Platte der Woche: MUSE „The Wow! Signal“

Muse waren ja noch nie besonders gut darin, kleine Brötchen zu backen. Während andere Bands über Beziehungen, Befindlichkeiten und Banalitäten schreiben, schießen Matt Bellamy, Dominic Howard und Chris Wolstenholme seit einem Vierteljahrhundert lieber Satelliten ins All. Verschwörungstheorien, schwarze Löcher, künstliche Intelligenz oder Weltuntergang, kleiner geht’s selten. Und das meist a) mit großen Worten und noch größerem Pathos und b) mit entsprechend opulenter musikalischer Untermalung. Mal funktionierte das hervorragend, mal wirkte es überladen. Das neue Album ‚The Wow! Signal‘ findet nun einen bemerkenswerten Mittelweg.

Der Albumtitel bezieht sich auf dieses rätselhafte Radiosignal, das 1977 Astronomen für einen kurzen Moment glauben ließ, nicht allein im Universum zu sein. Muse interessiert dabei weniger die wissenschaftliche Erklärung als die Sehnsucht, die dahintersteckt. Was wäre, wenn tatsächlich jemand antworten würde? Diese Frage zieht sich durch das gesamte Album. Hinter den kosmischen Bildern stecken Zweifel, Hoffnung und der Wunsch nach Nähe. Das Universum dient diesmal weniger als Bühne für den Weltuntergang als vielmehr als Spiegel menschlicher Gefühle – kumuliert in so Sätzen wie „I can never cry again“ oder „I’ve used up every ounce of luck“.

Musikalisch bleiben Muse ihrer DNA treu. Matthew Bellamys Gitarrenwände (gespielt auf seiner Manson Guitar Works Signature) treffen auf Synthesizer, orchestrale Arrangements auf elektronische Beats, darüber Bellamys Stimme. Das klingt gewohnt gigantisch, wirkt aber durch die dann doch vergleichsweise abgespeckte Produktion deutlich stringenter als auf manchen Vorgängern. Die Band verzichtet weitgehend auf überflüssige Umwege und vertraut wieder stärker ihren Songs.

Natürlich bleibt ‚The Wow! Signal‘ ein großes und theatralisches Album, das einen (gerade im Zusammenhang mit den Videos) an Action-Epi aus Hollywood denken lässt. Aber der Bombast wirkt diesmal nicht wie Selbstzweck, sondern trägt die Songs, statt sie zu erdrücken. Muse scheinen gelernt zu haben, ihren Hang zum Größenwahn zu dosieren.

Tracklist

01. The Dark Forest
02. Nightshift Superstar
03. Shimmering Scars
04. Cryogen
05. Be With You
06. Hexagons
07. The Sickness In You & I
08. Unravelling
09. Hush
10. Space Debris

Album-VÖ: 26. Juni 2026
Label: Warner / Helium-3
www.muse.mu


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Faber Music Muse: The Guitar Songbook

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