor, aber trotzdem hindert dies niemanden an wilden Interpretationen. Dazu kommt, dass derartige Bilder im Blues der damaligen Zeit gar nicht unüblich waren. Übernatürliche Stilmittel gehörten zum kulturellen Umfeld, aus dem diese Musik entstand. Viel logischer ist doch, dass Robert Johnson ein ebenso hervorragender Songschreiber wie Gitarrist und übrigens auch Sänger war.

29 Songs für die Ewigkeit

Robert Johnson hinterließ lediglich 29 aufgenommene Songs, die bei zwei Aufnahmeserien 1936 in San Antonio und 1937 in Dallas für die Ewigkeit festgehalten wurden. Dabei erlangte er zu Lebzeiten keine große Bekanntheit. Er war in erster Linie ein reisender Musiker, der in kleinen Lokalen, auf der Straße und bei Tanzveranstaltungen auftrat. Leider erlebte er nicht mehr, wie sehr sich seine Ambitionen ausgezahlt haben und welchen Ruhm sein Schaffen heute genießt. Erst Jahrzehnte später wurde sein Name bekannt, weshalb sein Leben zum Teil im Dunkeln liegt und auch seine Todesursache Raum für zahlreiche Spekulationen bietet. Eine ideale Vorlage für Mythen und Märchen.


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Wenn die Legende den Musiker überdeckt

Auch wenn die Geschichte vom Teufelspakt ihren Reiz hat und einen außergewöhnlichen Gitarristen mit einer übernatürlichen Aura umgibt, liegt genau darin das Problem. Wird Robert Johnsons Talent von einem ganz klaren Mythos überschattet, droht seine tatsächliche musikalische Leistung in den Hintergrund zu treten. Besonders nach seinem Tod kurbelte das ständige Wiederholen der Geschichte seinen Erfolg gewaltig an. Natürlich macht es die Kreuzungsgeschichte nicht weniger interessant, doch es lohnt sich, einen Blick hinter die Legende zu werfen.

Was bleibt also, wenn der Teufel schwindet? Ein talentierter junger Mann mit Persönlichkeit, der sein musikalisches Können durch Herzblut und harte Arbeit auf ein unfassbares Niveau hob und leider viel zu früh verstarb.

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