Du spielst Akustikgitarre und möchtest dir nun dein erstes Instrument kaufen? Glückwunsch, denn nun startet ein wahres Abenteuer. Doch wie in jeder spannenden Story musst du auch hier einige Hürden überwinden. Gerade am Anfang, wenn du noch nicht so erfahren und von der riesigen Auswahl an Gitarren schlichtweg überwältigt bist. Um die passende Gitarre für dich zu finden, solltest du nämlich einige Punkte beachten, sodass dein musikalischer Weg eine wahre Freude wird. Damit du nicht schon zu Beginn stolperst, nennen wir dir in diesem Beitrag die 10 häufigsten Fehler beim Kauf einer Akustikgitarre und wie du sie ganz einfach vermeidest.
1. Nur auf den Preis achten

Verständlicherweise spielt der Preis beim Kauf einer Akustikgitarre eine wichtige Rolle. Es gibt Gitarren in Hülle und Fülle von günstigen Modellen ab bereits 60 Euro bis hin zu Profiinstrumenten, die locker mehrere tausend Euro kosten.
Dabei ist der Fehler jedoch nicht, die günstigste Gitarre zu kaufen, sondern die Gitarre nur nach dem Preis auszuwählen. Schon im unteren Preissegment gibt es absolut solide Einsteigerinstrumente, allerdings auch solche, deren Verarbeitung, Bespielbarkeit und Klang zu wünschen übrig lassen. Achte daher stattdessen auf eine gute Verarbeitung, eine angenehme Bespielbarkeit sowie eine stabile Stimmung. Lies dir auch die Bewertungen und Erfahrungen anderer Spieler durch. Für viele Modelle findest du außerdem ausführliche und ehrlich geschriebene Testberichte.
Unser Tipp: Setze dir ein Budget, aber bewerte die Gitarre nicht ausschließlich nach dem Preis. Eine günstige Gitarre bietet dir einen hervorragenden Einstieg, muss aber auch qualitativ überzeugen.
2. Beim Kauf einer Akustikgitarre nur auf die Optik achten
Klar gibt es echt schicke Akustikgitarren und viele Hersteller ziehen in puncto Design auch sämtliche Register, allerdings sollte dies auf der Liste der Prioritäten ganz unten stehen. Ein schönes Finish und viele dekorative Details sind zweifellos beeindruckend, sagen aber wenig über Klang, Spielgefühl und Verarbeitung aus. Denn eine Gitarre, die fantastisch aussieht, muss nicht zwangsläufig zu deinem Spielstil passen.
Höre dir daher Soundbeispiele an und probiere das Instrument nach Möglichkeit selbst aus. Besonders Halsprofil, Saitenlage und die Korpusform beeinflussen das Spiel enorm und können dir das Üben ordentlich verhageln, wenn sie nicht passen.
3. Die falsche Korpusform wählen
Nicht jede Akustikgitarre fühlt sich gleich an. Im Bereich der Westerngitarren unterscheiden sich Dreadnought, Grand Auditorium, Concert oder Jumbo deutlich im Klang und der Ergonomie. Da die Dreadnought das beliebteste Modell ist und die traditionelle Westerngitarre repräsentiert, greifen auch viele Anfänger nach ihr, obwohl sie mit einer kleineren Korpusform besser beraten wären.

Kurzer Überblick: Die große Dreadnought zeichnet sich durch kräftige Bässe aus und eignet sich ideal für kräftiges Strumming. Speziell unter Singer-Songwritern und Countrymusikern erfreut sie sich einer hohen Beliebtheit. Einen ausgewogenen Klang für viele Spielstile erzeugt unterdessen die kompaktere Grand Auditorium, die man aufgrund ihrer Vielseitigkeit als einen wahren Allrounder bezeichnen kann. Concert-Westerngitarren hingegen sind in ihrer Bauform kleiner und haben oftmals eine kürzere Mensur, etwa die Grand Concert von Taylor. Sie sind daher besonders für kleinere Leute geeignet. Wer nach einer Extraportion Lautstärke und Klangvolumen sucht, landet schlussendlich wahrscheinlich bei einer Jumbo.
Da du dich am Anfang allerdings noch an das Instrument gewöhnen musst, spielt der Komfort eine große Rolle. Berücksichtige also nicht nur deinen Spielstil, sondern auch deine Körpergröße. Gerade Kinder, Jugendliche und kleinere Erwachsene kämpfen oft mit zu großen Instrumenten. Das ist nicht zu unterschätzen, denn eine unpassende Größe beeinträchtigt Haltung, Technik und Spielspaß. Aus diesem Grund gibt es auch unter den Konzertgitarren neben der 4/4-Größe (also der Vollgröße) 1/4-, 1/2-, 3/4- und 7/8-Gitarren, die sich optimal an Alter und Größe anpassen lassen. Kleinere Westerngitarren-Korpusformen sind hingegen Parlor-Gitarren, Mini-Gitarren oder auch Reisegitarren. Dank dieser umfassenden Auswahl findet garantiert jeder die richtige Korpusform.
4. Die Bedeutung der Tonhölzer überschätzen
Der Fehler vieler Kaufberater besteht darin, Tonhölzer zu einem der wichtigsten Kaufkriterien zu machen. Für Fortgeschrittene und Profis ergibt dies durchaus Sinn, doch die Zielgruppe Anfänger sollte den Fokus auf andere Kriterien legen. In der Praxis haben nämlich andere Faktoren deutlich mehr Einfluss auf die Zufriedenheit mit einer Gitarre. Stelle dir beim Kauf einer Akustikgitarre daher lieber die Fragen:
- Fühlt sich die Gitarre gut an?
- Macht sie Spaß?
- Passt die Größe zu mir?
- Gefällt mir der Klang?
- Liegt sie in meinem Budget?
Natürlich haben Tonhölzer Einfluss auf den Klang einer Akustikgitarre, allerdings sind die Unterschiede subtiler, als viele Marketingtexte vermuten lassen. Ein Anfänger wird vermutlich die klanglichen Unterschiede zwischen Sitka-Fichte und Adirondack Fichte nicht heraushören können.
Vertraue deinen Händen und Ohren daher mehr als einem Datenblatt. Eine Gitarre, die du gerne in die Hand nimmst, ist mehr Wert als ein Instrument, das auf dem Papier die perfekten Spezifikationen aufweist.
5. Nur auf massive Tonhölzer setzen
Taucht man tiefer in das Thema Akustikgitarren ein, kommt man um zwei Begriffe nicht herum: massiv und laminiert. Gitarren, die über eine massive Decke verfügen oder sogar vollmassiv gefertigt sind, charakterisieren sich durch eine bessere Resonanz und sind teurer als Modelle aus Laminat. Laminierte, also geschichtete Tonhölzer, weisen hingegen einen weniger komplexen Klang auf, sind aber auch günstiger und robuster gegenüber Klimaeinflüssen.
Doch die klanglichen Unterschiede sollten dich nicht verunsichern. Ist die Gitarre gewissenhaft durch qualifiziertes Fachpersonal gefertigt, klingen auch laminierte Tonhölzer hervorragend. Gerade Anfängergitarren bestehen meist aus Laminat und bereiten viel Freude. Möchtest du aber keinesfalls auf die Durchsetzungsstärke einer Massivholzgitarre verzichten, sind Modelle mit einer massiven Decke oft der beste Kompromiss zwischen Preis und Klangqualität. Unter anderem findest du im Sortiment von Fender eine Auswahl teilmassiver Akustikgitarren zum verhältnismäßig kleinen Preis.

Fender CD-60S Natural
6. Das Spielgefühl beim Kauf einer Akustikgitarre ignorieren
Eine Gitarre kann hervorragend klingen, aber trotzdem nicht zu dir passen. Fühlt sie sich beim Spielen unangenehm an, steht sie in absehbarer Zeit wahrscheinlich nur in der Ecke, was schade wäre. Gründe für ein ungutes Spielgefühl sind vielfältig. Dazu zählen zu breite oder zu schmale Hälse, eine zu hohe Saitenlage oder auch ungewohnte Halsprofile, die das Spielen unnötig erschweren.
Achte dabei auf jeden Fall auf die Halsbreite, das Halsprofil, die Saitenlage, den Griffbrettradius und das Gesamtgewicht. Eine bequem spielbare Gitarre motiviert deutlich mehr als ein klanglich perfektes, aber unhandliches Instrument.

7. Funktionen kaufen, die man (noch) nicht braucht
Viele Einsteiger achten beim Kauf einer Akustikgitarre auf möglichst viele Features wie Tonabnehmer, Cutaway oder spezielle Elektroniksysteme. Am Anfang brauchst du diese jedoch nicht, weil für dich zunächst das Erlernen des Instruments im Vordergrund stehen sollte. Wenn du dabeibleibst und live spielen möchtest, kannst du deine Gitarre immer noch nachrüsten lassen oder dir ein Instrument für Fortgeschrittene anschaffen. Letzteres machen sowieso die meisten, denn wer einmal Feuer gefangen hat, wird schnell zum Sammler.
8. Wichtiges Zubehör nicht berücksichtigen
Die Gitarre selbst ist nur ein Teil der Investition. Zusätzlich benötigst du Zubehör zur Aufbewahrung, Pflege und zum Spielen. Wichtig ist dabei die Art der Aufbewahrung. Um die Gitarre speziell bei Extremtemperaturen vor Klimaeinflüssen zu schützen, solltest du definitiv einen Gitarrenkoffer oder ein Gigbag erwerben. Die gute Nachricht: Viele Modelle haben bereits eines der beiden Optionen im Lieferumfang, sodass du ein Behältnis schon einmal von der Liste streichen kannst. Auch ein Gitarrenständer zur vorübergehenden Aufbewahrung ist dringend empfehlenswert, denn „mal eben schnell an die Wand lehnen“ führt schnell zu „ab zur Reparatur“ 😉. Pflegeprodukte wie ein Mikrofasertuch und das ein oder andere Reinigungsmittel sind ebenfalls ratsam.
Bevor du losspielst, solltest du deine Gitarre natürlich stimmen, ansonsten wird es schräg. Stelle also sicher, dass du beim Kauf einer Akustikgitarre gleich ein Stimmgerät dazupackst. Alternativ gibt es mittlerweile viele ausgezeichnete Möglichkeiten, die Gitarre mit dem Handy zu stimmen. Ein Satz frischer Saiten darf auch gleich gerne mit in den Warenkorb. Saiten sind Abnutzungsgegenstände und müssen regelmäßig gewechselt werden, da sie mit der Zeit ihre klangliche Brillanz verlieren. Weiteres Zubehör wie Kapodaster oder Plektren sind zu Beginn noch nicht zwingend erforderlich, weshalb du sie einfach besorgen kannst, wenn du merkst, dass du sie brauchst.

9. Sich von Trends statt vom eigenen Bedarf leiten lassen
Wenn du vor dem Kauf einer Akustikgitarre zunächst recherchiert hast, hast du bestimmt schon viele Trends mitbekommen. Darüber hinaus hast du vielleicht einen Lieblingskünstler, dem du nacheiferst und der ganz zufällig in Zusammenarbeit mit einem Hersteller ein Signature-Modell auf den Markt gebracht hat.
Doch die populärste oder die perfekte Gitarre für einen Profi muss nicht zwingend die richtige Wahl für dich sein. Frage dich vor dem Kauf, welche Features du für ein komfortables Spiel brauchst, welche Musik du spielst und welche Klangcharakteristik dir gefällt. Ein Fingerstyle-Spieler hat andere Anforderungen als ein Singer-Songwriter oder Lagerfeuer-Gitarrist. Die beste Akustikgitarre ist diejenige, die dich zum Spielen inspiriert.
10. Die Gitarre nicht in die Hand nehmen oder ausprobieren
Ein unterschätzter Fehler ist definitiv, die Gitarre zunächst nicht auszuprobieren. Den vielfach erwähnten Spielkomfort testest du nämlich nur, wenn du verschiedene Instrumente anspielst und miteinander vergleichst. Zwar ist Online-Shopping bequem und war noch nie so leicht wie heute, aber hier bekommst du nicht die Möglichkeit, dich umfassend durchs Sortiment zu spielen. Grundlegend ist nämlich auch die Entscheidung, ob du mit einer Konzert- oder einer Westerngitarre starten möchtest – und diese Entscheidung ist unkomplizierter in einem Gitarrengeschäft zu treffen, wo du nicht erst einen Kaufvertrag eingehen und dann einige Tage auf die Lieferung warten musst.
Außerdem können zwei Instrumente auf dem Papier nahezu identische Spezifikationen haben und sich dennoch völlig unterschiedlich anfühlen. Selbst innerhalb einer Modellreihe können minimale Unterschiede auftreten, zwischen denen für dein persönliches Empfinden aber Welten liegen. Wer keine Möglichkeit hat, ein Musikgeschäft zu besuchen, sollte zumindest auf aussagekräftige Testberichte, Klangbeispiele und Kundenbewertungen zurückgreifen.
Verlasse dich also nicht ausschließlich auf technische Daten oder Produktfotos. Entscheidend ist, wie sich die Gitarre in den Händen anfühlt und ob sie dich zum Spielen motiviert. Die beste Akustikgitarre ist am Ende diejenige, die du gerne und regelmäßig in die Hand nimmst.
Fazit: Fehler beim Kauf einer Akustikgitarre vermeiden
Der Kauf einer Akustikgitarre sollte niemals eine spontane Entscheidung sein. Wer sich vorab mit der Thematik beschäftigt und sich ein Bild darüber macht, wohin er genau möchte, vermeidet teure Fehlkäufe und findet schneller das passende Instrument. Nimm dir die Zeit, verschiedene Modelle zu vergleichen, höre genau hin und achte auf dein persönliches Spielgefühl. Letztendlich entscheidet die Verbindung zwischen Musiker und Instrument.
