Mehr als nur Requisiten: Legendäre Filmgitarren, die man kennen muss

Als Gitarristin oder Gitarrist fällt einem beim Filmeschauen natürlich alles direkt ins Auge, was sechs Saiten hat. Umso spannender wird es, wenn man sich die Geschichte hinter einer Filmgitarre genauer anschaut. Manchmal ist eine Gitarre dabei lediglich das passende Requisit, manchmal wird sie selbst zu einem wichtigen Bestandteil einer Szene. Und gelegentlich steckt hinter dem Instrument eine Geschichte, die fast genauso interessant ist wie der Film selbst. So verschwand beispielsweise eine der wohl bekanntesten Gibson-Gitarren der Filmgeschichte nach den Dreharbeiten spurlos, während für Mad Max: Fury Road gleich eine spielbare Doppelhalsgitarre samt funktionierendem Flammenwerfer gebaut wurde.

Wir haben uns ein paar der interessantesten Filmgitarren herausgesucht, die man definitiv kennen sollte und blicken hinter die Geschichten dieser besonderen Instrumente.

Mad Max: Fury Road – Die Flammenwerfer-Gitarre des Doof Warrior

Wenn es um völlig übertriebene Filmgitarren geht, dürfte Mad Max: Fury Road von 2015 nur schwer zu schlagen sein. Während Immortan Joes War Boys mit ihren Fahrzeugen durch die Wüste rasen, sorgt der Coma-Doof Warrior auf dem sogenannten Doof Wagon für die musikalische Begleitung. Gespielt wird die Figur vom australischen Musiker iOTA, der dabei mit einer riesigen Doppelhalsgitarre mit separatem E-Gitarren- und E-Bass-Hals vor einer Wand aus Lautsprechern hängt. Als wäre das noch nicht genug, schießen aus dem Instrument auch noch Flammen.

Mad Max Fury Road – The Doof Guitar – Foto: mattboug.com

Das Ganze sieht zunächst nach einem typischen Hollywood-Prop aus, tatsächlich wurde für die Dreharbeiten aber ein echtes spielbares Instrument gebaut. Die gewaltige Konstruktion soll rund 60 Kilogramm wiegen und musste beim Dreh deshalb mit elastischen Seilen gehalten werden. Beim unteren Hals handelt es sich um einen Basshals, während bei den beiden Headstocks sogar Zündkerzen aus dem Automobilbereich als Mechaniken beziehungsweise deren Bedienelemente zum Einsatz kommen. Unterhalb des Korpus befindet sich außerdem ein Stück eines Datsun-1600-Chassis.

Und auch der Flammenwerfer war keineswegs nur ein Spezialeffekt aus der Postproduktion. Hinter dem oberen Headstock befand sich ein Ventil, aus dem tatsächlich Flammen geschossen werden konnten. Die Bedienung erfolgte über den Tremolohebel. Damit dürfte die Doof-Warrior-Gitarre zu den wenigen Instrumenten gehören, bei denen der Begriff „Firebreathing Guitar“ einmal ziemlich wörtlich genommen werden kann.

Innerhalb der Filmwelt erfüllt der Doof Warrior übrigens ebenfalls einen Zweck. Seine Musik dient nicht nur der Unterhaltung: Ähnlich historischen Militärmusikern soll er die War Boys antreiben und gleichzeitig Immortan Joes Befehle über die gewaltige Beschallungsanlage des Doof Wagon weitergeben.

Back to the Future – Wo ist Marty McFlys Gibson ES-345?

Kaum eine Gitarrenszene dürfte so berühmt sein wie Marty McFlys Auftritt beim „Enchantment Under the Sea“-Schulball in Back to the Future von 1985. Michael J. Fox greift dort zu einer kirschroten Gibson ES-345 und spielt „Johnny B. Goode“, wobei sein Auftritt zunehmend von Gitarristen wie Pete Townshend, Jimi Hendrix und Eddie Van Halen inspiriert wird.

Die Szene wurde somit zu einem der bekanntesten Gitarrenmomente der Filmgeschichte. Das Originalinstrument selbst hat allerdings eine beinahe ebenso filmreife Geschichte: Es ist verschwunden.

Hast du diese Gitarre gesehen?

Laut Gibson wollte das Filmteam die Gitarre bereits während der Arbeiten an der Fortsetzung wiederfinden, allerdings war sie zu diesem Zeitpunkt nicht mehr aufzutreiben. Wo die Cherry Red ES-345 anschließend landete, blieb über Jahrzehnte ungeklärt.

Foto: backtothefuture.com

Zum 40. Jubiläum von Back to the Future startete Gibson deshalb 2025 eine weltweite Suche nach der Originalgitarre. Dabei wurden Fans, Sammler, Vintage-Händler und praktisch jeder, der Hinweise auf den Verbleib des Instruments haben könnte, um Mithilfe gebeten. Parallel dazu begann Gibson Films mit der Produktion der Dokumentation Lost to the Future, die sich dieser Suche nach der berühmten Film-ES-345 widmet.

Zusätzliches Fauxpas: Der historische Filmfehler der ES-345

Eine zusätzliche Kuriosität steckt direkt in der Filmszene: Marty reist bekanntlich in das Jahr 1955 zurück. Eine Gibson ES-345 konnte er zu diesem Zeitpunkt allerdings noch gar nicht spielen. Das Modell wurde erst im Jahre 1958 offiziell eingeführt. Ausgerechnet eine der berühmtesten Gitarrenszenen der Filmgeschichte enthält damit einen ziemlich großen Gitarren-Anachronismus.

Nichtsdestotrotz prägte dieser Filmmoment eine ganze Generation an Musikerinnen und Musikern. Michael J. Fox selbst erklärte später, dass seine Performance bewusst Elemente verschiedener Gitarrenhelden aufgreifen sollte. Umso interessanter ist der Einfluss der Szene: Laut Fox erzählten ihm später unter anderem John Mayer und Chris Martin, dass dieser Filmauftritt sie dazu motiviert habe, selbst Gitarre zu spielen.


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Gibson ES-345 Sixties Cherry

Purple Rain – Prince und die erste Cloud Guitar

Eine weitere legendäre Filmgitarre mit einer interessanten Geschichte stammt aus dem berühmten Streifen Purple Rain von 1984, in dem Prince selbst den jungen Musiker Kid spielt. Zum halbautobiografische Film brachte Prince mit dem gleichnamigen Album nicht nur sein sechstes Studioalbum heraus, sondern diente gleichzeitig als Soundtrack zum Film.

Im Fokus steht hier natürlich die berühmte Cloud Guitar: Das auffälige Instrument wurde nicht einfach für eine Filmszene aus dem vorhandenen Equipment des Musikers ausgewählt, ihre Geschichte beginnt nämlich unmittelbar mit dem Film selbst.

Die erste Cloud Guitar, gebaut von Dave Rusan und Tommy Stinson – Foto: guitarcloud.org

Die erste Cloud entstand 1983 bei Knut Koupeé Music in Minneapolis. Gebaut wurde sie von Gitarrenbauer Dave Rusan, wobei auch Tommy Stinson an dem Instrument arbeitete. Grundlage für die Konstruktion waren unter anderem vorhandene Bauteile des sogenannten O’Hagan „Shark“-Modells; die charakteristische Form orientierte sich zudem am Sardonyx F Bass, den Prince bereits Ende der 1970er-Jahre besaß. Diese Bauform wurde schließlich die Basis der ersten Cloud Guitar, welche in Purple Rain zu sehen.

Die Spezifikationen der Cloud Guitar

Technisch war die Cloud keineswegs nur ein extravagantes Filmrequisit. Das Instrument besitzt einen Korpus und Hals aus Ahorn, eine Mensur von 24,75 Zoll sowie 22 Bünde. Für die elektrische Seite kamen ein EMG SA Single Coil am Hals und ein EMG 81 Humbucker am Steg zum Einsatz. Hinzu kamen Schaller-Hardware sowie eine klassische Regelung aus Volume, Tone und Dreiwege-Pickup-Wahlschalter.

Was als Instrument für Purple Rain begann, entwickelte sich anschließend zu einem der wichtigsten visuellen Markenzeichen von Prince. Für die dazugehörige Tour entstanden weitere Exemplare und auch in späteren Jahren ließ Prince zusätzliche Cloud-Gitarren bauen. In den 1990er-Jahren entstanden schließlich sogar kommerzielle Varianten; später fertigte Schecter entsprechende Serienmodelle.

Besonders interessant ist jedoch der Verbleib des Originals. Prince schenkte 1993 eine Cloud Guitar dem Smithsonian. Lange war offenbar nicht vollständig geklärt, um welches Exemplar es sich dabei handelte. Untersuchungen einschließlich CT-Scan und Lackanalysen lieferten später starke Hinweise darauf, dass es sich tatsächlich um die erste für Prince gebaute Cloud und damit um die in Purple Rain verwendete Gitarre handelt. Unter der späteren gelben Lackierung fanden die Experten mehrere ältere Lackschichten.

Damit wurde aus einer eigens für einen Film entstandenen Custom-Gitarre letztlich ein Instrument, das Prince noch weit über Purple Rain hinaus begleitete und heute zur Sammlung des Smithsonian National Museum of American History gehört.


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Schecter E-Gitarren

The Hateful Eight – Als Kurt Russell eine echte Vintage-Martin zerstörte

Die Geschichte hinter der Gitarre aus Quentin Tarantinos The Hateful Eight ist weniger erfreulich, dafür aber kaum zu glauben.

In einer Szene spielt Jennifer Jason Leigh als Daisy Domergue auf einer alten Martin-Akustikgitarre das australische Traditional „Jim Jones at Botany Bay“. John Ruth, gespielt von Kurt Russell, nimmt ihr schließlich das Instrument ab und schlägt es vor ihren Augen in Stücke. Das stand grundsätzlich auch im Drehbuch.

Das Problem: Russell zerstörte die falsche Gitarre.

Für die Aufnahmen hatte das Martin Guitar Museum eine echte Martin aus den 1870er-Jahren zur Verfügung gestellt. Das historische Instrument sollte lediglich für die Einstellungen verwendet werden, in denen Leigh tatsächlich darauf spielte. Das schmerzhafte daran ist, dass für die Zerstörungszene des Instruments sogar Repliken angefertigt worden. Nach Angaben des Sound Mixers Mark Ulano existierten sechs Nachbauten, und unmittelbar vor dem Zerschlagen sollte das Original eignetlich ausgetauscht werden.

Doch dieser Wechsel fand nicht statt beziehungsweise Kurt Russell wusste nicht, dass er in diesem Take noch das Original in den Händen hielt. Er nahm die Gitarre und zertrümmerte damit tatsächlich das historische Museumsinstrument. Die Reaktion von Jennifer Jason Leigh, die unmittelbar erkennt, was gerade passiert ist, ist deshalb echt.

Martin erfuhr zunächst lediglich, dass das Instrument bei einem Unfall am Set beschädigt worden sei. Erst später wurde dem Unternehmen bekannt, unter welchen Umständen die Gitarre tatsächlich zerstört worden war. Dick Boak vom Martin Museum bezeichnete den Vorfall entsprechend als schwerwiegend. Die Konsequenz fiel drastisch aus: Martin kündigte an, Museumsinstrumente künftig nicht mehr für Filmproduktionen zur Verfügung zu stellen.

Kurt Russell selbst sprach Jahre später noch einmal über den Vorfall und machte deutlich, dass ihm während der Aufnahme nicht bewusst gewesen sei, welches historische Instrument er gerade in der Hand hielt.

So entstand ausgerechnet durch einen Fehler am Set einer der wohl teuersten und schmerzhaftesten „Gitarren-Smashes“ der Filmgeschichte. Jennifer Jason Leighs entsetzter Gesichtsausdruck benötigte dafür keinerlei Schauspielkunst, der Schock stand ihr ins Gesicht geschrieben.

Wenn die Gitarre mehr als nur Requisite ist

Ob Flammenwerfer, Zeitreise, Custom-Anfertigung oder ein folgenschweres Missverständnis am Set: Diese vier Instrumente zeigen ziemlich gut, welche unterschiedlichen Rollen Gitarren im Film einnehmen können. Die Doof-Warrior-Gitarre wurde eigens für eine postapokalyptische Filmwelt konstruiert, während Marty McFlys ES-345 nach ihrem berühmtesten Auftritt selbst zum Gegenstand einer jahrzehntelangen Suche wurde. Prince machte eine ursprünglich für Purple Rain gebaute Gitarre anschließend zu einem seiner Markenzeichen und bei The Hateful Eight wurde aus einer geplanten Zerstörungsszene unfreiwillig ein Stück Gitarrengeschichte ausradiert.

Fallen Euch noch weitere Filmgitarren ein, die eine interessante Historie mitbringen? Schreibt es uns in die Kommentare!

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Titelbild: mattboug.com

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