Ein guter E-Bass muss in erster Linie gar nicht viel mitbringen. Im Grunde reichen vier Saiten, ein brauchbarer Tonabnehmer und eine Konstruktion, die sich auch dann nicht beschwert, wenn die rechte Hand etwas gröber zur Sache geht. In dieser Hinsicht ist der J&D PB II Black schon auf dem Papier ziemlich passend aufgestellt: klassische PB-Bauform, passiver Split-Coil, Regler für Volume und Tone – mehr braucht es zunächst nicht.
Interessant wird es beim Preis, denn der J&D gehört mit rund 99 Euro klar in die Budget-Klasse und dürfte damit in erster Linie für Einsteigerinnen und Einsteiger interessant sein. Aber heißt günstig automatisch Anfängerinstrument? Ich wollte wissen, wie sich der PB II in einem Setup schlägt, das etwas weniger zimperlich mit ihm umgeht, und wie gut der E-Bass tatsächlich in der Praxis funktioniert.
Statt gemütlicher Blues-Licks standen bei mir deshalb vor allem schnelle Achtel, Plektrumspiel, härtere Anschläge und tiefmittige Zerrsounds auf dem Programm. Gleichzeitig wollte ich herausfinden, wie vielseitig sich das Instrument abseits härterer Genres einsetzen lässt und eben auch so gut für Genres wie Blues oder Fusion. Für den klassischen Weg ging es unter anderem über einen Ampeg SVT Classic, während mit dem Darkglass Anagram und verschiedenen Modeling-Lösungen auch verschiedene Sound- und Effektspielereien auf dem Programm standen. Eine gute Gelegenheit also, um herauszufinden, was aus einem derart günstigen P-Bass tatsächlich herauszuholen ist.
Klassisches Rezept ohne Schnickschnack
Der Korpus des J&D PB II besteht aus Pappel, dazu kommt ein geschraubter Ahornhals im C-Profil mit Blackwood-Griffbrett. Die klassische 34″-Longscale-Mensur und 21 Medium-Jumbo-Bünde vervollständigen ein Layout, bei dem man sich als Bassist kaum neu orientieren muss und beim ersten Anspielen schnell ein vertrautes Gefühl bekommt.
Genauso übersichtlich fällt die Elektronik aus. Ein passiver Split-Coil sitzt in der Mittelposition und wird lediglich über Volume und Tone geregelt. Aktive Klangregelung, Pickup-Wahlschalter oder zusätzliche Schaltungen gibt es nicht, wodurch gerade Anfängerinnen und Anfänger einen unkomplizierten Plug-and-Play-Bass erwarten können. Dazu kommen Vintage-Style-Mechaniken und eine klassische 4-Saddle-Bridge, die bei meinem Testmodell ebenso wie die restliche Hardware auf den ersten Blick sauber verarbeitet war. Das schwarze Finish hält sich optisch ebenfalls mit Experimenten zurück und sorgt für einen zeitlosen Look. Der PB II ist letztlich genau das, wonach er aussieht: ein einfacher und geradliniger P-Style-Bass.
Schließlich lebt der klassische P-Bass-Sound nicht unbedingt von besonders vielen Klangoptionen. Viel wichtiger ist, dass der einzelne Split-Coil einen brauchbaren Grundsound liefert, der sich durchsetzen kann und dabei genügend Definition und Kontur beibehält.

Praxis: Eindruck, Spielgefühl und Handling
Vom Konzept her gibt sich der J&D PB II von Anfang an angenehm konventionell. Das C-Halsprofil und die klassische 34″-Longscale-Mensur dürften den meisten Bassistinnen und Bassisten schnell vertraut vorkommen, während die 21 Medium-Jumbo-Bünde für praktisch alle alltäglichen Einsatzbereiche ausreichend Spielraum bieten. Gerade für Einsteigerinnen und Einsteiger ist das ein sinnvoller Ansatz: Statt sich mit ungewöhnlichen Spezifikationen oder anderen Eigenheiten auseinandersetzen zu müssen, bekommt man hier einen unkomplizierten Einstieg in die Welt der E-Bässe.
Verarbeitung
Bei einem derart günstigen Instrument war ich vor dem ersten Anspielen natürlich besonders auf die Verarbeitung gespannt. Halsfinish, Saitenlage, Mechaniken und Bridge hinterließen bei meinem Testmodell insgesamt einen sauberen und soliden Eindruck. An einzelnen Stellen waren die Bundkanten zwar leicht zu spüren und könnten bei Bedarf noch etwas nachgeschliffen werden, beim Spielen hat mich das persönlich allerdings kaum gestört. Auch die Stimmstabilität gab im Laufe des Tests keinen Anlass zur Kritik. Insgesamt fühlte sich der J&D keineswegs so an, als müsste man aufgrund seines niedrigen Preises größere Kompromisse bei der grundlegenden Verarbeitung hinnehmen. 
Im direkten Vergleich mit verschiedenen Bässen, die ich in der Vergangenheit in der Hand hatte, hätte ich das Instrument bei einem Blindtest rein vom ersten Eindruck sogar eher in einer Preisklasse zwischen etwa 200 und 400 Euro vermutet. Natürlich sollte man bei solchen Vergleichen vorsichtig sein, schließlich unterscheiden sich Instrumente und Ausstattungen teilweise erheblich. Für mich zeigt dieser Eindruck aber ganz gut, dass der PB II beim Anspielen zunächst einmal wie ein vollwertiger E-Bass wirkt, der sich nicht verstecken muss – und nicht wie ein Instrument, aus dem man möglichst schnell „herauswachsen“ möchte.
Wie spielt sich der J&D PB II?
Auch spielerisch gab es wenig, woran ich mich erst gewöhnen musste. Schnelle Positionswechsel gingen mit der Greifhand problemlos vonstatten und auch bei kräftigerem Anschlag blieb das Spielgefühl stabil. Da ich selbst aus dem Punk- und Metalcore-Bereich komme, spiele ich Bass in der Regel mit Plektrum und entsprechend energischerem Anschlag. Mit meinen bevorzugten 1,2-mm-Plektren ließen sich schnelle Achtel ebenso sauber umsetzen wie härter angeschlagene einzelne Noten und Riffs. Wer aus anderen Stilrichtungen kommt oder bevorzugt mit den Fingern spielt, bekommt mit der klassischen P-Bass-Konstruktion aber ebenso eine vertraute Grundlage für unterschiedlichste Spielweisen.
Dass sich das Instrument auf einen einzelnen Split-Coil sowie Volume- und Tone-Regler beschränkt, sehe ich dabei weniger als Einschränkung, sondern vielmehr als Teil des P-Style-Konzepts. Ein P-Bass muss nicht zehn unterschiedliche Grundsounds liefern. Mit vollständig geöffnetem Tone-Regler steht ein präsenterer Klang zur Verfügung, während sich das Signal durch Zurücknehmen der Höhen deutlich runder abstimmen lässt. Über den Volume-Regler kann zudem der Ausgangspegel angepasst werden, sodass sich das Instrument abhängig von Amp und Effekten von zurückhaltenden Clean-Sounds bis hin zu kräftigen, angezerrten Bass-Sounds einsetzen lässt.
Gerade für Einsteigerinnen und Einsteiger hat diese reduzierte Elektronik außerdem einen Vorteil: Man kann sich zunächst auf Spieltechnik, Anschlag und grundlegende Klangformung konzentrieren, anstatt sich direkt durch zahlreiche Pickup- und EQ-Kombinationen arbeiten zu müssen.
Sound
Test am Fame G9B Bass Combo
Da der PB II auch in einem Einsteigerbundle mit dem Fame G9B Bass Combo erhältlich ist, habe ich den E-Bass zunächst mit genau diesem Verstärker ausprobiert. Mit seinen 10 Watt Leistung und dem 5″-Lautsprecher sind die Leistungsreserven naturgemäß begrenzt, für das Üben zu Hause funktioniert die Kombination aber angenehm unkompliziert. Der Split-Coil des PB II liefert dabei ein ausreichend kräftiges und definiertes Signal, das sich über die 3-Band-Klangregelung des G9B zusätzlich an den persönlichen Geschmack anpassen lässt.
Besonders positiv fand ich, dass der Bass auch über den kleinen Lautsprecher seinen grundlegenden P-Bass-Charakter behält und einzelne Noten sowie einfache Basslines sauber nachvollziehbar bleiben. Mit aktiviertem Phat Switch kommt zusätzlich etwas Zerre ins Spiel, was dem ansonsten recht geradlinigen Setup einen raueren Charakter verleiht. Für Einsteiger ergibt sich damit eine stimmige Kombination, die ohne komplizierte Einstellungen auskommt und für die ersten Schritte am Instrument ebenso funktioniert wie für das tägliche Üben zu Hause.


Ab an den Vollröhren-SVT Classic
Das Gegenstück zum kleinen Übungscombo bildete im Test ein altbewährter Ampeg SVT Classic Vollröhrenverstärker. Der PB II ging hierfür direkt in den Amp, Master Volume wurde zunächst auf circa 11 Uhr aufgedreht, während Gain zunächst auf etwa 9 Uhr gestellt wurde. Auch der Tone-Regler des Instruments blieb vollständig geöffnet. Viel simpler kann eine Signalkette kaum sein. Gleichzeitig ist genau das eine gute Ausgangslage für den Klangtest, denn ohne vorgeschaltete Effekte oder umfangreiche Klangbearbeitung muss zunächst einmal der Bass selbst zeigen, was der Split-Coil aus der Vollröhre heraus holt.
Besonders gespannt war ich darauf, wie sich der Pickup in Sachen Nebengeräusche und Brummen verhält – vor allem dann, wenn am Verstärker etwas mehr Gain ins Spiel kommt. Das Ergebnis konnte mich überzeugen: Der Split-Coil verrichtete seinen Job zuverlässig und blieb auch bei kräftigeren Einstellungen angenehm kontrollierbar. Gerade hier zeigt sich für mich, dass neben der reinen Bespielbarkeit und Verarbeitung eines Instruments auch die Qualität des Tonabnehmers eine wichtige Rolle spielt. Schließlich prägt der Pickup maßgeblich das Signal, das am Verstärker ankommt – und der PB II liefert hier eine solide Grundlage.
Natürlich wollte ich es nicht bei der direkten Verbindung mit dem SVT belassen. Also kamen anschließend verschiedene Drive- und Fuzz-Pedale zwischen Bass und Verstärker, teilweise auch in Kombination mit einem Noise Gate. Gerade bei stärker verzerrten Sounds ließ sich der PB II gut verwenden und bot genügend Substanz, um den Grundsound anschließend mit den jeweiligen Effekten in unterschiedliche Richtungen zu formen.

Darkglass Anagram und Fame URM: Mit Amp Modelern wird es vielseitiger
Noch einmal deutlich mehr Möglichkeiten eröffnet der J&D PB II in Verbindung mit einem Amp Modeler. Geräte wie das Darkglass Anagram oder die verschiedenen Fame URM Modeling Pedale eignen sich hervorragend, um unterschiedliche Bass-Sounds, Verstärker und Effekte auszuprobieren. Entsprechend konnte ich auch aus dem zunächst recht simpel aufgebauten PB II einiges herausholen.
Mit dem passenden Preset funktioniert ein effektbetonter Envelope-Sound für Slap-Passagen genauso wie ein angezerrter oder kräftiger Fuzz-Bass für härtere Gefilde. Gerade für Einsteiger ist das spannend, weil sich mit einem einzigen Instrument sehr unterschiedliche Klangrichtungen ausprobieren lassen, ohne dafür direkt verschiedene Verstärker oder ein umfangreiches Pedalboard zu benötigen. Gleichzeitig bekommt man schnell ein Gefühl dafür, wie unterschiedlich ein und derselbe Bass abhängig von Amp, Effekten und Signalbearbeitung klingen kann.
Dabei sollte man allerdings die Eigenheiten des klassischen passiven P-Bass-Konzepts im Hinterkopf behalten. Im Gegensatz zu einem aktiven Bass mit integriertem Preamp und Zwei- oder Dreiband-Klangregelung lässt sich das Signal des einzelnen Split-Coils direkt am Instrument nur eingeschränkt formen. Neben dem Volume-Regler steht hierfür schließlich nur der Tone-Regler zur Verfügung. Dafür liefert der PB II zunächst einen kräftigen Grundsound mit ordentlich Substanz, der anschließend am Modeler, Verstärker oder über Effektpedale weiterbearbeitet werden kann.


Fazit: Überzeugender Tieftöner für jeden Geldbeutel
Alles in allem übezeugte der PB II in meinem Test und ist definitiv ein Instrument, mit einem ziemlich starken Preis-Leistungs-Verhältnis. Volume, Tone, und ein knackiger Split-Coil, mehr braucht es zunächst nicht, um einen überzeugenden Bass-Sound hinzubekommen. Die zusätzliche klangliche Flexibilität entsteht bei Bedarf über Amp und Effekte, während der Bass selbst eine einfache und charakteristische Grundlage liefert. Gerade für Einsteiger kann dieses reduzierte Konzept sogar von Vorteil sein: Man lernt schnell, welchen Einfluss Anschlag, Tone-Regler, Verstärker und Effekte jeweils auf den eigenen Sound haben.
Verarbeitungsmängel oder größere Unstimmigkeiten im Handling konnte ich nicht feststellen, nichtsdestotrotz empfielt es sich auch bei solch günstigen Serieninstrumenten vor dem Kauf einen praktischen EIndruck zu bekommen.
Pro
- Sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
- Gute Verarbeitungsqualität (Korpus und Hardware)
- Split-Coil liefert einen tollen Sound
- Überzeugt in verschiedenen Setups mit unterschiedlichen Verstärkern und Modelern
Contra
- Bundkanten teils etwas spitz







