Brian May gegen KI: „Wir brauchen sie nicht“

Brian May hat ein Problem mit künstlicher Intelligenz – und neuerdings auch mit einem fünften Mitglied von Queen. Nach eigener Aussage ließ der 79-jährige Gitarrist Meta AI das Cover des 1980 erschienenen Albums ‚The Game‘ reproduzieren. Das Ergebnis hat mit Freddie Mercury, Roger Taylor, John Deacon und May selbst nur noch entfernt zu tun. Statt vier Queen-Musikern zeigte die KI fünf ziemlich frei erfundene Gestalten. May teilte das Bild auf Instagram und kommentiert trocken: „Ich habe Meta AI gebeten, mir zu zeigen, wie das Cover des Albums ‚The Game‘ aussieht. Das ist das Ergebnis! Nicht schlecht, oder?“

Das ist natürlich sarkastisch gemeint, aber sein Ton ist damit gesetzt: „Das ist also die Art von Intelligenz, die bald die Welt beherrschen wird??!“, schreibt May und schiebt hinterher: „Vielleicht ist jetzt der Moment, zu erkennen: WIR BRAUCHEN KI GAR NICHT!!!“ Anschließend wird der Queen-Gitarrist deutlich ernster. Der Preis, den die Gesellschaft für diese vermeintlich unvermeidliche Entwicklung zahlen werde, sei viel zu hoch. Dabei geht es May inzwischen nicht mehr allein um Kunst und Musik. Er richtet sich auch gegen den Bau großer Rechenzentren in Großbritannien und deren Auswirkungen auf Umwelt und Landschaft. Seinen Post adressiert er auch direkt an den neuen britischen Premierminister Andy Burnham: „Lieber Andy – du musst das jetzt stoppen. Bevor es zu spät ist.“

 

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2023 als Wendepunkt

Ganz neu ist Mays Skepsis gegenüber KI nicht. Bereits 2023 sprach der Gitarrist und promovierte Astrophysiker in einem Interview ausführlich über das Thema. Damals bereitete ihm vor allem die Entwicklung innerhalb der Kunst Sorgen: „Wir werden nicht wissen, was von KI und was von Menschen geschaffen wurde.“ Alles werde zunehmend verschwimmen und schwerer auseinanderzuhalten sein. Seine Prognose fiel drastisch aus: „Ich glaube, wir könnten auf das Jahr 2023 als das letzte Jahr zurückblicken, in dem Menschen die Musikszene wirklich dominierten.“

Dabei argumentierte May damals keineswegs grundsätzlich technikfeindlich. KI könne durchaus „viele großartige Dinge“ hervorbringen, weil sie Menschen bei der Lösung von Problemen unterstützen könne. Gleichzeitig sah er schon damals ein enormes Missbrauchspotenzial – weit über die Musik hinaus. In einem weiteren Interview aus demselben Jahr sprach er ebenfalls über mögliche gefährliche Anwendungen künstlicher Intelligenz.


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Drei Jahre später klingt May deutlich weniger abwägend. Aus der Sorge um die Zukunft menschlicher Kreativität ist grundsätzlicher Widerstand geworden. Dass ausgerechnet ein misslungenes Queen-Cover den Anlass dafür liefert, besitzt eine gewisse Komik. Das eigentliche Thema dahinter nimmt May allerdings sehr ernst: Wer erschafft künftig Musik und Bilder, wie lässt sich menschliche Arbeit davon unterscheiden – und welchen Preis zahlen wir für die dafür notwendige Infrastruktur? Seine Antwort fällt diesmal ungewöhnlich eindeutig aus: Vielleicht brauchen wir KI schlicht nicht. Zumindest in Musikerkreisen dürfte er damit auf wenig Widerspruch stoßen.

Über die Auswüchse, die KI in der Musik annehmen kann, haben wir schon an anderer Stelle berichtet:
„Die KI kann auch Blues – und viele fallen darauf rein“

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