Griffbrettradius – Warum die Krümmung des Griffbretts so viel ausmachen kann

Griffbrettradius – Warum die Krümmung deines Griffbretts so viel ausmacht

Wer sich intensiver mit E-Gitarren auseinandersetzt, stößt früher oder später auf den Begriff „Griffbrettradius“ (engl. fretboard radius). Doch was genau verbirgt sich dahinter? Der Radius beschreibt, wie stark das Griffbrett quer zur Halslänge gewölbt ist — also den Krümmungsgrad über die Breite der Saiten. Man kann sich das bildlich vorstellen: Würde die Wölbung zu einem vollständigen Kreis vervollständigt, entspräche der Radius dem Abstand vom Mittelpunkt dieses Kreises bis zu seiner Oberfläche.

Je kleiner der Radius-Wert (z. B. 7,25″), desto stärker ist die Wölbung; je größer der Radius (z. B. 9“, 12″, 16″ oder mehr), desto flacher liegt das Griffbrett. Dieser vermeintlich kleine Unterschied kann einen großen Einfluss darauf haben, wie sich eine Gitarre unter den Fingern anfühlt und entscheidet mit über Spielkomfort, Spieltechnik und bevorzugte Stilrichtungen.

Ich persönlich habe lange unterschätzt, wie unterschiedliche Griffbrettradien zur Spielweise und in Sachen Komfort für unterschiedlichen Genres beitragen. Wer also vor einer Kaufentscheidung steht und sich noch nicht in dieses Thema rund um Griffbrettradien gestürzt hat, der bekommt im folgenden Beitrag alle nötigen Infos über verschiedene Radien und ihren Einfluss auf Spieltechnik und Komfort!

Foto: Fender

Welcher Radius passt zu welchem Spielstil?

Akkord, Rhythmus & klassischer Strumming-Sound

Als Leo Fender Anfang der 1950er-Jahre die Telecaster und kurz darauf die Stratocaster entwickelte, orientierte er sich stark an der damaligen Spielpraxis: Country, Western Swing, frühe Rhythm’n’Blues-Styles und viel Akkordarbeit. Entsprechend wählte Fender sehr runde Griffbrettradien, die der natürlichen Fingerkrümmung beim Akkordspiel entgegenkommen. Die ersten Stratocaster-Modelle erschienen 1954 teilweise sogar mit noch runderem 7″-Radius, bevor sich ebenfalls der 7,25″-Radius, und in den 1980er-Jahren der flachere 9,5″-Radius etablierte.

Ein relativ runder Radius — also mit kleiner Zoll-Angabe wie beispielsweise 7,25“ — ist traditionell bei vielen Vintage- oder Custom-Shop-Gitarren üblich, die entweder wirklich aus den 50er-/60er-Jahren stammen oder mit authentisch gekrümmten Griffbrett nachgebaut werden. Er passt besonders gut zu Rhythmusgitarristen und all denen, die viel mit Barré- und offenen Akkorden arbeiten. Der Grund ist sichtlich einfach: Die gebogene Griffbretthöhe passt sich besser der natürlichen Fingerkrümmung an, was das Greifen mehrerer Saiten gleichzeitig sowie das Barré-Greifen komfortabler und weniger ermüdend macht.

Darstellung eines stärker gewölbten 7,25″-Radius und dem flacheren 9,5″-Radius. – Foto: Fender

Viele E-Gitarren mit klassischem Vintage-Hals setzen auf Radien zwischen 7,25″ und ca. 9,5″. Standardmäßig werden heutige Stratocaster- und Telecaster-Modelle von Fender oder Squier mit einheitlichem 9,5“-Radius gebaut, während andere Modelle wie klassische Gibson-Les-Paul-Gitarren oder Einsteigermodelle aus der Yamaha-Pacifica-Serie auf 12“-Radien setzen.

Der 12“-Radius bietet für viele einen optimalen Komfort, da er nicht zu gekrümmt ist, wie bei Vintage-Gitarren, und weil er nicht zu flach ist, was bei vielen modernen High-End-Gitarren für härtere Stile der Fall ist.

Krummer Vintage-Radius oder flaches Metal-Brett?

Soli, Bendings & schnelle Spielweise mit flachen Griffbrettradien

Wer dagegen gerne Leads spielt, viel bendet, Slides oder schnelle Soli durchzieht, profitiert von flachen Griffbrettern mit großem Radius (z. B. 13″, 14″, 16″ oder mehr). Die geringere Wölbung erlaubt niedrigere Saitenlagen, erleichtert große Bendings ohne Saiten-„Fret-Out“ und macht schnelle, technisch anspruchsvolle Passagen flüssiger.

Gerade bei modernen Gitarren für Metal, Rock, Shred- oder Progressive-Stile sind oft flachere oder sogar Compound-Radius-Griffbretter verbaut, bei denen der Radius von Halsende zu Korpus hin progressiv flacher wird, was ideal ist, um sowohl komfortabel Akkorde zu greifen als auch technisch anspruchsvolle Soli zu spielen.

Compound-Radius

Das Beste aus beiden Welten

Eine besondere Variante ist der sogenannte Compound-Radius, der besonders bei modernen Metal-Gitarren für Komfort sorgt, während beispielsweise zahlreiche Custom-Shop-Gitarren von Fender auf einen Vintage-angehauchten Compound-Radius von beispielsweise 7,25“ bis 9,5“ setzen. Bei diesem Konzept wird das Griffbrett am Halsanfang (nahe dem Sattel) eher rund (kleiner Radius) gehalten, um Komfort beim Akkordspiel und Barré-Griffen in Sattelnähe zu bieten. Wandert man weiter am Griffbrett weiter nach oben, so wird das Griffbrett zunehmend flacher, was Soli, Bendings oder schnelle Riff-Läufe immens erleichtern kann.

Viele moderne Gitarren setzen genau auf diesen Kompromiss, der ideal für Allrounder ist, die sowohl rhythmisch als auch Lead-orientiert spielen. Ein Compound-Radius kann somit sowohl für Einsteiger als auch für erfahrene Spieler einen spürbaren Unterschied im Handling machen.

Nicht verwechseln! Griffbrettraidus und Halsprofil

Ein weit verbreiteter Fehler ist, Griffbrettradius und Halsprofil zu verwechseln: Der Griffbrettradius beschreibt allein die Wölbung des Griffbretts, nicht die Form oder Dicke des Halses. Auch, wenn es zahlreiche Halsprofile gibt, so kann man grob festhalten, dass man zwischen dickeren Vintage-Hälsen (z. B. ’50s Rounded-C) und modernen schmalen Hälsen (z. B. Slim Taper, Speed Neck) unterscheiden kann.

Darstellung verschiedener Halsprofile für E-Gitarre
Darstellung verschiedener Halsprofile. – Foto: Fender

Welcher Griffbrettradius passt zu mir?

Obwohl es nur eine geometrische Eigenschaft ist, beeinflusst der Radius direkt, wie natürlich deine Hand beim Greifen liegt und wie gut langfristiger Komfort und Bespielbarkeit gewährleistet werden kann. Er kann sogar den Unterschied zwischen einem „kompatiblen“ und „unangenehmen“ Halsgefühl machen.

Eine Empfehlung: Wenn möglich, unterschiedliche Gitarren mit verschiedenen Radien ausprobieren, bevor du dich entscheidest. Was für den einen ideal ist, kann für den anderen hinderlich sein. Der Griffbrettradius ist nicht objektiv richtig oder falsch, sondern hängt stark vom eigenen Spielstil, Technik und Komfort ab.

Wer also hauptsächlich auf Rhythmus setzt und viele Standard- oder Barre-Akkorde spielt, der wird mit einem Girffbrettradius zwischen 9,5″ und 12″ den besten Komfort bekommen. Für härtere oder schnellere Musikstile, die stark auf Riffarbeit und prägnante Leads setzen, eignen sich Giriffbrettradien, die zwischen 12″ und 16″ liegen.

Fazit: Warum der Griffbrettradius wichtiger ist, als viele denken

Der Griffbrettradius gehört zu den wichtigsten, aber häufig unterschätzten Merkmalen einer E-Gitarre. Ein kleiner Radius sorgt durch seine stärkere Wölbung für angenehmes Akkordspiel und ein natürliches Griffgefühl, während ein großer, flacher Radius niedrigere Saitenlagen und bessere Voraussetzungen für Bendings, schnelle Läufe und moderne Spieltechniken bietet.

Compound-Radien kombinieren beide Eigenschaften und ermöglichen dadurch ein vielseitiges Spielgefühl über das gesamte Griffbrett hinweg. Da der Radius maßgeblich beeinflusst, wie sich ein Hals anfühlt und wie gut sich eine Gitarre an den eigenen Stil anpasst, lohnt es sich, unterschiedliche Radien auszuprobieren und bewusst in die Kaufentscheidung einzubeziehen.

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Titelbild: Fender

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