EMG JR „Daemonum“ Humbucker Set: Jim Roots Slipknot-Sound zum Einbauen!
Als Gitarrist von Slipknot und langjähriges Mitglied von Stone Sour zählt Jim Root seit Jahrzehnten zu den Größen des modernen Nu Metal. Neben seinen Signature-Gitarren – allen voran Telecaster und Jazzmaster – ist es vor allem sein Gitarrensound, der den Stil von Slipknot maßgeblich mitdefiniert. Straffe High-Gain-Riffs, präziser Attack und eine enorme Durchsetzungskraft gehören dabei zu seinem Markenzeichen.

Es ist kein Geheimnis, dass Jim Root über viele Jahre nahezu ausschließlich auf die EMG-81/60-Kombination setzte, weshalb er gemeinsam mit EMG über einen Zeitraum von mehr als drei Jahren ein neues Signature-Set entwickelte. Das Ergebnis hört auf den Namen JR „Daemonum“ und soll den aggressiven Sound klassischer EMGs mit dem Charakter der Retro-Active-Pickups verbinden.
Neben der Frage, wie die Daemonum-Pickups klingen, ist es vor allem spannend zu schauen, wie gut das EMG-Solderless-System funktioniert, bei dem kein Löten notwendig ist, da jede Komponente einfach ineinandergesteckt werden kann.
Features und Ausstattung
Das EMG Jim Root JR „Daemonum“ Set besteht aus zwei aktiven Humbuckern mit Keramikmagneten und ist entsprechend auf härtere Gangarten ausgerichtet. Laut EMG basiert das Set auf der bewährten 81/60-Kombination, wurde jedoch mit exklusiven Retro-Active-Preamps ausgestattet, die für mehr Dynamik und Ausdrucksstärke sorgen sollen.
Zu den wichtigsten technischen Daten zählen eine Ausgangsimpedanz von 3 kΩ für Hals- und Stegpickup, Resonanzfrequenzen von 1,80 kHz (Neck) beziehungsweise 1,63 kHz (Bridge) sowie eine Ausgangsspannung von bis zu 8 Volt.
Geliefert wird das Set inklusive des bekannten EMG-Solderless-Systems mit 25-kΩ-Potentiometern, sämtlicher Verkabelung und Montagematerial, sodass sich der Einbau vollständig ohne Löten realisieren lässt, was zumindest für Gitarristinnen und Gitarristen ohne Löterfahrung spannend sein dürfte.
EMG-Solderless: Pickup-Tausch ohne Lötkolben

Gerade dieser Punkt dürfte viele Gitarristinnen und Gitarristen interessieren. Das EMG-Stecksystem gehört seit Jahren zu den größten Vorteilen des Herstellers. Sämtliche Komponenten werden einfach über Steckverbindungen miteinander verbunden. Eine gut verständliche Anleitung liegt bei und führt Schritt für Schritt durch den gesamten Installationsprozess. Selbst ohne Elektronik-Know-how dürfte die Installation deshalb auch für Laien kein großer Akt sein.
Wer bereits Erfahrung mit dem Lötkolben besitzt, wird einen klassischen Pickup-Tausch ebenfalls schnell erledigen. Für viele Gitarristen stellt das Löten jedoch nach wie vor eine Hürde dar – sei es aus mangelnder Erfahrung oder weil schlicht kein entsprechendes Werkzeug vorhanden ist. Hier spielt das EMG-System seine Stärken aus und ermöglicht eine schnelle Installation, ohne sich gleich eine Lötstation und entsprechendes Equipment besorgen zu müssen.
Fehlerquellen werden reduziert und einzelne Komponenten lassen sich jederzeit unkompliziert austauschen oder neu verbinden. Besonders für Einsteiger ist das definitiv eine ausgesprochen angenehme Lösung, um Schaltpläne zu verstehen und die Berührungsangst vor der Gitarrenelektronik zu verlieren.


Praxistest
Installation des EMG-Solderless-System
Für den Test installierte ich das Daemonum-Set in einer Squier Jazzmaster mit HH-Pickguard, was mit Saitenwechsel und dem Ausbau der alten Elektronik insgesamt keine halbe Stunde gedauert hat.

Mit etwas Erfahrung ist das EMG-Solderless-System also gut in rund 20 bis 30 Minuten installiert. Gerade bei Gitarren mit Top-Load-Elektronik geht der Einbau erstaunlich schnell, da sämtliche Komponenten unter dem Schlagbrett lediglich zusammengesteckt und in einem Stück wieder auf den Korpus geschraubt werden. Wer noch nie an der Elektronik seiner E-Gitarre gearbeitet hat, sollte sich etwas mehr Zeit nehmen. Im Vergleich zum klassischen Löten ist das System aber definitiv einsteigerfreundlicher.
Bevor es an den eigentlichen Soundtest geht, sollte jedoch erwähnt werden, dass Pickup-Tests grundsätzlich immer eine gewisse Subjektivität mitbringen. Der Tonabnehmer bildet zwar quasi das erste Glied der Signalkette, sein Klang wird jedoch maßgeblich von der verwendeten Gitarre, der Brückenkonstruktion, der Saitenstärke und eben den verwendeten Pickups beeinflusst. Hinzu kommen Verstärker, Lautsprecher, Effektpedale und letztlich auch die Spielweise des Gitarristen.
Ein Pickup kann deshalb in zwei unterschiedlichen Gitarren oder Setups durchaus unterschiedlich klingen. Genau deshalb lohnt es sich dennoch, mit verschiedenen Tonabnehmern zu experimentieren. Schließlich lässt sich der Grundcharakter einer Gitarre durch einen Pickup-Tausch oft deutlich verändern, ohne gleich in ein komplett neues Instrument investieren zu müssen.
Test-Setup und Verstärker
Für den Praxistest kamen verschiedene Verstärker und Modeler zum Einsatz, um möglichst viele Einsatzbereiche abzudecken.
Mein persönliches Setup für härtere Stilrichtungen besteht meist aus einem ENGL Gigmaster, den ich mit einem NUX Horseman oder Badder Monkey im Low-Gain-Bereich anpuste. Zusätzlich testete ich verschiedene Modeling-Setups, darunter mehrere Peavey-5150-Varianten, Mesa/Boogie-Rectifier-Modelle, einen Marshall JCM900 sowie verschiedene Cabinet-IRs. Gerade im Zusammenspiel mit verschiedenen Gain-Stages fiel auf, wie zuverlässig stabil der Sound des Preamps bleibt. Hier braucht man wirklich keine Angst zu haben, dass sich nach ganzen Rig-Wechseln der Grundcharakter maßgeblich verändert.
Besonders spannend war natürlich ein Orange-Rockerverb-Modell. Jim Root selbst setzt seit vielen Jahren auf Orange Rockerverb 100 Heads und erzeugt den Großteil seines Live-Gains direkt über die Vorstufe des Verstärkers. Entsprechend lag es nahe, einige Slipknot-Riffs genau mit diesem Amp-Modell nachzuspielen.
Sound: Gnadenloser Punch mit starkem Mittenbild
Der Attack ist extrem knackig, Palm Mutes kommen mit enormer Präzision und gerade das Mittenbild wirkt ausgesprochen präsent, ohne unangenehm zu werden. Im direkten Vergleich zu meinen passiven Gitarren wirken die EMGs deutlich aggressiver. Besonders auffällig ist, wie viel Gain die Pickups problemlos verarbeiten können und dennoch präzise in Form bleiben. Bei identischen Verstärkereinstellungen liefern meine passiven Gitarren deutlich zurückhaltendere Sounds, während die Jim-Root-Pickups förmlich nach hohen Gain-Settings verlangen.
Gerade in Verbindung mit Noise Gates funktionieren die Tonabnehmer hervorragend. Schnelle Stop-and-Go-Riffs, rhythmische Breakdowns oder Metalcore- und Nu-Metal-Riffs profitieren von der sehr definierten Ansprache und der hohen Kompression. Trotz massiver Verzerrung bleiben einzelne Noten gut voneinander getrennt und ich hatte keineswegs das Gefühl, dass hier irgendetwas „zu viel“ ist.
Bridge-Pickup
Der Bridge-Pickup zeichnet sich mit seiner naturgemäßen Mittenpresänz aus und ist damit klar das Herzstück dieses Sets. Palm Mutes kommen mit ordentlich Nachdruck aus den Lautsprechern und reagieren extrem direkt auf den Anschlag der rechten Hand. Besonders gefallen hat mir das ausgeprägte Mittenbild, das selbst bei hohen Gain-Settings nie matschig wirkt. Schnelle Riffs bleiben sauber voneinander getrennt und auch tiefe Tunings behalten ihre Kontur. Gerade für Nu Metal, Metalcore, Deathcore oder Hardcore fühlt sich dieser Humbucker sofort zu Hause an.
Neck-Pickup
Der Hals-Pickup schlägt dagegen einen naturgemäß basslastigeren Sound an. Clean gespielt klingt er angenehm voll, ohne dabei an Definition zu verlieren. Akkorde werden sauber aufgelöst und auch bei angezerrten Sounds bleibt jede Note gut hörbar. Für warme Crunch-Rhythmusgitarren oder singende Lead-Linien gefällt mir der Neck-Pickup sogar besser als erwartet und bildet damit einen gelungenen Gegenpol zum kompromisslosen Steg-Humbucker.
Aktive Pickups – mehr als nur hoher Output
Rund um aktive Tonabnehmer hält sich bis heute die Vorstellung, dass diese grundsätzlich mehr Output besitzen als passive Modelle. Ganz so einfach ist es jedoch nicht. Der eigentliche Unterschied liegt im integrierten Vorverstärker, der über eine 9-Volt-Batterie gespeist wird und das Signal bereits direkt im Pickup aufbereitet.
Dadurch liefern aktive Pickups einen sehr konstanten Frequenzgang mit geringeren Pegelschwankungen und einer hohen Signalstabilität, was bei passiven Tonabnehmern nicht immer der Fall sein muss. Das Resultat ist ein äußerst präziser, definierter Sound mit klarer Ansprache, was besonders bei hohen Gain-Einstellungen und modernen Metal-Sounds von Vorteil sein kann. Natürlich erzeugt auch das Jim Root Set reichlich Ausgangspegel, entscheidender ist jedoch die enorme Klarheit selbst unter extremen Verzerrungen.
Diese Eigenschaften haben sich beim aktiven Jim Root Pickup-Set durchweg bewahrheitet. Entsprechend gibt es wenig Kritik an den Tonabnehmern selbst zu äußern, da sie wunderbar klingen und einfach zu installieren sind.
Dennoch bringen aktive Pickups auch einige praktische Einschränkungen mit sich, die man sich vor dem Kauf vor Augen führen sollte. Der offensichtlichste Punkt ist die Stromversorgung über eine 9-V-Batterie: Ist diese leer, bleibt die Gitarre stumm oder verliert deutlich an Leistung. Wer nach der Probe vergisst, das Instrument auszustecken, leert die Batterie zudem unnötig schnell (ja, ich spreche aus Erfahrung). Hinzu kommt, dass nicht jede Gitarre über ein separates Batteriefach verfügt. In meinem Fall sitzt die Batterie beispielsweise unter dem Pickguard zwischen der Elektronik. Das stört mich persönlich nicht, allerdings ist ein Batteriewechsel dadurch immer mit dem Abschrauben des Pickguards verbunden. Ein Batteriewechsel ist damit zwar kein Hexenwerk, aber deutlich umständlicher als bei Gitarren mit eigenem Batteriefach.
Klanglich sollte man außerdem keinen offenen Vintage- oder PAF-Charakter erwarten. Das Jim-Root-Set ist klar auf moderne High-Gain-Sounds abgestimmt und liefert genau dafür eine enorme Präzision, einen straffen Bassbereich und viel Durchsetzungskraft. Wer hingegen primär Blues, Classic Rock oder klassische PAF-Sounds sucht, wird eher bei passiven Humbuckern fündig.
Fazit: Starkes Rundumpaket, unkomplizierte Installation
Nach einigen Tests mit dem EMG JR „Daemonum“-Set bleibt für mich vor allem ein Eindruck hängen: Die Pickups machen genau das, was sie sollen. Wer moderne Metal-Sounds mit viel Attack, straffen Bässen und einem durchsetzungsfähigen Mittenbild sucht, bekommt hier ein wirklich starkes Gesamtpaket aus Steg- und Hals-Humbucker. Besonders der Bridge-Pickup hat mich überzeugt, während der Neck-Pickup in Kombination mit Clean- und Crunch-Sounds einen gelungenen Kontrast bildet, aber auch mit entsprechend mehr Drive für Rhythmus-Parts ebenso gut funktioniert. Dazu kommt das EMG-Solderless-System, das den Einbau auch für Gitarristen ohne Löterfahrung deutlich erleichtert.
Natürlich muss man sich mit den typischen Eigenheiten aktiver Pickups arrangieren – allen voran der 9-Volt-Batterie und dem eher modernen Klangcharakter. Wer jedoch genau diesen Sound sucht und ein sattes, aktives Humbucker-Set sucht, findet im Jim Root JR „Daemonum“-Set eine rundum gelungene Pickup-Kombination, die optimal für Nu Metal, Metalcore und alles was dazwischen liegt ideal funktioniert.
Pro
- Moderner High-Gain-Sound mit abgestimmtem Neck- und Bridge-Pickup
- Sehr präziser Attack und straffes Bassfundament
- Einfach zu installierendes EMG-Solderless-System (keine Löterfahrung nötig)
- Komplettes Einbau-Kit im Lieferumfang
Contra
- Batteriewechsel je nach Gitarrentyp etwas umständlich (beispielsweise Top-Load ohne E-Fach)
Link zur Herstellerseite: emgpickups.com


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Titelbild: EMG Pickups
