Die Epiphone ES-339 Cherry bringt die vertraute ES-Ästhetik in ein deutlich handlicheres Format. Statt der großen 335-Silhouette setzt sie auf einen kompakten, fünflagig laminierten Ahorn-/Pappel-Korpus mit massivem Ahorn-Centerblock, eingeleimtem Mahagonihals und zwei Alnico Classic PRO Humbuckern. Für 649 Euro inklusive Premium Gig Bag richtet sie sich an Gitarristen, die den luftigen, warmen Charakter einer Semi-Hollow suchen, aber im Alltag nicht auf das direkte Spielgefühl und die bessere Kontrollierbarkeit einer kompakteren E-Gitarre verzichten möchten.
Epiphone ES-339 Cherry: klassische Bauweise im kompakten Format
Die ES-339 ist keine verkleinerte Vollresonanzgitarre, sondern eine klassische Semi-Hollow-Konstruktion. Decke, Boden und Zargen bestehen aus fünflagigem Ahorn/Pappel-Laminat, während ein massiver Ahornblock im Inneren Korpus und Hardware verbindet. Dieser Centerblock ist zentral für den Charakter des Instruments: Er verleiht den Noten mehr Direktheit und Sustain, reduziert die Rückkopplungsanfälligkeit bei höheren Lautstärken und behält dennoch einen Teil der offenen, dreidimensionalen Ansprache bei, die eine Semi-Hollow von einer reinen Solidbody unterscheidet.
Die kompakteren Korpusmaße machen sich im Sitzen ebenso wie am Gurt bemerkbar. Wer eine große ES-335 optisch liebt, sie aber als etwas ausladend empfindet, findet in der ES-339 eine sehr praxisnahe Alternative. Sie liegt näher am Körper, lässt sich auf engeren Bühnen angenehmer handhaben und fühlt sich beim Wechsel von Les Paul, SG oder anderen Solidbody-Modellen sofort vertrauter an.
Optisch bleibt Epiphone bei der bewährten Formel: Cherry-Hochglanzlackierung, cremefarbenes Binding an Decke und Boden, Doppel-Cutaway, f-Löcher und der traditionelle Kalamazoo-Headstock sorgen für einen ausgesprochen klassischen Auftritt. Die ES-339 wirkt dabei nicht wie ein reines Vintage-Replikat, sondern wie eine funktionale Allround-Gitarre mit klarer stilistischer Verankerung.

Mahagonihals mit Rounded-C-Profil
Der eingeleimte Mahagonihals besitzt ein Rounded-C-Profil und trifft damit eine angenehm universelle Mitte. Er ist weder extrem schlank noch ausgesprochen kräftig und bietet eine solide Grundlage für Akkordspiel, Blues-Licks und melodisches Lead-Spiel. Das 12-Zoll-Palisandergriffbrett mit seinen 22 Medium-Jumbo-Bünden unterstützt eine flache, kontrollierte Saitenlage und lässt auch Bendings in höheren Lagen problemlos zu.
Mit ihrer 24,75-Zoll-Mensur beziehungsweise knapp 629 Millimetern bleibt die Epiphone ES-339 im klassischen Gibson-/Epiphone-Bereich. Die Saitenspannung wirkt dadurch etwas geschmeidiger als bei Instrumenten mit Fender-Mensur. Das kommt vor allem Spielern entgegen, die viel mit Vibrato, Bendings und dynamischer Anschlagskontrolle arbeiten.
Der Graph-Tech-Sattel ist in dieser Preisklasse ein sinnvolles Detail. Er soll die Reibung der Saiten reduzieren und unterstützt gemeinsam mit den Epiphone Deluxe Mechaniken eine stabile Stimmung. Gerade bei einer feststehenden Tune-o-Matic-Konstruktion ist das eine gute Basis für einen unkomplizierten Alltagseinsatz.

Alnico Classic PRO Humbucker: warm, offen und vielseitig
Klanglich wird die Epiphone ES-339 Cherry von zwei Alnico Classic PRO Humbuckern geprägt. Sie setzen nicht auf maximalen Output, sondern auf einen ausgewogenen, klassischen PAF-orientierten Grundcharakter. Das passt hervorragend zum Konzept der Gitarre: Der Hals-Humbucker liefert warme, volle Clean-Sounds mit gutem Fundament und einer angenehmen Offenheit in den Höhen. Für Jazz, Soul, Blues, Singer-Songwriter-Produktionen oder weich angezerrte Indie-Sounds ist diese Position besonders überzeugend.
Der Steg-Pickup bringt mehr Biss und Durchsetzungskraft, bleibt aber weit genug von modernen High-Gain-Humbuckern entfernt, um den Grundton der Gitarre nicht zu verdichten. Crunch-Sounds profitieren von einer klaren Ansprache und einem präsenten, aber nicht unangenehm scharfen Mittenbereich. Riffs erhalten Kontur, während Leads ein leicht vokales Sustain entwickeln können.
Besonders sinnvoll ist die Mittelstellung des Dreiwegschalters. Hier verbinden sich die Wärme des Hals-Pickups und der Fokus des Steg-Humbuckers zu einem ausgewogenen, transparenten Klangbild. Funkige Clean-Parts, angezerrte Rhythmusgitarren oder doppelte Gitarrenspuren im Arrangement profitieren von dieser vielseitigen Einstellung.

Klassische Elektronik mit separaten Reglern
Epiphone stattet die ES-339 mit zwei Volume- und zwei Tone-Reglern sowie CTS-Potentiometern aus. Das erlaubt eine deutlich differenziertere Klangformung als ein vereinfachtes Master-Volume-/Master-Tone-Layout. Die Lautstärken der beiden Pickups lassen sich vorwählen, sodass sich in der Mittelstellung des Schalters individuelle Mischungen einstellen lassen.
So kann beispielsweise der Hals-Pickup etwas zurückgenommen werden, während der Steg-Pickup die Attack-Spitze liefert. Ebenso lassen sich die Höhen am Hals-Humbucker für wärmere Jazz- und Blues-Sounds reduzieren, ohne den Steg-Sound gleichzeitig abzudunkeln. Wer seine Gitarre als Teil des Instruments versteht und nicht nur zwischen drei festen Pickup-Positionen umschaltet, bekommt hier ein sehr musikalisches Bedienkonzept.
Ein Coil-Split ist nicht vorhanden. Das ist angesichts des konsequent klassischen Ansatzes nachvollziehbar, begrenzt die ES-339 aber etwas gegenüber modernen Allround-Modellen mit zusätzlichen Schaltoptionen. Wer dezidierte Single-Coil-Sounds oder besonders drahtige Funk-Texturen sucht, wird sie eher als Ergänzung zu einer Strat- oder Tele-artigen Gitarre einsetzen.

LockTone-Hardware und Praxistauglichkeit
Die LockTone Tune-o-Matic Bridge mit LockTone Stop Bar gehört zu den bewährten Komponenten des Konzepts. Anders als bei einer frei aufliegenden Brücke verbleibt die Hardware beim Saitenwechsel an ihrer Position. Das erleichtert den Saitenwechsel und hilft dabei, die zuvor eingestellte Saitenlage nicht unnötig zu verändern.
Die feste Brückenkonstruktion passt außerdem hervorragend zur Semi-Hollow-Bauweise: Sie unterstützt einen direkten Anschlag, präzise Intonation und ein stabiles Sustain. Zusammen mit dem Centerblock entsteht ein Klang, der mehr Luft und Resonanz als eine typische Solidbody transportiert, bei Bandlautstärke aber wesentlich kontrollierter bleibt als eine vollständig hohle Archtop.
Der mitgelieferte Premium Gig Bag erhöht den praktischen Wert des Pakets spürbar. Gerade bei einem Instrument mit großem Korpus ist eine passende, gut schützende Transportlösung mehr als bloß eine Beigabe.

Für wen eignet sich die Epiphone ES-339 Cherry?
Die Epiphone ES-339 Cherry ist eine gute Wahl für Gitarristen, die eine vielseitige Semi-Hollow im klassischen Stil suchen und sich mit einer großformatigen ES-335 nicht vollständig anfreunden können. Ihre Stärken liegen in Blues, Classic Rock, Indie, Soul, Pop, Jazz und allen Produktionen, in denen eine Gitarre warm, organisch und zugleich ausreichend fokussiert klingen soll.
Auch als einzige E-Gitarre für ein stilistisch breites Projektstudio kann sie funktionieren. Sie ersetzt keine moderne Metal-Gitarre mit High-Output-Pickups, keine Telecaster mit charakteristischem Twang und keine Strat mit Zwischenpositionen. Dafür verbindet sie mehrere musikalische Rollen sehr überzeugend: weiche Akkorde, knackige Crunch-Rhythmen, singende Leads und räumliche Clean-Sounds.

Mit der ES-339 Cherry liefert Epiphone eine überzeugend ausgestattete Semi-Hollow-E-Gitarre für 649 Euro. Das kompakte Format ist ihr entscheidender Vorteil: Sie bewahrt die elegante Optik und den offenen Klangcharakter einer ES-Konstruktion, wirkt aber im Handling deutlich näher an einer Solidbody. Der Centerblock sorgt für Sustain und bessere Rückkopplungskontrolle, während die Alnico Classic PRO Humbucker den klassischen, warmen Klangbereich von Clean bis Crunch souverän abdecken. Die fehlende Coil-Split-Funktion zeigt, dass Epiphone die ES-339 bewusst traditionell positioniert. Wer genau diesen authentischen Semi-Hollow-Ansatz sucht, bekommt eine vielseitige, komfortable und optisch sehr gelungene Gitarre inklusive Gig Bag. Pro Contra Link zum Hersteller: EpiphoneFazit: Epiphone ES-339 Cherry
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