Mit über 130 Millionen verkauften Alben, 58 Jahren Bandgeschichte und einem Altersdurchschnitt von 73 (der vom „neuen“ Gitarristen Simon McBride noch drastisch gesenkt wird) könnte man meinen, Deep Purple hätten längst alles gesagt. Stattdessen legen die Briten mit ‚SPLAT!‘ bereits ihr fünftes Studioalbum innerhalb von neun Jahren vor. Wer Zweifel hatte, ob das wohl gutgehen kann, bekommt diese schon in den ersten Sekunden des Openers ‚Arrogant Boy‘ mit den schnellen, abgestoppten Gitarrensechzehnteln ausgetrieben. Oder, wie Schlagzeuger Ian Paice es im Interview mit dpa treffend formuliert: „Es gibt keinerlei Vorwarnung. Bang! Es geht sofort los.“

Dieses kompromisslose Selbstverständnis zieht sich durch das gesamte Album. Produzent Bob Ezrin sitzt zum inzwischen sechsten Mal hinter den Reglern und hat sich längst als unverzichtbarer Sparringspartner etabliert. „Die Zusammenarbeit mit Bob hat der Band eine große Last abgenommen, weil wir nicht mehr versuchen müssen, alles selbst zu machen“, erklärt Paice. Das Ergebnis ist ein Album, das druckvoll, direkt und ausgesprochen lebendig wirkt.
Simon McBride tut der Band gut
Besonders auffällig ist dabei erneut Simon McBride. Nachdem der Nordire auf ‚=1‘ noch beweisen musste, dass er Steve Morse nicht kopieren will, sondern Deep Purple etwas Eigenes geben kann, spielt er auf ‚SPLAT!‘ endgültig seine eigene Rolle als vollwertiger Teil des Bandsounds. Seine Riffs treiben Songs wie ‚Arrogant Boy‘ oder ‚Diablo‘ kraftvoll voran, gleichzeitig streut der PRS-Endorser immer wieder melodische und überraschende Gitarrenideen ein, die den klassischen Purple-Sound erweitern, statt ihn bloß zu zitieren. Dem einen oder anderen mag bei seiner Spielweise ein wenig die Risikobereitschaft fehlen, aber Hand und Fuß haben seine Beiträge immer. Die Hammond-Orgel von Don Airey bleibt unterdessen das zweite prägende Element – und genau dieses Wechselspiel aus Gitarre und Orgel wird in den 13 Songs immer wieder in den Mittelpunkt gestellt.
Auch Sänger Ian Gillan sieht in McBride einen entscheidenden Faktor. „Simon hat einen ganz eigenen Stil und ein hervorragendes Gespür für den Aufbau eines Songs“, sagt der Sänger. Noch wichtiger sei aber die neue Dynamik innerhalb der Band: „Seit Simon zur Band gekommen ist, bin ich eigentlich die ganze Zeit begeistert. Alles läuft ganz natürlich und mühelos. Das Songwriting fällt uns leicht, die Bühnenshows entwickeln sich wie von selbst, und die Fans lieben es.“
Offiziell bezeichnet Deep Purple ‚SPLAT!‘ sogar als ihr härtestes Werk seit vielen Jahren. Gleichzeitig knüpfen die Songs bewusst an die Dynamik der frühen Siebziger an, also der Phase, in der Klassiker wie ‚Machine Head‘ entstanden. Gillan selbst spricht von Material, das wieder mit ‚Highway Star‘, ‚Smoke on the Water‘ oder ‚Lazy‘ kompatibel sei – nicht als Kopie, sondern wegen der Balance, Dynamik und des gemeinsamen Spiels.
Tracklist
01. Arrogant Boy
02. Diablo
03. The Rider
04. The Lunatic
05. The Only Horse in Town
06. Sacred Land
07. The Beating of Wings
08. Guilt Trippin‘
09. Scriblin‘ Gib’rish
10. Jessica’s Bra
11. Third Call
12. My New Movie
13. Splat!
Album-VÖ: 03. Juli 2026
Label: earMusic
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