“It’s one of those songs that works great live because the audience instantly knows what’s coming when that intro starts“, soll Angus Young einmal über ‚Thunderstruck‘ gesagt haben. Und fürwahr, dieses Einstiegs-Riff oder -Lick (so ganz eindeutig kann man das hier nicht benennen) ist ikonisch. Nach nicht einmal einem halben Takt, weiß man, welcher Song jetzt kommt.
Als sich AC/DC 1990 auf die Aufnahmen zu ‚The Razors Edge‘ vorbereiteten, machte Produzent Bruce Fairbairn der Band gleich zu Beginn klar, dass er ihren Stil nicht verändern wollte. Sein Ziel sei lediglich gewesen, die bestmögliche Performance einzufangen und die Energie der Band möglichst direkt auf Band zu bringen. Straight Rock’n’Roll eben. Experimente mit anderen Stilrichtungen standen nicht zur Debatte. Mit ‚Thunderstruck‘, der ersten Single des Albums, gelang der Band ein Stück, das sich schnell zu einem ihrer bekanntesten Songs entwickelte.
Entstehung des Songs
Gitarrist Angus Young beschrieb den Ursprung des Stücks einmal als kleines Gitarrenmotiv, das er zunächst nur als technisches Gimmick spielte. Dieses kurze Lick entwickelte sich während längerer Jam-Sessions der Band allmählich zum zentralen Baustein des Songs. Erst nachdem die Band mehrere Monate mit der Idee experimentiert hatte, entstand daraus die endgültige Struktur.
Typisch für AC/DC ist dabei die vergleichsweise einfache, aber wirkungsvolle Songarchitektur. Komplexe Arrangements oder ausgefeilte Harmonik spielen selten eine große Rolle – entscheidend ist das Zusammenspiel aus Rhythmus, Groove und markanten Gitarrenriffs. Gerade hier zeigt ‚Thunderstruck‘ jedoch eine ungewöhnlich hohe Dichte an Gitarrenideen, die teilweise so übereinandergeschichtet sind, dass sie live nicht vollständig von nur zwei Gitarristen reproduziert werden können.
Das berühmte Intro-Riff
Das bekannteste Element des Songs ist das Gitarrenintro (Beispiel 1), das vollständig auf der H-Saite gespielt wird. Dabei werden gegriffene Noten mit der leeren Saite im Wechsel gespielt, wodurch ein schnelles, pulsierendes Muster entsteht. Obwohl viele Gitarristen das Riff mit Hammer-Ons oder Pull-Offs spielen, wurde es im Original mit konsequentem Alternate Picking aufgenommen – jede einzelne Note wird also tatsächlich angeschlagen. Diese Technik sorgt für einen gleichmäßigen Attack und ist ein wichtiger Teil des charakteristischen Sounds des Intros.
Harmonisch bewegt sich das Lick zunächst im Umfeld von E-Moll und umspielt die Akkorde B und Em. Später bedient es sich Tönen aus B-Mixolydisch.
Rhythmusgitarre und Arrangement
Während Angus Young das markante Lead-Riff spielt, steuert Malcolm Young die typischen AC/DC-Rhythmusfiguren bei. Sein Part besteht aus präzise gedämpften Powerchords und Palm-Mute-Patterns, die dem Song die charakteristische rhythmische Stabilität geben. Sein in Beispiel 2 transkribiertes Riff setzt zur zweiten Zeile von Beispiel 1 ein. Gerade diese Rhythmusarbeit wird häufig unterschätzt, ist aber entscheidend für den druckvollen Bandsound. Beispiel 3 zeigt das Chorus-Riff.
In einigen Songabschnitten kommen zusätzliche Gitarrenspuren hinzu, etwa für Powerchords im Refrain oder für bestimmte Übergänge. Dadurch entsteht ein dichtes Gitarrengeflecht, das im Studio mit mehreren Overdubs realisiert wurde.
Soli und Spielweise
Die Gitarrensoli greifen typische Elemente von Angus Youngs Stil auf: Double-Stops, expressive Bendings und ein starkes Vibrato. Grundlage vieler Phrasen ist die Blues- beziehungsweise Pentatonik, die Young mit aggressivem Picking und präziser Artikulation kombiniert. Diese Mischung aus bluesiger Ausdruckskraft und harter Rock-Attitüde prägt seit jeher seinen unverwechselbaren Stil. Beispiel 4 zeigt den Einstieg in sein erstes Solo nach gut 3 Minuten im Song. Typisch ist die Mischung aus Dur-Sound und Moll-Pentatonik.




