Bereits seit Jahrzehnten hält sich unter Gitarristen ein besonders hartnäckiges Gerücht. Und zwar, dass der schlechteste Gitarrist in der Band sich am besten für den Job am Bass eignet. Immerhin werden auf dem E-Bass im Durchschnitt weitaus weniger Töne als auf der Gitarre gespielt, meist nur einzelne Töne statt komplexer Akkorde. Zusätzlich besitzt er weniger Saiten, und dazu ist alles auch noch etwas größer dimensioniert, weshalb man nicht so präzise auf dem Griffbrett sein muss wie auf der filigraneren E-Gitarre. Ganz ehrlich, wie schwer kann das denn bitte schon sein?
Dass das alles natürlich absoluter Quatsch ist, wird schnell klar, wenn man sich dann doch mal den E-Bass umhängt und merkt, dass nichts so wirklich einfach ist. Kein Wunder, dass Gitarristinnen und Gitarristen am Bass von echten Bassisten belächelt werden, immerhin fehlt uns ‚Aushilfs-Bassern‘ oft das nötige Gespür, das absolut entscheidend ist, um die Rolle am Tieftöner in einer Band angemessen zu bedienen. Falls auch du von der Gitarre an den Bass gewechselt bist oder noch wechseln möchtest, haben wir hier 5 heiße Tipps für dich, die dir helfen, wie ein echter Bassist zu denken!
Tipp 1: Sei das Bindeglied zwischen Harmonie und Rhythmus!
Zunächst einmal solltest du dir im Klaren darüber sein, was die essenzielle Aufgabe eines Bassisten im üblichen Band-Kontext eigentlich bedeutet. Diese besteht meist nämlich darin, die Harmonien der Gitarre oder des Keyboards mit dem Rhythmus des Schlagzeugs zu verbinden. Wichtig ist also nicht nur, welche Töne du spielst, sondern auch, wann du sie spielst. Während vor allem die Lead-Gitarristen unter uns das Tempo und den Rhythmus gerne mal etwas variabler auslegen, ist Tightness das A und O am Bass. Denn erst, wenn du in der „Pocket“ bist und mit dem Schlagzeuger eine solide Einheit bildest, kannst du wirklich grooven.

In erster Linie gilt das für die Beziehung zur Bass Drum. Ihr Einsatz kann dir nämlich wertvolle Hinweise darüber geben, wann du kraftvolle Akzente setzen kannst. Das heißt nicht, dass Bass und Drums immer zwingend die gleichen Rhythmen spielen sollen. Dennoch ist es nie verkehrt, sich am Pattern der Kick Drum zu orientieren. Denn der richtige Groove sollte immer auch das rhythmische Fundament eines Songs unterstützen.
Ein weiterer guter Tipp ist es, stets die Hi-Hat des Schlagzeugs im Ohr zu behalten. Die Hi-Hat spielt nämlich meist rhythmisch konstante Muster, die dir wie die Rasterung eines Millimeterpapiers auch in unübersichtlicheren Band-Gefügen jederzeit das aktuelle Tempo des Songs anzeigen. Gerade für Basstöne, die du unabhängig von Kick und Snare einstreust, ist die Hi-Hat daher eine weitere wichtige Schlagzeug-Komponente, um das richtige Timing zu finden.
Tipp 2: Spiele nicht zu viele Töne!
„Overplaying“ ist hier das Stichwort, das viele Bassisten nutzen, um uns Gitarristen am Bass zu entlarven. Und es stimmt: wir Gitarristen sind es gewohnt, schnelle Läufe einzustreuen, komplexe Akkorde zu spielen und mit Bendings und Vibratos für Aufmerksamkeit zu sorgen. Statt vieler verschiedener Töne und Skalen, die rauf und runter gespielt werden, setzen Bassisten aber meist lieber auf weniger, dafür strategisch klug platzierte Töne. Oft kann ein einzelner Ton nämlich erst seine größtmögliche Wirkung entfalten, wenn wir stattdessen lieber auf Timing, Notenlänge und Dynamik achten.
Unser Tipp: Keep it simple! Beschränke dich zunächst auf wenige rudimentäre Töne wie z. B. den Grundton eines Akkords sowie die Oktave dazu. Mache dir stattdessen lieber Gedanken darum, wie fest du die Töne anschlägst, wann du sie anschlägst und wie lange du sie hältst. Es ist wirklich erstaunlich, wie viel Ausdruck du einem einzelnen Ton entlocken kannst, wenn du über jeden einzelnen Ton genauer nachdenkst und überlegst, wie du ihn spielst.
Tipp 3: Saiten richtig abdämpfen!
Bassisten sind nicht nur wichtiger als man denkt, sie tragen mit ihrem Instrument auch eine enorme Verantwortung. Denn im Gegensatz zur Gitarre ist jeder falsche Ton am Bass selbst durch allerdickste Club-Türen noch bestens zu hören 😉
Wer die dicken, klanggewaltigen Saiten eines Bass in Schwingung bringen will, sollte also auch gleichermaßen darauf achten, dass sie nicht zur falschen Zeit schwingen. Denn nichts killt den Groove und den Impact einer gepflegten Basslinie mehr als mitschwingende Basssaiten, die das eigentliche Signal überdecken und für unerwünschte Nebengeräusche und störendes Wummern sorgen. Deshalb gehört das konsequente Abdämpfen der Saiten zu den wichtigsten Disziplinen, die ein Bassist mitbringen sollte.
Zum Saitendämpfen hast du im Endeffekt zwei Möglichkeiten, wovon die eine deine linke Hand ist und die andere deine rechte Hand. Mit der linken Hand kannst du sehr gut die Saiten unterhalb der gerade gespielten Saite abdämpfen, indem du die Finger bei Bedarf nicht ganz rund machst und locker auf den hohen Saiten liegen lässt, während die Fingerkuppe die eigentliche Greifarbeit übernimmt.
Das Abdämpfen der tiefen Saiten kann hingegen die rechte Hand übernehmen. Wenn du klassisch Fingerstyle mit Zeigefinger und Mittelfinger spielst, sorgt zum einen der sogenannte ‚Rest Stroke‘. Wenn du beispielsweise die A-Saite zupfst, bewegt sich die Fingerkuppe weiter, bis sie auf die höher gelegene E-Saite trifft und diese dämpft. Eine gute Rest-Stroke-Technik kann also schon sehr viel dazu beitragen, dass dein Bassspiel sauberer wird.
Manchmal kann es allerdings auch helfen, zusätzlich noch den Daumen zur Hilfe zu nehmen. Wenn du beispielsweise auf der D-Saite spielst, dämpft der Rest Stroke zwar die A-Saite oben drüber, die E-Saite kann aber dennoch ungehindert schwingen. Hier kann der Daumen Abhilfe schaffen, indem du ihn locker auf die Saite auflegst.
Tipp 4: Vergiss deinen Gitarrensound!
Eine weitere Angewohnheit, die wir Gitarristen am Bass ablegen müssen, ist die Art und Weise, wie wir unseren Sound betrachten. Während uns mit der E-Gitarre viel Platz im Frequenzspektrum für verzerrte Sounds mit aggressiven Höhen und durchsetzungsfähigen Mitten haben, verfolgen wir am Bass meist ein ganz anderes Ziel.
Ein guter Bass-Sound füllt nämlich gekonnt die Lücke zwischen den tiefen Frequenzen der Kick Drum und dem Mittenbereich, den in der Regel die Gitarren füllen. Wenn wir unserem Sound also zu viel Tiefbass gönnen, rauben wir der Bass Drum des Schlagzeugs ihre Konturen und der Sound wir schwammig. Ein zu sehr auf Höhen und Verzerrung ausgelegter Bass-Sound verliert hingegen seine tragende Funktion im Bandgefüge, das Resultat ist ein dünner Gesamtklang. Es ist also nie verkehrt, viel mit dem Equalizer am Verstärker, am Instrument oder im Pedalformat zu arbeiten, um deine perfekte Lücke im Band-Mix zu finden.

Das Thema Dynamik spielt natürlich auch eine enorm wichtige Rolle. Hier kommen meist Kompressoren ins Spiel, mit denen du nicht nur das grundlegende Lautstärkeverhältnis zwischen verschiedenen Tönen anpassen kannst, sondern auch Einfluss auf den Lautstärkeverlauf eines gespielten Tons nehmen kannst. Wer beispielsweise gerne Slap Bass spielt, stellt seinen Kompressor in der Regel so ein, dass allzu harsche Signalspitzen am Anfang des Tons vom Kompressor abgefangen werden.

Tipp 5: Lerne, wie ein Bassist zu denken!
Der Schlüssel zum richtigen Bassspiel liegt zuletzt nicht nur in der korrekten Spieltechnik, sondern vor allem in der richtigen musikalischen Denkweise. Wie bereits erwähnt, beschäftigen sich die meisten Bassisten weniger mit Dingen wie komplexen Akkordvoicings und blitzschnellen Solo-Einlagen, allerdings beschränken sie sich auch nicht darauf, nur simple Grundtöne zu zupfen.
Besonders aufschlussreich ist es, sich intensiv mit den Basslinien bekannter Songs auseinanderzusetzen. Immerhin gibt es eine enorme Bandbreite verschiedener Bass-Ikonen, von denen man einiges lernen kann. Egal, ob es der melodische Stil eines Paul McCartney, rhythmisch fundiertes Spiel à la James Jamerson oder der unverkennbare Groove eines Bootsy Collins oder Pino Palladino ist, der dich reizt. Wenn du hingegen den Bass in einer Metal-Band spielst, ist es nie verkehrt, bei den Klassikern wie Iron Maidens Steve Harris oder Geezer Butler von Black Sabbath, aber auch bei den moderneren Prog-Metal-Bassisten wie John Myung oder Nolly Getgood zu lernen.
Wichtig ist, dass du Zusammenhänge verstehst und für dich ergründest, warum bestimmte Töne im Zusammenspiel mit Harmonie und Rhythmus so gut funktionieren. So findest du schnell zu deinem eigenen Stil, der deinen Basslinien das gewisse Etwas gibt und dich vom einfachen Grundtongezupfe schnell abhebt.
Fazit: Bass ist mehr als eine tiefer gestimmte Gitarre
Selbstverständlich spricht nichts dagegen, wenn du als Gitarrist gelegentlich zum Bass greifst, um den eigentlichen Bassisten zu vertreten oder schnell mal eine simple Basslinie einzuspielen. Wer allerdings beide Instrumente und vor allem ihre jeweilige Denkweise dahinter verstehen lernt, entwickelt ein besseres Verständnis für Arrangements, Rhythmik und das allgemeine Zusammenspiel in einer Band. Es geht also nicht um rasante Läufe oder virtuose Slap-Einlagen, stattdessen stehen essenzielle Skills wie Groove, Timing und Dynamik stets im Vordergrund. Denn ganz ehrlich: es gibt nicht besseres, als ein anerkennendes Nicken vom Schlagzeuger nach einer gelungenen Jam-Session zu bekommen 😉
