Der Blues ist tot? Charlie Musselwhite und GA-20 würden darüber vermutlich nur müde lächeln. Auf ‚Blues Now‘, ihrem gemeinsamen Album, das am 31. Juli über New West Records erscheint, treffen mehr als 60 Jahre Bluesgeschichte auf die Energie einer Band, die den staubigen Chicago-Sound nicht konservieren, sondern weiterdenken will. Das Ergebnis ist eine Platte, die trotz ihres nostalgischen Grundtenors bewusst im Hier und Jetzt verankert ist.
Die Zusammenarbeit hat eine lange Vorgeschichte. Bereits 2008 holte Mundharmonika-Legende Charlie Musselwhite den jungen Gitarristen Matthew Stubbs in seine Tourband. Aus einer zunächst pragmatischen Idee entstand Jahre später mit GA-20 ein Trio, das mit kompromisslosen Live-Shows und einer Vorliebe für den rohen Blues der 50er- und 60er-Jahre schnell Aufmerksamkeit erregte. Nun treffen beide Welten auf ‚Blues Now‘ erneut aufeinander. Allerdings nicht in der klassischen Konstellation aus Solist und Begleitband, sondern als gleichberechtigtes Quartett.
Traditionell und überraschend frisch
Aufgenommen wurde das Album Anfang 2025 innerhalb von nur sechs Tagen im Rare-Signals-Studio in Cambridge, Massachusetts. Die Musiker spielten gemeinsam in einem Raum, verzichteten weitgehend auf Overdubs und nahmen Fehler bewusst in Kauf. Genau diese Unmittelbarkeit lässt die zehn Songs kantig und gleichzeitig klingen. Musikalisch bewegt sich ‚Blues Now‘ tief im Chicago Blues, öffnet sich aber immer wieder anderen Einflüssen. Das swingende ‚I Can’t Hold Out‘ erinnert an klassischen Rhythm and Blues, ‚Crazy Love‘ setzt auf schwere Gitarrenriffs, und mit ‚Cristo Redentor‘ wagt sich die Band zum Abschluss sogar in jazzige Gefilde vor. Besonders letzteres Stück nimmt eine zentrale Rolle ein: Bereits auf Musselwhites Debüt ‚Stand Back!‘ von 1968 enthalten, gehört die Komposition heute zu seinen Markenzeichen. Die neue Version mit Cody Nilsens Lap-Steel-Gitarre ist als einer der Höhepunkte des Albums hervorzuhoben.

Überhaupt lebt die Platte vom Zusammenspiel ihrer Protagonisten. Cody Nilsen und Musselwhite wechseln sich am Mikrofon ab, Matthew Stubbs liefert mal knochentrockene Blues-Licks, mal überraschend schwere Gitarrenfiguren, während Josh Kiggans am Schlagzeug für den nötigen Druck sorgt. Dass die Band weitgehend auf einen Bass verzichtet, verleiht den Songs zusätzlich eine raue Direktheit. Dabei geht es GA-20 ausdrücklich nicht darum, ein Museum zu eröffnen. „Es muss nicht jede Sekunde eine Geschichtsstunde sein“, sagt Stubbs in der offiziellen Biografie. Andere Genres hätten längst ihre Renaissance erlebt, nun sei es an der Zeit, auch dem Blues neues Leben einzuhauchen. Das Album erinnert zwar ständig an die Vergangenheit, zeigt aber gleichzeitig, dass der Blues auch im Jahr 2026 noch Musiker hervorbringt, die seinen Geist weitertragen.

Tracklist
01. Crazy Love
02. I Can’t Hold Out
03. I’ll Change My Style
04. Big Stars Falling
05. Universal Rock
06. The Blues Never Die
07. Strange Land
08. Stroll Out West
09. Short Dress Woman
10. Cristo Redentor
Album-VÖ: 31. Juli 2026
Label: New West Records
www.ga20band.com
www.charliemusselwhite.com


