Mit dem EX-4 Effects Expander stellte BOSS auf der diesjährigen Guitar Summit einen neuen kompakten Effektprozessor vor, der sich weniger als Ersatz für ein bestehendes Pedalboard versteht, sondern dieses um eine umfangreiche Auswahl digitaler Effekte erweitern soll. Insgesamt 120 Effekttypen bringt BOSS dafür in einem Gehäuse unter, das mit Abmessungen von 117 x 138 mm kaum mehr Platz als einige größere Einzelpedale beansprucht. Dabei können bis zu vier Effekte gleichzeitig verwendet werden, hinzu kommen separate Funktionsblöcke und flexible Möglichkeiten zur Integration externer Pedale.
Damit ist der EX-4 in erster Linie für alle interessant, die grundsätzlich an ihrem vorhandenen Setup festhalten möchten, für bestimmte Songs oder kurze Situationen aber zusätzliche Effekte oder komplexere Signalketten benötigen. Statt Chorus, Delay, Reverb oder speziellere Sounds jeweils als separates Pedal unterbringen zu müssen, kann der Effects Expander gleich mehrere dieser Aufgaben übernehmen.
120 BOSS Effekte für E-Gitarre und Bass
Das Herzstück des EX-4 bildet eine Bibliothek mit 120 hochwertigen BOSS Effekten. Darunter befinden sich die klassischen Kategorien Overdrive und Distortion, Modulation, Delay und Reverb. Hinzu kommen speziell auf Bass abgestimmte Effekte sowie einige der exotischeren BOSS-Effekte wie Slow Gear oder Slicer. Technisch arbeitet der EX-4 mit 48 kHz Samplingrate, 24-Bit-A/D-Wandlung, 32-Bit-D/A-Wandlung und interner 32-Bit-Fließkommaverarbeitung.
Bis zu vier Effektblöcke lassen sich gleichzeitig betreiben. Dabei muss es sich nicht zwangsläufig um vier unterschiedliche Effekte handeln, denn auch mehrere Instanzen desselben Effekttyps sind möglich. Wer beispielsweise zwei unterschiedliche Delays innerhalb einer Signalkette benötigt, kann diese entsprechend konfigurieren.
Interessant wird das EX-4 zusätzlich durch die Möglichkeiten bei der Signalführung. Neben einfachen seriellen Effektketten erlaubt das Pedal auch parallele Routings und Wet/Dry-Konfigurationen. Die Reihenfolge der Effektblöcke lässt sich ebenfalls verändern. Zusätzlich stehen eigenständige Funktionsblöcke für Foot Volume, zwei Noise Suppressor, Send/Return sowie Divider/Mixer bereit. Ein globaler EQ übernimmt bei Bedarf die übergreifende Klangregelung.
Gear Suite Presets für den schnellen Zugriff auf spielbereite Sounds
Trotz der zahlreichen Möglichkeiten soll der EX-4 nicht erst nach längerer Programmierarbeit einsatzbereit sein. Dafür hat BOSS die sogenannte Gear Suite integriert. Für die unterschiedlichen Effekttypen stehen hier bereits vorbereitete Parametereinstellungen zur Verfügung, die sich über einen Regler auswählen lassen. Eigene Einstellungen können anschließend bearbeitet und als Favoriten gespeichert werden.
Für komplette Sounds stehen insgesamt 128 Presets für Gitarre und Bass sowie weitere 128 User-Speicherplätze zur Verfügung. Zwei unterschiedliche Betriebsarten sollen dabei sowohl den klassischen Pedalboard-Einsatz als auch die Arbeit mit vorbereiteten Sounds abdecken. Im Manual Mode verhält sich der EX-4 stärker wie eine Zusammenstellung einzelner Bodenpedale, während der Memory Mode den Zugriff auf gespeicherte Effektkonfigurationen ermöglicht. Bei bestimmten Konfigurationen können Delay- und Reverb-Fahnen zudem beim Speicherplatzwechsel vollständig ausklingen.

Display und Routing
Farbdisplay und frei belegbare Fußschalter
Bedient wird der EX-4 über ein 2,4″ Farbdisplay, auf dem unter anderem die komplette Signalkette, einzelne Effektblöcke und deren Parameter dargestellt werden. Vier separate FX-Taster gehören jeweils zu den entsprechenden Effektblöcken. Ein kurzer Tastendruck schaltet den jeweiligen Effekt ein oder aus, während durch längeres Drücken die Bearbeitung der Parameter aufgerufen wird. Die Farben der Taster orientieren sich dabei an der Darstellung des jeweiligen Effekts im Display.
Für eine schnelle Bedienung – beispielsweise im Porberaum oder auf der Bühne – stehen zwei Multifunktionsschalter mit umlaufenden Farb-LEDs zur Verfügung. Ihre Funktionen können sowohl global als auch individuell für einzelne Speicherplätze konfiguriert werden. Neben dem einfachen Ein- und Ausschalten von Effekten lassen sich beispielsweise Preset-Wechsel, Master Bypass und Tap Tempo auf die Schalter legen. Darüber hinaus unterstützt der EX-4 weitergehende Zuweisungen zur Steuerung einzelner Parameter.
Externe Pedale werden Teil der Effektkette
Gerade bei den Anschlüssen wird deutlich, dass BOSS den EX-4 als Ergänzung für bestehende Pedalboards konzipiert hat. Insgesamt vier Audiobuchsen ermöglichen zunächst einen normalen Mono- oder Stereo-Betrieb. Zwei davon können alternativ als Send und Return genutzt werden. Dadurch lassen sich vorhandene Effektpedale in den Loop des EX-4 integrieren und innerhalb der internen Effektkette positionieren.
So muss beispielsweise ein vorhandenes Lieblings-Overdrive nicht zugunsten der internen Effekte vom Board verschwinden. Stattdessen kann es Bestandteil eines umfangreicheren Routings werden, das interne und externe Effekte miteinander kombiniert.
Zusätzliche Steuerungsmöglichkeiten bieten ein Anschluss für bis zu zwei externe Fußschalter beziehungsweise ein Expression-Pedal sowie TRS-MIDI-In und -Out. Damit lässt sich der EX-4 auch in komplexere MIDI-Setups mit externen Controllern, Switching-Systemen oder MIDI-Clock integrieren. Ein USB-C-Anschluss ist ebenfalls vorhanden.
Multieffekt statt Pedalboard oder warum nicht einfach beides?
Mit dem EX-4 verfolgt BOSS damit einen durchaus interessanten Mittelweg zwischen klassischem Einzelpedal und umfangreichem Multieffektgerät, das jedoch die Grenze zwischen Multieffekt und Modeling-Pedal mit Amps und Cabs nicht überschreitet. Wer bereits ein sorgfältig zusammengestelltes Amp-Setup und Pedalboard besitzt, benötigt schließlich nicht zwangsläufig noch einen vollständigen Modeler inklusive Amp- und Cabinet-Simulationen. Gleichzeitig können zusätzliche Modulations-, Delay- oder Spezialeffekte schnell für Platzprobleme sorgen.
Vier gleichzeitig nutzbare Effekte, flexible Routings und 120 unterschiedliche Effekttypen decken eine Menge zusätzlicher Aufgaben ab, während vorhandene Pedale weiterhin Bestandteil des Setups bleiben können. Mit 117 x 138 x 63 mm und 800 Gramm bleibt das Gerät dabei vergleichsweise kompakt. Das benötigte PSA-S Netzteil gehört bereits zum Lieferumfang.



