Platte der Woche: GRAHAM COXON „Castle Park“

Fünfzehn Jahre sind im Musikgeschäft eine Ewigkeit. In dieser Zeit hat Graham Coxon zwei neue Blur-Alben veröffentlicht, Soundtracks komponiert, mit The Waeve eine neue Band gegründet und zahlreiche weitere Projekte umgesetzt. Und doch lag während all dieser Jahre ein fertiges Album bei ihm in der Schublade herum, das bereits 2011 entstanden ist. Nun erscheint ‚Castle Park‘ über Transgressive Records – und man hört den zehn Songs ihr Alter aber mal so gar nicht an!

„Ein schelmisches Album“

2011 zogen sich Produzent Ben Hillier und Coxon gemeinsam in die Pool Studios in Bermondsey zurück und nahmen innerhalb weniger Wochen rund 20 Songs auf. „Wir sind ständig zwischen den 20 Songs hin- und hergesprungen und haben sie ziemlich ungeordnet aufgenommen“, erinnert sich der Gitarrist. „Im Grunde hatten wir einfach jede Menge Spaß.“ Schnell zeigte sich jedoch, dass das Material in zwei unterschiedliche Richtungen driftete. Ein Teil entwickelte sich zu dem kantigen, von Post-Punk und elektronischen Einflüssen geprägten Album ‚A+E‘, das 2012 erschien. Die übrigen Stücke landeten dagegen auf einem separaten Stapel, der schließlich den Namen ‚Castle Park‘ erhielt.

(© James Kelly)
(© James Kelly)

„A+E war so ungestüm, dem Album war einfach alles scheißegal“, erinnert sich Coxon. „Es bestand aus Riffs, die einem direkt um die Ohren fliegen, und hatte etwas herrlich Freches. Daneben gab es aber diese andere Seite, aus der Castle Park entstand – ein schelmisches Album über Romantik, Trennungen, Herzschmerz und das Gefühl von Entfremdung.“ Dieser Gegensatz prägt das Album bis heute.

Der Titel verweist auf einen Park in Coxons Heimatstadt Colchester, wo er als Jugendlicher viel Zeit verbrachte. Entsprechend durchziehen Erinnerungen, verlorene Beziehungen und nostalgische Bilder das gesamte Album. „Ein paar Beziehungen waren gescheitert, und ich hatte damals immer wieder mit Herzschmerz zu kämpfen. Entsprechend stark war der Jugendliche in mir noch präsent.“ Trotzdem oder gerade deswegen kommen die zehn Songs erstaunlich leichtfüßig daher. Sentimental und beschwingt gleichzeitig.

Schrammelige Signature-Sounds

Bereits der Opener ‚Billy Says‘ macht deutlich, warum diese Stücke nicht auf ‚A+E‘ gelandet sind. Statt schroffer Gitarren und elektronischer Ausbrüche gibt es hier melodieverliebten britischen Gitarrenpop, der an The Jam, The Kinks, The Who oder die Beatles der mittleren Sechzigerjahre erinnert. Auch die Nähe zu Blurs ‚Modern Life Is Rubbish‘ und ‚Parklife‘ lässt sich stellenweise kaum überhören. Gleichzeitig bleibt Castle Park unverkennbar ein Solowerk. Coxon setzt stärker auf klassische Songstrukturen, eingängige Refrains und fein ausgearbeitete Arrangements. Immer im Mittelpunkt: Schrammelige E- oder A-Gitarren, meistens Dur-Akkorde intonierend.

Coxon hatte im Jahr 2011 gerade ein Signature-Modell einer Fender Telecaster auf den Leib geschneidert bekommen, mit einem Seymour Duncan SH-1 Humbucker am Hals, einem klassischen Tele-Singlecoil am Steg sowie einem Eschekorpus und Palisandergriffbrett. Die Fender Graham Coxon Telecaster basiert auf der modifizierten 1968er Telecaster des Blur-Gitarristen und ist heute nicht mehr erhältlich. (Am nähesten an die Coxon-Spezifikationen kommt aktuell die Fender Player II Modified Telecaster SH MN.)


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Fender Player II Modified Telecaster SH MN

Akkordfolgen im Traum

Mit Stücken wie ‚There’s A Little House‘, ‚Easy‘ oder ‚Alright‘ bewegt sich das Album teilweise näher am klassischen Pop als viele seiner früheren Soloveröffentlichungen. Coxon selbst bezeichnet ‚Castle Park‘ als „a lot softer and warmer record“. Dennoch bleibt genug Raum für Experimente. Das verträumte ‚Isn’t It Funny‘ entstand teilweise aus einem Traum: „Die gesamten Background-Gesänge und die Akkordfolgen habe ich im Traum gehört“, erzählt Coxon. „Da dachte ich nur: Mein Gott, daraus muss ich einen Song machen.“ Das Instrumental ‚Mélodie Pour Christine‘ erweitert das Klangbild um barocke Streicher, während ‚Dripping Soul‘ mit seinem galoppierenden Rhythmus und den Morricone-Anleihen stark an Coxons Soundtrack-Arbeiten erinnern.


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Fender Player II Jazzmaster RW 3-Color Sunburst

Tracklist

01. Billy Says
02. Alright
03. When You Find Out
04. Isn’t It Funny
05. There’s A Little House
06. Easy
07. Dripping Soul
08. Forget Today
09. Mélodie Pour Christine
10. All The Rage

Album-VÖ: 19. Juni 2026
Label: Transgressive Records / PIAS Records
www.grahamcoxon.co.uk

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